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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-03-04 · 9 (4.3.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
9 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JODISCHES OEM EIN DEBLATT LEIPZIG 4. Märt 193B / Nr. 9 Den nachstehenden Aufruf empfehlen wir herzlich der Beachtung durch alle unsere Gemeindeinitglieder. Leipzig, den 20. Februar 1938. Rabbinat der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Rabbiner Cohn, Rabbiner Dr. Ochs, Rabbiner Rogosnitzki. Jüdische Winterhilfe Walter Metzner Wohlfahrtsamt der Israel. Religionsgemeinde zu Leipzig Walter Metzner Moaus-Chitim Auch in diesem Jahre wendet sich der Moaus-Chitim-Ausschuß an unsere Gemeindemitglieder mit der herzlichen Bitte, durch Gewährung reichlicher Spenden dazu beizutragen, daß die bedürftigen Gemeindemitgliedcr in die Lage versetzt werden können, die Peßachtage in Übereinstimmung mit den alten, überlieferten Vorschriften zu begehen. Angesichts der herrschenden Not muß die freiwillige Hilfstätigkeit um so mehr einsetzen, da die Gemeinde nicht mehr über die Mittel verfügt, um in ausreichendem Maße helfend einzugreifen. Die dem genannten Zwecke zugedachten Spenden werden auf das Postscheckkonto des Herrn S. Hodes(Postscheckkonto Nr. 56640 Leipzig) erbeten. Auch jeder der unterzeichneten Herren nimmt Spenden entgegen. Leipzig, den 20. Februar 1938 Der Moaus-Chitim-Ausschuß S. Hodes J. Ader J. Badt Dr. J. Braude Dr. Dzialowski P. Gelberg Max Kallmann G. Nathansen S.Obstler M. Sprung J. Sternheim, bei MißventindniMen, bei zweierlei Meinung über das Recht oder eine Pflicht die „Aussprache1' mit ihrem Kind fuhren? Tiefste Fremdheit muß sich /wischen ihnen ausbreiten, /wischen diesen beiden. Jüdische Zeitschau Gottesdienste ohne Minjan. Der Preußische Landesverband judischer Gemeinden hat an die ihm angeschlossenen Gemeinden unter 50 Seelen ein Rundschreiben gerichtet, in dem er darauf hinweist, <lalt in zahlreichen Gemeinden infolge der Wegzüge Schwierigkeiten in bezug auf die Abhaltung der regelmäßigen Sabbatgottesdienste entstanden sind. Der Preußische Landesverband übermittelt deshalb diesen Gemeinden eine Gottesdienstordnung für minjanlose Gemeinden, in der Vorschriften zusammengefaßt lind, die in solchen Fällen für die Abhaltung eines Gottesdienstes zu beachten sind. Diese Gottesdienstordnung ist vor einiger Zeit von der Freien Vereinigung fiir die Interessen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M. herausgegeben worden. Der Preußische Landesverband hofft, daß -viiu Anregung dazu fuhren wird, dali in den betreffenden Gemeinden mit dem Wegfall des Minjan nicht auch jeder Zusammenhalt in der Qemeinde verlorengeht und der gemeinsame Gottesdienst aufhört, sondern daß im gemeinsamen Gebet sich auch diese kleinsten Gemeinden als Glieder der Gesamtheit Israels fühlen werden. Adar-Aklion der Agudas Jisroel. Die Laudcsorganisatioii der Agudaa Jisroel veröffentlicht folgenden Aufruf: lirez Jisroel ist ron schweren Qefahreu bedroht. Die politische Unsicherheit hemmt die wirtschaftliche Entwicklung aufs schwerste, die verminderte Einwanderung läßt dm Zustrom neuer Kapitalkräfte versiegen. Unsere ["reue zum Land und seinem Jischuw hat dadurch keine Einbuße erlitten In unverlöschlicher Liebe hingen die Thoratreuen durch alle Jahrtausende an der heiligen Erde. Die Thoratreuen