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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-04-29 · 17 (29.4.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
17 (29.4.1938)
Date
1938-04-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JODISCH ES QEM EINDEBLATT LEIPZIG 29. April 1938/Nr. 17 beitsgemcinschaft stand unter der Leitung von Dr. Eva Reichin a n n -1 u n g in a u n , ihr Teilthema hieß „Jüdisches Leben in Palästina''. Die Frage, ob Palästina durch Arbeit und Leben von jüdischen Menschen schon ein „jüdisches Land'' wird, wurde verneint, obwohl anerkannt wurde, daß ein solcher Standpunkt von der jungen Generation zum Teil bejaht wird. Die jüdische Haltung, die wir durch das jüdische Erleben hier den Fragen in Palästina entgegenbringen, wurde an drei Einzelthemen herausgearbeitet: „Die Stellung der Frau in Palästina'', „Juden und Araber", „Palästina und Diaspora". Zu jeder Frage wurden Texte verlesen, die entgegengesetzte Meinungen /um Ausdruck brachten. Die Stellung der Frau wird einerseits als extrem emanzipiert angesehen, so daß Männer wie Ernst Simon und Ignaz Maybaum von einem Matriarchat sprechen; andrerseits empfinden viele im Kibbuz lebende Frauen ihre Beteiligung am öffentlich-jüdischen Leben als durchaus ungenügend. Die Aussprache ergab die Berechtigung beider Anschauungen. Gerade in beziig auf die Frauenfrage ist die gesellschaftliche, wirtschaftliehe und geistige Entwicklung in Palästina noch so im Fluß, daß man diese Entwicklung nur beobachten bzw. sich aktiv in sie einschalten kann, wenn man im Lande lebt. Zur Araberfrage wurden Zeugnisse von Buber und Magnes sowie von Jabotinski herangezogen, Die Aussprache, die durch Schilderungen au* Palästina besonders lebendig war, bejahte die Haltung, für die Buber die Formulierung fand: „Wir dürfen nicht mehr Unrecht tun als wir müssen, um zu leben." Im Schlußwort betonte Dr. Eva Reichmaun, daß die Fragen, die in dieser Arbeitsgemeinschaft theoretisch behandelt wurden, eine eminent praktische Bedeutung gewinnen für jeden, der nach Palästina geht. Unter der Leitung von Rabbiner Dr. Ignaz Maybaum wurde das Thema „Seelische Auswanderungs Vorbereitung'' behandelt. Die Aussprache sollte Stellung nehmen zu folgenden Fragen: 1. Inwiefern ist Auswanderungsweg, der nicht nach Palästina geht, jüdischer Weg? 2. Die Missionsidee des Deutero-Jesaja. 3. Gibt es ein jüdisches Sozialideal, das etwa dem des Chaluz entspricht? 4. Organisation der Diaspora. 5. Das Mitnehmen der jüdischen Geschichte. Bei der ersten Frage kommt man unter starker Beteiligung aller Anwesenden zu dem Resultat, daß die Erhaltung jüdischen Lebens schon eine jüdische Tat ist. Leben ist etwas Naturhaftes, aber jüdisches Leben ist eine geistige Aufgabe, die zu erfüllen in jedem Land der Erde möglich ist. Die jüdische Gemeinschaft als solche ist ein Zeugnis, das auf Gott hinweist. Zur zweiten Frage findet man die Lösung: Zion und Mission wird vom jüdischen Menschen verlangt. In Jesaja, Kapitel 4°, wird gesagt, daß es nicht gelingt, Israel nach Zion zu führen. „Zu wenig", sagt der Prophet und fahrt fort: „Ich mache dich zum Licht der Völker, daß reicht mein Heil bis zu der Erde Ende." Die jüdische Mission ist kein Poli- Tikum. sie arbeitet nicht mit dem Schwert und will nicht bekehren. Vielleicht ist sie am besten zu erklären