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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-04-22 · 16 (22.4.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
16 (22.4.1938)
Date
1938-04-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JODISCHES OEMEINDEBLATT LEIPZIG 22 April MM / Nr. H allen Teilen der Welt erscheinenden jüdischen Zeitschriftenorgane gewährt. Sie ist, wie ein Blick in die aus Deutschland aufgeführten Blätter belehrt, noch sehr unvollständig; es ist anzunehmen, daß auch aus anderen Ländern noch viele Zeitschriften nicht aufgeführt werden konnten. Immerhin ist auch mit dieser Veröffentlichung ein wertvolles Mittel für die Kenntnis der jüdischen Presse der Welt gegeben. — Wie aus diesen kurzen Hinweisen zu ersehen ist, hat sich das Wilnaer jüdische Institut zu einem, wertvollen Organ jüdischer Forschung entwickelt. Als solches verdient es jegliche Beachtung und Förderung. C. Freunde und Feinde des Hilfsvereins. Die Hauptgeschäftsstelle des Hilfsvereins der Juden in Deutschland übergibt uns die nachstehenden Ausführungen mit der Bitte um Veröffentlichung. Die Redaktion. Der Hilfsverein hat keine Gegner. Liberale und Zionisteu, Orthodoxe und Freidenker, alle politischen und religiösen Gruppen, Stimmen darin überein, dal! die Arbeit des Hilfsvereins für das gesamte Judentum Deutschlands von lebenswichtiger Bedeutung ist. Denn niemand kann leugnen, dal! für Zehntausende unserer Menschen heute die ein/ige Zukunftschance in der Auswanderung liegt, und da Palästina zurzeit nur einen verhältnismäßig geringen Teil unserer Menschen aufnehmen kann, kommt der Arbeit des Hilfsvereins, dem die Betreuung der gesamten nicht-palästinensischen Auswanderung obliegt, entscheidende Wichtigkeit zu. .Monat für Monat ermöglicht der Hilfsverein durch seine finanzielle Unterstüt/ung Hunderten von Menschen die Auswanderung, vor allem nach Übersee. Weiteren Hunderten hilft er durch seine sachkundigen Beratungen, aus eigner Kraft den Weg zu gehen. So mag der Hilfsverein mitunter von andern jüdischen Stellen /war wegen einzelner Mingel kritisiert werden, im Grunde aber ist die unbedingt« Notwendigkeit seiner Arbeit und die hingebungsvolle Tätigkeit seiner Mitarbeiter von allen Seiten anerkannt. Aber wenn der Hilfsverein keine Gegner hat, so hat er doch Feinde, gefährliche Feinde, von denen hier einmal offen geredet werden muß. Sie sind an Zahl zwar verschwindend gering. Aber ihre Schädlichkeit für die Gesamtheit ist deshalb nicht weniger groß. Der erste dieser Feinde, der sich freilich über die Verwerflichkeit seines Handelns oft nicht in vollem Umfang Pechenschaft ablegt, ist derjenige, der öffentliche jüdische Mittel unberechtigterweise in Anspruch nimmt. Iis vergeht kaum ein Tag. ohne daß Auswanderer dein Berater hoch und heilig beteuern, sie hätten kein Geld und könnte'i auch keines aufbringen, so daß der Hilfsverein ihnen unbedingt die Pa>sage bezahlen müsse. Geht mau aber diesen Angaben auf den Grund, so stellt mau oft nicht unerhebliche Mittel fest, die aber lieber zu Neuanschaffungen vor der Auswanderung verwendet werden sollen. So menschlich verständlich ein solcher Wunsch oft sein mag, so unverantwortlich ist seine Durchfuhrung auf Kosten der jüdischen Allgemeinheit (lewio sucht sich der Hilfsverein durch sorgfältige Recherchen von der wirtschaftlichen Lage der Betreffenden ein Bild zu macheu. Aber bei der Belastung seiner Arbeitskräfte kommt es doch immer wieder vor, daß Fehlangaben sich erst nachträglich als solche herausstellen. Leider scheut der ganz uberwiegende anständige Teil Unserer Menschen sich oft, derartige unlautere Manöver öffentlich niedriger zu hängen eine verständliehe und nicht einmal Unsympathische, aber unter den heutigen Umständen doch durchaus falsche Rücksichtnahme. In einer Zeit, in der wir zum großen Teil nur mit Hilfe ausländischer Gelder die Auswanderung unserer .Winderbemittelten bestreiten, und in der die wirkliche Not mit jedem Tag größer wird, ist die mißbräuchliche Inanspruchnahme öffentlicher Mittel besonders verwerflich. Weniger Feinde als Störenfriede sind jene, welche die Arbeit des I lilfs\ereins durch Krakeelen, Beschwerden und ähnliches unberech- Hgtcrmafien Stören. Jeder einzige Mitarbeiter des Hilfsvereins ist sich des-en bewußt, dal! nicht allen Juden in Deutschland geholfen werden kann, und gerade dieses Bewußtsein erschwert ihm seine Arbeit innerlich SO sehr. Unter solchen Umständen jeden Tag von neuem bis /um iuBcrsten seine Pflicht zu tun, d. h. hintereinander iU oder Hl I ille Menschensehieksale! anzuhören, zu durchdenken, aktcninaßig