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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-02-18 · 7 (18.2.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
7 (18.2.1938)
Date
1938-02-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2__JÜDISCHES ü E M E I N DEBLATT LE1PZI0__18. Februar 1938 Nr. 7 zeigt sich voi allein in der verhältnismäßig befriedigenden wlrtsch.Htlichcn Einordnung dir Masse unserer Auswanderer, die durch die Besserung der Wirtschaftslage in den uberseeischen Ländern, nicht zuletzt alter durch die aufopfernde Arbeit der mit dem Hilfsverein zusammenwirkenden überseeischen jüdischen Organisationen erleichtert wurde, Es ist ein stol/es Resultat, daß im Jahre 1936 allein mit finanzieller Unterstützung des Hilfsvereins über iMH! Personen zur Auswanderung gebracht werden konnten; die endgültigen Ziffern für 1937 dürften kaum geringer sein. Solche 1 rgebnisse wurden einerseits durch bestimmte organisatorische Malinahmen erzielt: hierher gehört vor allem die Errichtung von etwa |j Beratungsstellen im Reich während der Berichtszeit, durch die der starke Auswanderungsdrang in der „Provinz" erlabt und in die richtigen W eye geleitet werden konnte. Im engsten Zusammenhang hiermit stand der Aushau der Zentrale und der Beratungsstelle Berlin, die täg'ieh beide ein ungeheures Arbeitspensum /u bewältigen haben betragt doch zum Beispiel allein der Briefeingang täglich über wo Stuck. Aber von all diesen organisatorischen Maßnahmen und der I ülle der Kleinarbeit abgesehen, lesen wir in dein Bericht von bedeutsamen Sonderaktionen, wie insbesondere der denkwürdigen Reise des Dampfers „Stuttgart", der mit 540 Juden aus Deutschland in Juden in Deutschland! Das Ortskomitee des Keren Hajestod übergibt uns folgenden Aufruf: Das jüdische Palastina steht heute in einer wichtigen und schweren Periode des Obergangs. Wer hier diese Zeit durchlebt, führt jeden lag von neuem, daß unsere politische Situation mit unserer Leistung und Starke im Lande aufs engste verbunden ist In dieser Zeit muli es sich erweisen, ob das jüdische Volk Vertrauen ZU seinen Pionieren hat, oder ob es in einem schweren Augenblick abwartet und zusieht, was aus dem jüdischen Palästina wird. Das Ringen um die freie Gestaltung jüdischen Lebens in Palistina ist in die entscheidende Phase getreten. Oeling) es, durch den Kenn Hajessod die erforderlichen öffentlichen Mittel zu schaffen, so können wir die Probleme der Politik und der Wirtschaft meistern. Vierzigtausend Juden sind im Laufe der letzten vier Jahre aus Deutschland gekommen. Weiteren lausenden kann Palistina neuen Lebensraum gewähren. Oerade die Juden in Deutschland sollten daher außerordentliche Anstrengungen macheu, um die nächste Stufe der palästinensischen Entwicklung vorzubereiten. Die Frage von Ere/ Jisr.ul ist keine Frage guter oder schlechter Konjunktur, es ist die Sache der Wiedergeburt des jüdischen Volkes schlechthin. Uns schrecken keine Schwierigkeiten. Wir sind bereit, alles zu tragen, wenn wir dadurch dem freien l eben unseres Volkes in seinem 1 and den Wey bahnen. Im Namen der aus Deutschland nach Palästina eingewanderten Juden rufen wir die Juden in Deutschland auf. sich mit uns für die Zukunft von Erez IIsrael verantwortlich zu, fühlen und ihre Solidarität durch cm wahrhaftes Opfer für den Keren Hajessod zum Ausdruck zu bringen. Dr. I ba- Au» ih.ich Kürt Btumenfeld Dr. Werner Feilchenleid Dr. Kurt Fleischer Dr. Herbert Foerder Dr. Salti Hirsch Dr. Oeorg Landauer Dr. Hein/ Levinsohn Rabb. Dr. Emil Levy Oeh. Kommerzienra! BerthokJ Manasse Erich Mendelssohn Prof. Dr. L. F. Meyei Dr. Siegfried Moses