werden auch heute, wie in der Vergangenheit, bereit sein, mit dem Letzten ihrer Kraft das Land zur Heimstätte nicht nur des jüdischen Volkes, sondern der g'ttiichen Thor« zu macheu Im Jahre der Schmitto ruft daher die Land es Organisation der Agudas Jisroel in Deutschland gemeinsam mit der Palästina-Zentrale und dem Noar \gudati alle auf, die den Aufbau von Lre/ Jisroel auf der Grundlage der Thora erstreben, sich au der Adar-Aktion 5698 /ii beteiligen. Diese Adar-Aktion dient der Erhaltung unserer Arbeiterorganisation, sowie unseres Schulwerkes und der Vorbereitung einer Hitjaschwut, einer dauernden Ansicdlung unserer Chalu- /im. Es gilt inr unsere eigenen Söhne und Töchter zu sorgen. Enttäuschen wir nicht ein Vertrauen von wahrhaft erschütternder Größe. Kein verantwortungsbewußter, der Thora und seinem Volke treuer Jude, darf sieh in diesen Tagen dem Hilferuf, der aus Lre/ Israel EU indr.uLft, cnt/iehen. Tue jeder seine Pflicht, um Lrez Jisroel fiir die Thora und die Thon für Lre/ Jisroel zu retten. (Spenden werden auf Postscheckkonto 5'1'WK) Lfm., Palästina-Zentrale der A.J., erbeten). in denen eins das andere nicht einmal mehr in den zärtlichen Worten einer Liebkosung versteht. Der Mutter wie dem Kind werden allmählich die Menschen viel näher stehen, mit denen sie wirklich ein und dieselbe Sprache sprechen. Denn unter uns Menschen auf dieser Erde gibt es nun einmal keine andere Brücke zwischen Geist und (ieist, Willen und Willen, Empfindung und Empfindung als das Wort. Gewiß kann zwischen zwei Menschen, die in tiefster Liebe einander zugehören, in Stunden hoher Einheit das Schweigen noch mehr schenken als das Reden, gewiß gibt es Gebärden, die das Wort ersetzen, aber was für Stunden edelster Feier gilt, gilt nicht für den Tag, die tägliche Arbeit, die vertrauten Notwendigkeiten in Haus, Familie, Erziehung, Unterricht, gemeinsamen Erlebnissen jeder Art. In einem Lande, in dem die „Muttersprache"' geradezu als hemmend für die Einordnung, für den gegenwärtigen Aufbau und Staat der Zukunft empfunden wird, läßt sich mit Beklagen und Auflehnung nichts fördern. Hier muß der Entschluß nicht von denen kommen, die sonst im Zuge der Generationen diejenigen waren, die zu gehorchen hatten, also nicht von den Kindern, sondern hier liegt der Entschluß allein bei den Eltern. Die Mütter müssen sich darüber klar sein, daß sie mit der Einordnung in die Erfordernisse von Erez jisrael die Sprache ihrer Kinder lernen müssen, daß ihnen keine Wahl mehr /wischen Muttersprache oder Landessprache bleibt, sondern daß es für sie beißt: Landessprache, weil Kindersprache. Das Problem wird in den Zeitungen von Erez Jisrael, in den Versammlungen und Kundgebungen nicht nur drüben, sondern auch bei uns immer wieder aufgezeigt. Aber gerade den Frauen muß man es klarmachen, solange sie noch hier sind und die „Muttersprache" sprechen. Hier und jetzt ist noch Zeit und auch noch Kraft vorhanden, sich mit der Sprache der Kinder vertrautzumachen, jetzt, bevor neue Wirtschafts- und Lebensverhältnisse einen erhöhten Verbrauch an körperlichen und seelischen Kräften bedingen. Wir wissen alle, daß wir die Sprache von Lre/ Jisrael niemals so völlig beherrschen werden, wie diese Kinder, die auf einem jungen Hoden aufwachsen und wie diejenigen in der Qola, die seit ihren Kindertagen in dieser Sprache gelesen, studiert und auch gesprochen haben. Wir