zu bearbeiten und nach MögUchkeit einer Lösung zuzuführen, das i*t eine Leistung, von der sich kaum ein Außciistehender eine nclite Vorstellung macht. Selbstverständlich kommen in dieser Arbeit Fehler vor, mitunter auch Ungerechtigkeiten denn niemand kann den Menschen ins Heiz sehen, und kein Berater ist unfehlbar aber so viel kann gesagt werden, dal! kein einziger Mitarbeiter des Hilfsvereins es an gutem \\ Dien fehlen läßt, und daß deshalb Besehwerden wohl gegen eine sachliche Entscheidung, nicht aber in persönlicher Form gegen einen Berater vorgebracht werden sollten. Dennoch macht man immer wieder die Erfahrung, daß Menschen, denen vielleicht Unrecht geschehen ist, sich nicht, oder höchstens in angemessener Form, Beschweren, während die, die am lautesten sind, am wenigsten Recht /ur Beschwerde hatten. Mehr Selbstkritik, mehr Rücksichtnahme wäre die erste Pflicht derer, lie im Kritisieren anderer so groß sind. I s wäre verhängnisvoll, den Sehatz von Vertrauen, auf dem die Arbeit unserer ji lisch -n Organisation beruht, böslich zerstören zu lassen. Der gleiche Typus von Menschen, der in Deutschland durch lautes ai;.sprucliL\olles, wenn nicht sogar anmaßendes Auftreten dem Hilftverein und den anderen jüdischen Stellen die Arbeit erschwert, schädigt nur allzu häufig das jüdische Ansehen auch während und nach der Auswanderung. Wie oft ist in den Berichten der letzten Jahre von taktlosem Benehmen mancher Auswanderer auf den Schiffen die Rede! Als oh sich nicht der Jude bei der Auswanderung aus Deutschland als würdiger Repräsentant einer leidgeprüften Schicksalsgcmeinschaft fühlen und bewähren müßte. Als ob er nicht die Pflicht hätte, denen, die nach ihm kommen wollen, Sympathien zu erwerben, wo immer er hinkommt! Aber noch schlimmer als unpassendes Betragen während der Fahrt, ist die Haltung mancher Kreise im Einwanderungsland, deren Gleichgültigkeit gegen das Schicksal der noch i:i Deutschland Verbliebenen und zur Nachwanderung Drängenden, ja deren Hartherzigkeit bei jedem Appell an ihre Hilfsbereitschaft oft die Empörung der einheimischen Juden ausgelöst hat. Gewiß handelt es sich, und noch einmal sei es betont, um Mißverständnisse und übelwollende Auslegungen dieser selbstkritischen Darlegungen zu vermeiden, nur um eine Minderheit der Auswanderer, die sich so benimmt. Aber der Schaden, den sie den Interessen der Gesamtheit zufügt, steht im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Zahl. Mit Dank und Freude aber sei von den Menschen die Rede, die materiell und vor allem moralisch die Arbeit des Hilfsvereins erst ermöglichen. Hierher gehören nicht nur all jene guten Juden, die den Hilfsverein so unterstützen, wie es ihrem Vermögen und Einkommen unter Berücksichtigung der heutigen allgemeinen Not entspricht, sondern hierher gehören vor allem viele Hunderte von unseren mittellosen Schützlingen. Alle jene, die trotz ihrer oft schwierigen Lage nicht murren und die Geduld verlieren, sondern warten, bis ihre Auswanderung endlich bewerkstelligt werden kann, und die dann zu den Kosten jede Mark beitragen, die sie unter Anspinnung aller Kräfte aufbringen können all jene, deren bescheidenes Benehmen auf den Schiffen eine Empfehlung für unsere Gemeinschaft bedeutet, und die in Ubersee kein anderes Ziel kennen, als nach der Gründung einer eigenen Existenz auch Freunden und Verwandten die Einwanderung zu ermöglichen, sie gehören zu den wertvollsten Freunden des I lilfsvercins. Wenn man die zahllosen, oft überschwenglichen Dankbriefc und die Berichte über glückliche Einordnung im Finwanderungsiande auf die eine vvagschaic legt und jene schon geschilderten Irrcführungsversuehe, ungerechtfertigten Beschwerden usw. auf die andere, so ist im ganzen das Obergewicht der ermutigenden Erfahrungen gewaltig. Aber in einer Zeit, in der die Arbeit des Hilfsvereins für einen großen Teil der Juden Deutschlands rettende Bedeutung hat. ist es notwendig, alle Kräfte anzuspannen, um die negativen Erscheinungen noch seltener werden zu lassen und die positiven noch zu vermehren. Jüdisches Lehrhaus Leipzig Die Lehrgänge unseres Lehrhauses beginnen wieder am Mittwoch] 'D il 27. April 1938, in der Schule, Gustav-Adolf-Str. 7, zur übuchen Zeit! Unsere Gemeinde. 90. Geburtstag. Lines der ältesten Gemeindemitglieder ist Frau Rosalie Breit, die am 27. April ihr 00, Lebensjahr vollendet. Die Jubilarin gehört seit mehr als (>t) Jahren der hiesigen (ieineinde an Auch an dieser Stelle seien Frau Breit herzliche Glück- und Segenswünsche zum Ausdruck gebracht.

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