Dr. Meinhold Nußbaum Dr. Ludwig Pinner Prof. Rosenbäum Felix Rosenblüth Kurt Ruppiu Dr. Siegfried Salileimer Salman Schocken Dr. Werner Senator Dr. Emst Simon II.ms Wilhelm Steinberg Michael Taube Prof. Harr) [*orczyncr Kurt Tuchlcr — Dr. Oskar Wolfsberg Prof. Dr. Bernhard Zondek Prof. Dr. Hermann Zondcfc. Das Verhältnis des Judentums zur Natur. Vortrag im Jüd. Lchrhaus und Kulturhund. Mit einem überaus fesselnden Vortrag über obiges Thema eröffnet« Prot Dr. Kise h-Köln die naturwissenschaftliche Vortragsreihe d<s LehrhaUSCS und führte aus, daß das Verhältnis des Juden /ur Natur, sti es ideell oder materiell, in eindeutiger I orm ul icr ung durch die Thora bestimmt sei. I ur das urwüchsige Judentum, dem das Bekenntnis ZU Oott als dem Schöpfer des Alls (irimdpfeiler seines Sein* ist. schließen die beiden grundsätzlichen I eststel hingen der rhora, erstens: daß die Welt real sei, und zweitens: daß Oott sie erschuf, den Kreis aller möglichen Beziehungen zur Natur. Hieraus resultiert dei Sinn dci Gesetze. Die reale W elt ist Qottes Werk, sie .'erlangt Achtung \or dem Oottgeschaffenen, w ie sie in den Geboten aber körperliche Hygiene. Tierschutz, Schmittah, Dienst am Toten kw. uns entgegentritt. Auch der Mensch ist aus gleicher Materie Vit die Welt, und Objekt unter Objekten; doch ist er als beseeltes Vesen zum Herrn übet Tiere und Dinge gesetzt. Die Grenzen dieser Berufung wieder regelt das desetz im Sinne einer Naturbeherrschung in Dienste di r göttlichen I ehre, welche sagt, daß die Natur nicht Selbstzweck ist und hiermit die Vielfalt der (iesetze auf ihre ethische Keimzelle zurückfuhrt und ihre erzieherische Dynamik sichtbar macht Iii der I orderung: Talmud Thora im Derech-erez ist die Pflicht des Judentums postuliert, um die allgemeine Bildung im weitesten Sinne bemüht zu sein und sie der Erkenntnis des göttlichen Weltgebäudes dienstbar zu machen. Und wenn die moderne Narur- Ictzlcr Atinute nach Sudafrika fuhr, bevor ein neues Einwanderuugsgcsctz dieses aussichtsreiche Land unseren Menschen im wesentlichen verschloß. Qeben die bisher augedeuteten Ausführungen des Jahresberichts ein Hihi der organisatorischen und der wanderungspolitischen Leistung lies Hilfsvereins, so ist es andererseits befriedigend zu erfahren, daß auch die Unterstützung, die der Hilfsverein seitens der Öffentlichkeit fand, in der Berichtszeit gewachsen ist. Der Mitgliederbestand konnte trotz der erheblichen Verminderung der jüdischen Bevölkerung allein im Jahre 1937 einen Zuwachs von über 50 0/g verzeichnen. Endlich wird der Jahresbericht des Hilfsvereins in interessanter Weise durch die Ansprache ergänzt, die der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Max M. W arburg, auf der Jahresversammlung gehalten hat und die in groben Zügen die Problematik der jüdischen Wanderungvfrage umreißt. So wird niemand, der sich für die wichtigste Frage der deutschen Judenheit, die Auswanderungsfrage, interessiert, am Jahresbericht des Hilfsvereins vorbeigehen können. Dankenswerterweise gibt die Werbeabteilung des Hilfsvereins, Berlin W J5, Ludendorffstr. 20, den Bericht kostenlos ab. Wissenschaft heute feststellt, daß das Dasein und Sosein der Materie und das Wesentliche der Biologie mit physikalischen und chemischen Gesetzen nicht zu erklären ist, steht beim Judentum anstelle dieses Fragezeichens das Wort „Oott", ilessui Erkenntnis es erhalten und gefeit hat. Der knappe, überaus anregende Vortrag, der in einer feinen Auslegung der l egende vom Golem ausklang, fand den einhelligen Dank der zahlreichen Hörer. Di R. Jüdische Zeitschau Mitteldeutscher Rabbiucrvcrhand. Ende Januar kamen in Mitteldeutschland wirkende Mitglieder des „Allgemeinen Rabbinerverbände; in Deutschland" in Leipzig zusammen. Die Sitzung wurde auf Anregung der letzten Vorstandssitzung des Allg. Rabb.