mit den Worten: „Du sollst ein Segen sein." In seinem Schlußwort führte Dr. Maybaum aus, daß jüdische Menschen überall, wohin sie auch gehen, ihre jüdische deseliichte mitnehmen'und mitnehmen sollen. Von dieser Aussprache führte manche Verbindung zur Arbeitsgemeinschaft des dritten Tages. Professor Kantorowicz, Frankfurt a. M., sprach mit den Frauen und zu ihnen über „Die geistige Arbeit in den Zweigstellen des Bundes". Er sieht den Sinn geistiger Arbeit in oder mit einer Gemeinschaft darin, Menschen dazu zu bringen, daß sie nach den Hintergruudsfragen suchen und ihnen die Elemente einer Bildung zu vermitteln. Den Mangel an geistigem Interesse führt Professor K. darauf zurück, daß die Beschäftigung mit geistigen Dingen einer gewissen äußeren Ruhe bedarf, die unseren jüdischen Menschen heute fehlt. Aber gerade für Das neue polnische Gesetz Ober den Verlust der Staatsbürgerschaft. Ein außerhalb Polens weilender polnischer Staatsbürger kann der polni-clun Staatsbürgerschaft für verlustig erklärt werden, wenn er im Auslände zum Schaden des polnischen Staates gehandelt oder während eines ununterbrochenen Ausländsaufenthaltes von wenigstens fünf Jahren nach Entstehung des polnischen Staates den Zusammenhang mit dem polnischen Staat verloren hat, oder wenn er entgegen einer Aufforderung der polnischen Behörde nicht in der festgesetzten Frist aus dem Ausland nach Polen zurückgekehrt ist. Die Ausbürgerung erfolgt durch einen Bescheid des Innenministers auf Antrag des Außenministers. Der Bescheid bedarf keiner Begründung und ist sofort vollstreckbar. Es kann aber dagegen Klage beim obersten Verwaltungsgerichtshof erhoben werden. Mit dt m Mann verliert dessen Frau die Staatsbürgerschaft, mit dem Vater oder der unehelichen Mutter deren Kinder im Alter bis zu 18 Jahren, wenn auch diese Angehörigen im Auslande weilen und -ie im Ausbiirgerungsbescheid nicht ausdrücklich vom Verlust der Staatsbürgerschaft ausgenommen sind. Solche Ausnahmen sind möglich, wenn keine tatsächliche Ehe oder Familicngcmeinschaft mit tlt;n Ausgebürgerten bestanden hat und nicht für die Angehörigen selbst die Ausbürgerungsgrunde zutreffen. Die Frau eines polnischen Staatsangehörigen kann auch für sich allein ausgebürgert werdm, wenn sie nicht in Ehegemeinschaft mit dem Manne lebt und für sie die gesetzlichen Voraussetzungen der Ausbürgerung zutreffen. Ausgebürgerte dürfen, auch wenn sie eine andere Staatsbürgerschaft erlangt haben, nur nach vorheriger Einwilligung des Innen- Aufführung des neuen Films Ober die Sozialarbeit der Reichsvertretung in Leipzig Der im Auftrage der Reichsvertretung der Juden in Deutschland hergestellte, vor kurzem in Berlin uraufgeführt^ und seit einigen Wochen mit großem Erfolg in verschiedenen Gemeinden im Reich gezeigte Film „Schaffender Wille" Juden werden Bauern und Handwerker wird demnächst auch in Leipzig vorgeführt werden. Der Film, der vorzugsweise Bilder aus der landwirtschaftlichen und handwerklichen Berufsausbildungs- und Berufs umschichtungs-Arbeit der Reichsvertretung bringt, gewährt einen lebendigen Einblick in diese heute besonders interessierende Materie. Die hiesige Vorführung, die am 17. Mal 1938 stattfinden soll, verspricht deswegen noch besonders interessant zu werden, weil der Präsident der Reichsvertretung Rabbiner Dr. Leo Baeck sowie Dr. Franz Meyer von