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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-05-13 · 19 (13.5.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
19 (13.5.1938)
Date
1938-05-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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13. M A I 19 38 / / / 12. I J AR 5 698 . 14. JAHRGANG / NUMMER 19 Die Reichsvertretung derjuden in Deutschland und die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig laden hiermit alle Gemeindemitglieder auf Dienstag, den 17. Mai 1938, pünktlich 20.15 Uhr, zu einem Gemeinde-Abend in den Kulturbundsaal (Battenberg-Theater, Tauchaer Straße) ein. Wir zeigen: „Schaffender Wille" Juden werden Bauern und Handwerker Es sprechen: Rabbiner Dr. Leo Baeck, Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland Dr. Franz Meyer von der Geschäftsführung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland Eintritt frei Zutritt nur für Angehörige der jüdischen Gemeinschaft Dr. S. Samuel: Neuhebräisches Schrifttum jenseits des Ozeans. Wer an die menschenreichen Siedlungen jenseits des Ozeans, vor illen an New York, denkt, wohin seit Jahrzehnten so viele unserer I ilaubcusbrüdcr eingeströmt sind, wird sich die Frage vorlegen, wie s unter dem Geheul der Sirenen, dem Dröhnen der Maschinen, dem Lärm der Straßen und Plätze, mit der Erhaltung und Pflege unserer religiösen und kulturellen Outer bestellt sei? Waren bedrückende Enge, soziale Unsicherheit und harte Umwelt die Ursachen, die zumal runische Juden in Scharen nach den Vereinigten Staaten führten, so väre es begreiflich, dal! die besten Kräfte der ersten (ieuerationeii im Kampfe um neue, materielle Existenz und das Linieben in die neue englisch-sprechende Umwelt und amerikanische Verhältnisse sich erschöpft hatten. Erstaunlich früh traten ideale Bestrebungen immer stärker in den Vordergrund. Daß dazu auch die Pflege des neuhebrlischen Schrifttums, insbesondere der schönen Literatur gehörte, dafür liegen aus jüngster Zeit reiche, herzerhebende Beweise vor. Line „Hebräische Gesellschaft" (llistadrut ibrit) bildete sich in New York (mit Zweigvereinen in anderen Städten) zu dem Ziele, litten in das sogen, jiddische Milieu und den englisch-amcrikani- ■ hen Lebcnsstrom eine Pflegestätte für hebräische Sprache und Literatur einzubauen. Noch gab es unter den älteren Einwanderern I einer und Liebhaber dieses geistigen Gutes, wenngleich draußen das Jiddische die Zeitung, das Theater und Schrifttum beherrschte, niiie Tage waren gezählt; der Jugend konnte nicht verborgen btei- I en, dalJ für seine einstige Punktion kein Platz und kein Recht mehr bestand. Das stärkere, jüdische Bewußtsein mit seiner ausgesprochenen Zionsliebe erkannte den Vorzug des Neuhebräischen an, dessen I eistungen von Jahr zu Jahr stiegen. Aus der Jugend selbst heraus kan der Ruf nach Aufnahme des Hebräischen in den Lehrplan der mittleren und höheren Schulen; der Zudrang zu diesem Lache wurde so groß, daß der Vorbildung geeigneter Lehrkräfte besonderes toter« esse zugewandt und ein Lehrerseminar mit hehr. Unterrichtssprache gegründet werden mußte. Heute hat Hebräisch („vom Tenach bis zu 1 labriel Preil") seinen festen Platz in amerik.-jüdischen Schulen, und es werden davon nach einer vorsichtigen Sehätzung etwa 200000 jüdische Menschen allein in New York erfaßt. Wieviel üeist, Qeld und Organisation hier investiert sind, wird man leicht ermessen. Recht amerikanisch mutet es uns an, daß zu den wichtigsten Werbemitteln die Hebr. Woche (schabua ibri) gehört. In dieser durchziehen Schüler und Schülerinnen mit entsprechenden Plakaten die von Juden besonders bewohnten Straßen; die Sammelbüchsen füllen sich; Werbe- und Einladungsschriftcn werden verteilt. Den Höhepunkt bildet der Hebr. Tag (Jörn ibri); in diesem Jahre der i. April) mit einer Abendveranstaltung vor Tausenden, von denen gar manche neue Mitglieder der Histadrut werden, wie deren Berichte überhaupt eine wachsende Entwicklung feststellen können. Sie wird vielen tatkräftigen, für das hebr. Schrifttum begeisterten Männern verdankt; besonders rühmend müssen hervorgehoben werden: Daniel Perski, eine echte Vorkämpferuatur; die Pädagogen Frischberg, Witman, Scharfstein und vornehmlich Friedland (Verfasser von Lehrbüchern, Unterhaltungslektüre und Kinderliedern); als Schatzmeister Abraham Speishändler; als Schriftleiter Mcnaehem Ribulow, der nicht nur seine Wochenschrift „Ha-doar" (die Post) der guten Sache zur Verfügung stellt, sondern sein tiefes Verständnis Für modernes, hebräisches Schrifttum soeben wieder durch die Herausgabe einer „Anthologie der hebr. Poesie in Amerika" (New York 1938) glänzend bewährt hat. Abgesehen von einer kleineren Vorläuferin („goldne Lieder aus dem üoldland" von Blank), gewährt Ribulows Blütenlese den ersten Oberblick über das reiche Schaffen neuhebräischer Dichter jenseits des Ozeans in einem Zeitraum von 60 Jahren (IST; 1937). Deutlich heben sich mehrere Gruppen voneinander ab; die wichtigste beherrscht den Zeitraum von 1905 -35; die ältere steht noch ganz unter dem Einfluß der russisch-jüdischen Umwelt; unter den jüngsten Dichtern sind manche bereits in Amerika geboren. Unmittelbar an den bedeutendsten Dichter der russisch-jüdischen Haskala, Jehuda Leib Gordon (den sogen. Jeläg), knüpfte Mcnaehem Mendel Doli tzk' an, der recht pessimistisch in die Zukunft der Juden Amerikas blickte, dagegen Erez Israel in überirdischem, unwirklichem Glänze daliegen sah, wie sein herrliches Gedicht „iwwissicha" beweist. Auch Herz Imber, dem wir die Hatikwa verdanken, konnte sich an den Rhythmus des amerikanischen Lebens nicht gewöhnen; und Gerson Rosen zweig, der Satiriker, hat manche reinigende Wirkung geübt, übrigens als erster auf das Elend der jüdischen Arbeiter in New York aufmerksam gemacht1), dem ja auch Morris Rosenfeld seine jiddischen Lieder widmete. Die Genannten (zu denen l) Scharf rügt er seine eingewanderten Brüder. Er wirft ihnen vor, daß sie „über der Freiheit eine Knechtschaft errichten" und spitzt diesen Vorwurf zu einem Wortspiel „Poh ami rik hu", in dem er den Namen „Amerika" klanghaft auflöst in die Worte „ami rik hu" und damit zum Ausdruck bringt: „Mein Volk wird ein Volk der Leere und Hohlheit".

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