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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-03-04 · 9 (4.3.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
9 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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in UND NACHRICHTENBLATT DER GEMEIN DEVERWAL^ TUN6 DER ISRAELITISCHEN REUGIONSGEMEINDEZU LEIPZIG ABGEMELDET BEIM SONDERBEAUFTRAGTEN DES REICHSMINISTERS or ■EN JUDEN IM DEUTSCHEN REK 4. MARZ 1938 / 1. ADAR II. 5608 14. JAHRGANG / NUMMER 9 Muttersprache oder Landessprache. Männer haben die Staaten der Welt gegründet und regieren sie, Miltner geben dem „Vater"land den Namen, für das sie leben, das sie Ulfbmen und verteidigen, aber die Sprache, in der sie von ihm reden, in der sie ihre Mitbürger zum Tim und Lassen bestimmen, in der die Gesetze geschrieben werden, in der die Lieder von alledem reden, was den Menschen an diesem Vaterland teuer ist, diese Sprache trügt den Namen derer, aus deren Mund das Kind sie zuerst hört, empfängt und lernt: sie heißt Muttersprache. Sprache ist allen Völkern ein kostbares Out. Die Geschichtsbücher verzeichnen es als eine Tat, wenn ein abgesprengter Volksrest mitten in einem anderen Volk und Staatswesen in Treue zu •einer Sprache verharrte und sie durch die Jahrhunderte hindurch erhielt, Ls ist uns Juden immer als ein besonderes Verdienst erschienen, dal! die heilige Sprache unserer Lehre und unseres geistigen I iures von Generation zu Generation weitergetragen und gepflegt wurde und eigentlich niemals eine „tote" Sprache werden konnte. I K'iiuoch ist gerade sie es, die heute, beim Aufbau einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk, beim Werden einer jungen, wurzelechten Volksgeneration in Palästina, zur Quelle einer schwerwiegenden Problematik wird. Wenn jüdische Familien heute ihren Wohnsitz verändern, wenn sie nach den Vereinigten Staaten, nach Brasilien, Argentinien oder sonst wohin auswandern, bedeutet die Umstellung auf die Landessprache nur eine alliiere Wandlung. Im Hause, in der Familie selbst, kann ohne weiteres die „Muttersprache" weiter gepflegt und gesprochen werden. Im Gegenteil, das Elternhaus wird dadurch in einem doppelten Sinne Heimat sein, die Landessprache wird auch ler jungen Generation mehr ein Verständigungs- und weniger ein \iisdrucksmittel bedeuten. Ganz, anders liegt der Kall in Ercz. Jisrael. Dort ist die Auf- >lüte der hebräischen Sprache ein Bestandteil der jüdischen nationalen Kultur, dod fordert der Jischuw und fordert die Generation ler jungen Chahuim, die jetzt erst ins Land gehen, daß auch ilie k PFUNDSPENDE I*finidsain in Iiiiig morgen, 6. März! Gemeinde-Abend (Zugleich Veranstaltung für das Jüdische Lehrhaus) Heute Sonnabend, den 5. März 1938, 20.15 Uhr, wird Herr Gemeinderabbiner Dr. Ochs in der Ez-Chaim-Synagoge, Otto- Schill-Straße, auf Grund seiner vor kurzem beendeten Palästinareise einen Vortrag über „Erziehung und religiöses Leben in Palästina" halten. Wir laden hierzu alle Gemeindemitglieder aufs herzlichste ein und erwarten zahlreiches Erscheinen! Für die Plätze der ersten 15 Reihen werden numerierte Einlaßkarten ausgegeben. Die Einlaßkarte kostet 50 Pfg. und kann ab 19'/2 Uhr am Eingang zur Synagoge gelöst werden. Im übriger, wird kein Eintrittsgeld erhoben. Leipzig, den 22. Februar 1938. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Älteren und die Eltern hebräisch sprechen sollen. Die innere Linheit dieser drei, „Volk, Sprache, Land", wobei die Sprache in der Mitte steht, ist das Ziel des Aufbaus, und jede Sabotage der sprachlichen Eingliederung wird als Sabotage der kulturellen Arbeit empfunden. Im Gegensatz zu den Einwanderern in die Länder über See wird die „Muttersprache" dort nicht als ein Gut betrachtet, das man wahren und vererben soll, sondern die Sprache des Landes ist der edelste Besitz, nach dem der Bürger von Ercz Jisrael strebt. So liegen die Tatsachen. Für die Frauen aber, die aus Deutschland nach Erez Jisrael kommen, wird diese nationalpolitische Forderung zu tief persönlichen Auseinandersetzungen, zu einer Quelle des Leids. Gewiß ist es nicht leicht für eine intelligente Frau, auf lange Zeit hin darauf verzichten zu müssen, die gewohnte Polle beim Kampf um politische oder soziale Ideen und ihre Verwirklichung zu führen, weil sie nicht in der hebräischen Sprache zu einer Versammlung oder auch nur in einer Arbeitsbesprechung reden kann, (iewiß bedeutet es eine Erschwerung des täglichen Lebens, wenn man der Nachbarin, den Berufsgenossen des Mannes gegenüber zur Stummheit verurteilt ist. Aber das sind alles Dinge, die eine Frau nicht in den heiligsten Bezirken ihres Daseins und Empfindens anrühren. Das eigentliche Problem beginnt da, wo eine deutsch sprechende M ti11 er hebrIIaC h s prechende Kinder hat. Ich las vor deutlich langer Zeit und weiß nicht einmal mehr wo einen kurzen Bericht aus Ercz Jisrael. Da war von einem kleinen Mädel die Rede, das in Haifa in den Kindergarten ging, sich dort sehr wohl fühlte und erst in den späten Nachmittagsstunden kam es zu der berufstätigen Mutter wieder nach Hause. Die Geschichte erzählte damals, mit einem betonten Stolz, wie das kleine Ding eines Abends, als die Mutter es mit liebkosenden Worten in ihrer Sprache, also in der eigentlichen „Mutlei "spräche, empfing, zornig und widerstrebend sich von ihr gelöst und dabei energisch gerufen habe: „Pak iwrit!" Nur Iwrit! Nur in der Landessprache! Nicht mehr in der Muttersprache, nicht mehr also, in diesem und in tausend anderen Fällen, in der Sprache der Mutter . . . Wir fühlen alle nach, was das für diese Mutter bedeuten muß. Wenn Mutter und Kind zwei verschiedene Sprachen reden, so ist die Erziehung durch die Mutter fast schon unmöglich geworden. Wie soll sie dem Kinde bei Fehlem, die es macht und die ihm verwiesen werden müssen, nun erklären, warum dies ein Fehler ist und warum man so nicht handeln darf und ein anderes Handeln besser wäre? Wie soll sie ihm irgendein Bildungsgut vermitteln? Wie soll sie,

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