der Geschäftsführung der Reichsvertretung es liebenswürdigerweise übernommen haben, einleitende und erläuternde Referate zu halten. Die Filmvorführung erfolgt im Rahmen eines im Kulturbundtheater stattfindenden Gemeindeabends, über den in den nächsten Nummern des Gemeindeblattes noch ausführlich Mitteilung gemacht wird. Zu dieser Vorführung sind alle Gemeindemitglieder herzlich eingeladen. Wir weisen schon heute darauf hin, damit für diesen Abend keine anderen Verabredungen getroffen werden. Menschen, die glauben, keine Zeit für geistige Arbeit zu haben, ist es wichtig, zu einer geistigen Haltung zu kommen, weil nur sie hilft, das Leben zu ertragen. Durch die ganze Welt geht das Bestreben, sich von einer Gesamtverantwortung mittragen zu lassen. Desto unerbittlicher müssen wir im eigenen Kreise die Menschen zur Selbstverantwortung erziehen. Professor K. wies dann auf die pädagogische Problematik jeder Minderheit hin und spricht über die Erziehung unserer Jugend zu einer Haltung, die sie befähigt, als Minderheit standzuhalten. Geistige Arbeit des Frauenbundes hat nicht als Ziel Wissensstoff zu vermitteln, sondern zu den letzten Fragen hinzuführen, wobei es allerdings zum Wesen der Religion gehört, die letzte Frage als Frage auszuhalten. - Am Nachmittag dieses Tages wurden an Beispielen aus der örtlichen Arbeit methodische Hinweise für die Gestaltung der geistigen Arbeit gegeben. In Lehnitz begann jeder Tag mit einer Bibellernstunde. Frau Cilly N e u h a u s gab Erläuterungen zu dem Prophetenabschnitt der Woche (Ezechiel, Kapitel 36); besonders wirkte der biblische Text, den i)ora Segall las. Wie immer trug die Atmosphäre des Lehnitzer Heims zum Gelingen der Tagung wesentlich bei. ministen zeitweilig im Bereich des polnischen Staates weilen. Zuwiderhandlungen werden mit Kerker bis zu fünf Jahren und einer Geldstrafe bestraft. Das Gesetz ist ab 1. April 10J8 in Kraft getreten. Rechtsanwalt Dr. Walter Lippmann (Leipzig). Jugendausbildung in Palästina. Die Möglichkeiten, die sich aus den neuen F.inwandcrungsbc- Stimmungen für Palästina hinsichtlich der Auswanderung von Jugendlichen ergeben, bedürfen einer genaueren Darstellung. Nachdem grundsätzlich zahlenmäßige Beschränkungen nicht bestehen und die Ziffer der Zertifikate allein von der Zahl der verfügbaren Ausbildungsplätze abhängt, wendet sich das allgemeine Interesse vornehmlich den Institutionen des Landes zu, in denen solche Aushil dungsplätze bestehen. Vorab muß hier die lugend«Alijah erwähnt werden, die in den fünf Jahren ihres Bestehens schon mehr als 2tKXI Jugendliche in landwirtschaftliche Siedlungen und andere Ausbildungsstätten gebracht und dort ausgebildet hat. Für Mädchen von über 18 Jahren bietet die Wizo vorzügliche land- und hauswirtschaftliche Ausbil dungsmöglichkeiten in ihren zahlreichen Schulen und Lehrfarmen. Das Technikum in Haifa und die Hebräische Universität in Jerusalem sind in der Lage, für Studenten Zertifikate zu erwirken. Eine ganze Reihe weiterer Schulen im Lande, die allen Zweigen der allgemeinen und Fachausbildung dienen, haben das gleiche Recht. Die Einzelauawanderung von Schülern und Schülerinnen kann somit einen beträchtlichen Umfang erreichen, und sollte ernsthaft erwogen werden, zumal transfermäßige Hindernisse nicht bestehen.

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