werden wohl immer Fehler machen und immer verhältnismäßig primitiv in der Ausdrucksweise bleiben. Es liegt viel Verzicht darin, besonders für diejenigen, die im schönsten Sinne des Wortes „gebildet" sind. Aber was wir dafür eintauschen, ist dies alles wert: mit der Sprache der Kinder erhalten die Mütter die Familie in ihrer Einheit, erhalten sie sich selbst die Nähe und Vertrautheit derer, die /war nicht mehr ihre „Muttersprache" reden, die aber nun zugleich Kinder des Landes und des Volks und Kinder ihrer Mütter sind, durch die eine Sprache, die sie reden. M. W. Rahel Fuchs - Chemnitz gestorben. Ein plötzlicher [od hat die Gattin des Chemnitzer Oemeinderabbiners Herrn Dr. f uchs, am Sonntag, dem 27. Februar, dahingerafft. Mit ihrem Heimgänge erleidet die judische Gemeinde Chemnitz einen alliierst beklagenswerten Verlust. Die Heimgegangene hatte eine hohe Auffassung von der Aufgabe, die ihr als Rahbiucrsgattiu oblag: in dem Streben, Mutter der Gemeinde ZU Sein, entfaltete sie eine von echtjüdiseher Religiosität getragene mannigfaltige Hilfsarbeit. Die Zweigstelle des Jüdischen Frauenbundes und eine Reihe wichtiger Einrichtungen innerhalb der Gemeinde und des Reichs sind deshalb durch ihren Heimgang aufs schwerste betroffen. Mit einer unermüdlichen Rührigkeit hat Rahel Luchs in verschiedensten Zweigen sozialer Tätigkeit an führender Stelle gewirkt, in früherer Zeit in den allgemeinen örtlichen Einrichtungen, immer aber, und besonders in den letzten Jahren, auf jüdischem (iebiet. In allem war sie getrieben und getragen von einem warmherzigen Mitgefühl, einer opferwilligen Einsatzbereitschaft und einem offenen Sinn für die Hilfsnotwciidigkcitcn der Zeit. Ihre Arbeit galt mit warmer Liebe dem heranwachsenden Geschlcchte: der Erholungsfürsorge im ganzen und besonders der Kräftigung gesundheitlich gefährdeter Kinder, wie sie in dem Heim des jüdischen Frauenbundes in Wyk auf Lohr angestrebt wird. (Frau Fuchs arbeitete hingebungsvoll im Kuratorium dieses Heims.) Künstlerisch und geistig vielseitig interessiert, gingen von ihr in ihrem Heime wie innerhalb der Gemeinde dauernd wertvolle Anregungen aus. Zeugnis von der ungemein groben Schätzung und Verehrung, deren sich Frau Rahel I ucits erfreute, legte die außerordentlich Zahlreiche Trauervereammlung ab, die sich um den im tiefsten getroffenen Gatten, die Geschwister und die anderen Familienangehörigen geschart hatte, Hin Frau Rahel l uchs das letzte (ieleite zu geben. Gcmeinderabbiner Cohn-Leipzig zeichnete das Bild der starken Persönlichkeit, würdigte ihr segensreiches Schaffen und verlieh den Gefühlen der Erschütterung, die den Kreis der Freunde und die gesamte Chemnitzer Gemeinde erfüllen, bewegten Ausdruck. Unsere Gemeinde. Benutzung des Jüdischen Krankenhauses für Ersatzkassenmitgüeder. Die Bezirksstelle (iroß-Lcipzig der kassenärztlicben Vereinigung Deutschlands hat die Leitung des Israelitischen Krankenhauses benachrichtigt, daß mit Zustimmung des Ortsausschusses Leipzig des Verbandes der Angestelltenkrankenkassen die Einweisung der jüdischen Mitglieder der Ersatz.ka.ssen in das Israelitische Krankenhaus nach wie vor möglich ist. Ferner wird auch darauf aufmerksam gemacht, daß jüdische Fürsorgeempfänger das Israelitische Krankenhaus und die Privatklinik von Dr. Heitmann ebenfalls in Anspruch nehmen können.

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