-Verb. Dt. durch den langjähr. Vorsitzenden des mitteldeutsch. Unterverbandes, Herrn Rabb. Dr. Kahlberg-Halle, einberufen, um die längere Zeit unterbrochenen ragungen in Mitteldeutschland wieder zu beleben, Diese Absicht wurde von der gutbesuchten Versammlung aufs wärmste begrubt. Es wurde beschlossen, in Zukunft in nicht zu weit auscinanderfiegenden Abständen regelmäßige Zusammenkünfte abzuhalten. Als Vertreter des Vorstandes iles Allg. Rabb.-Ver Dtsch. erschien Rabbiner Dr. Diene mann •Offenbach, der auch das einleitende Referat „Seeborgerischc Aufgaben des Rabbiners der Gegenwart4' bot. Bei den auf gründlicher Kenntnis der einschlägigen halachischen Literatur beruhenden Ausführungen standen im Vordergründe die Fragen, die sich aus der gegenwärtigen W andlung in du Einstellung zur jüdischen Religion und zur jüdischen Gemeinschaft ergeben. Insbesondere wurden die I alle erörtert, in denen jüdische Menschen, die sich in früheren Zeiten dem Judentum entfremdet hatten, oder aus Mischehen Stammende Anschluß an die jüdische Gemeinschaft suchen. Gestützt auf die aus dein rahhiuisihin Schrifttum zu schöpfenden Bestimmungen wurde dargetan, in welchen Fällen religionsgesetzlich solchen Wünschen entsprochen werden kann, iu welcher Form dies zu geschehen hat und wie sich die danach getroffenen Entscheidungen im einzelnen auszuwirken hallen. D.i mit lebhaftem Dank aufgenommenen Ausführungen des Vortragenden gaben Aulali zu einer angeregten Aussprache, in der die Probleme, aus der Praxis der einzelnen Kollegen heraus, weiter belegt und ausgesponnen wurden. Im Rahmen der geschäftlichen Tagesordnung gedachte der Vorsitzende Dr. Kahlberg der seit i i letzten i agung verstorbenen Mitglieder < ioldmann-l eipzig, Schüftan- Erfurt und Lcvy-Bonn (früher Nordhausen). Cohn-Leipzig begrüßte die erschienenen Kollegen, insbesondere den Vertreter des Allg, Rabb.-Verb. Dtsch. KahlbergS Wunsch, aus dem Amte als Vi>rsitzender des Mitteid, Rabb.-Vbd. auszuscheiden, nachdem er iu den Vorstand des Allg. Rabb.-Verb. übergetreten sei, wurde Rechnung gitragen und ihm der Dank für die in langjährigem Vorsitz geleistete wertvolle Arbeit ausgesprochen. An seiner Stelle wurde Cohn-Leipzig Zum Vorsitzenden gewählt, der die Wahl mit dem Versprechen annahm, gemäß dem W unsche des Aug. Rabb.-Verb. und wohl auch im Sinne der erschienenen Kollegen um eine Belebung der Arbeil dts Mitleid. Rabb.-Verb. bemüht zu sein. Zentralisierung der Wanderungsarhcit. Die Reichsvertretung der Juden iu Deutschland teilt mit: Iu der Sitzung des WanderUUgSausschusses der Reichsvertretung der Juden in Deutschland vom I i. Dezember 1937 wurde die Notwendigkeit einer Verstärkung alks Bemühungen zur Förderung der Auswanderung festgestellt und d i hierzu möglichen Maßnahmen erörtert. Angesichts dis starken All*- Wanderungsbedürfnisses und der nur beschränkt vorhandenen Aus- Wanderungsmöglichkeiten müssen alle Kräfte angespannt weiden, un die vorhandenen Aus wanderungsmöglichkeiten wähl zunehmen und neue zu erschließen. Nachdem sich die Zusammenarbeit der im Wauderungsausschul der Rcichsvertretung der Juden iu Deutschland zusammengeschlossenen Wanderiuigsorganisationeu bisher voll bewährt hat, bestand I in mutigkeit darüber, dali künftig noch stärker die gesamte Planung der judischen Auswanderung zentral zusammenzufassen ist. D wurde daher im Wanderungsausschuli der Keichsvcrtrctung der Juibn

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