Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 52 (28.12.1929)
- Date
- 1929-12-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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28. Dezember 1920 (ili.MFINl H UI.A I T I>i:k' ISRAELITISCHEN k'Fi.KiloNMiFMFINIii: ZI I.r.ll'/Ki Seite 3 wohltätigen Anstalten und dgi. hin. Man solle, dein Beispiel Berlins folgend, den Satz auf 10 v. 11. herabsetzen, l >le Berliner < iemeinde habe, seitdem iVolkspartei die Führung hat große Werte geschattet.....d ebenso wie andere Gemeinden, den kostspieligen Verwaltungsapparal abgebaut. Herr Gemeindevorsteher verwahrt den Vorstand gegen die in den Wullen des Vorredners liegenden Vorwurfe, daB die Verwaltung zu teuer arbeite. Die Leistungen der Berliner (iemeinde seien1 das Verdienst der Jahrhundertelangen Kulturarbeit und geldlichen Leistungen der liberalen .luden, die allein die Grundlage iiir die heutige Finanzkraft der Berliner < iemeinde geschaffen hätten. Herr Roscnfeldcr bittet, künftig der Höheren Israelitischen Schule größere Beiträge zu bewilligen. Ks sprechen noch kurz die Herren Dublner und Hudes. Herr Seiinger betont, daB die Frage des Steuersatzes nicht mit der des Wahlrechts zusammenhinge. Wenn ein Steuersatz von Ii"., notwendig sei. so müsse er bewillig! werden. Die Sparkommission sei noch nicht zu einem endgültigen Abschluß gekommen. An den Ausgaben der Fürsorge könne angesichts der jetzigen Lage nicht gespart werden, aber gewisse Dinge könnten vielleicht abgeschafft werden. Herr Gottlieb hält den Standpunkt der Volkspartci für unsachlich, Steuersatz und Wahlrecht miteinander zu verquicken, Die Steuerstatistik zeige, daß die weniger Bemittelten zu den Stenern nur mäßig herangezogen werden. Die Aussprache ist geschlossen. Gegen Stimmen wird beschlossen, den Steners.il/ aul l.' \. II. der Reichseinkommensteuer inner Begrenzung aul \. Ii. des Einkommens festzusetzen. Herr lsr;iel Stein li.it tun Entlassung uns dem Amt eines (iemeinde verordneten gebeten. Herr Gutmann beantragt, Herrn Stein zu bitten, sein Amt beizubehalten. Wenn Herr Stein auch auf der anderen Seite der Versammlung sitzt, so werde er doch wegen seiner sachlichen und gewissenhaften Amtsführung sehr geschätzt. Herr Roscnfelder fürchtet, daß Herr Stein seinen Entschluß nicht ändern wird. Herr I Mi bin er bittet, heute einen Beschluß zu lassen. daB das Gesuch des Herrn Stein abgelehnt wird. Herr Vorsteher weist darauf hin. daB Herr Stein nicht gezwungen werden kc'mue. sein Amt wahrzunehmen. Deshalb empfehle es sieh, dem Vorschlag des Herrn Gutiii .i n ii zu folgen. Herr Kaufmann glaubt, daB ein einstimmiger Beschluß der Gemeindesitzung Herrn Stein veranlassen werde, im Amt zu bleiben. Aul' Antraue des Herrn Goldrcl verliest Herr Vorsteher die Bestimmungen des Gemeindestatuts über die Ausübung und Niederlegung eines Ehrenamtes im Gemeindedienst. Herr Joskc empfiehlt den Vorschlag Gutmanns. Es sei durchaus wahrscheinlich, dali Herr Stein einer begründeten Bitte des Vorstandes willfahren werde. Her Antrag Gutmann wird gegen i Stimme angenommen, 3, Iis liegt ein Gesuch des Vereins Ohel Jakob vor. ihm die Hypothekentilgungszahlungen aul ein weiteres Jahr zu stunden. Her Finanzausschuß befürwortet Bewilligung des Gesuches, die einstimmig erfolgt Nach Erledigung der Tagesordnung erhebt Herr Se Ii ni; er Einspruch dagegen, daB ein Wahlflugblatl der Partei Poale Zlon dem Gemeindeblatt nicht beigelegt worden ist. Herr Gemeindevorsteher stellt fest, daB die Bedingungen für die Beilegung von Wahlflugblättern im Gemeindeblatt veröffentlich! worden sind. I >er Vorstand habe sieh der Einflußnahme enthalten, da hierfür allein der Ausschuß für das Gemeindeblatt zuständig war. Für diesen spricht Herr Joske: Entgegen den vorerwähnten Bestimmungen sei das Flugblatt erst sehr spät angekündigt und erst am Donnerstag dem Schriftleiter vorgelegt worden. Herrn Joske wurde das Flugblatt vorgelegt, worauf er die Verantwortung dafür übernommen hat. dali es nicht beigelegt wird. I »as sei wohl ein Glück für die Partei PoaleZion gewesen, die sieh andernfalls wohl alle Sympathien verscherzt haben würde. Es strotze von Beleidigungen und hätte die Würde der Gemeinde in empfindlichster Weise in Mitleidenschaft gezogen. Herr Gottlich verliest anschließend eine ausführliche Darstellung Ober den Hergang der Einreichung und Ablehnung des Flugblattes. Hin Antrag auf SchluB der Debatte wird angenommen. Es spricht noch Herr Seiinger, der sieli vorher gemeldet halle. Hei einer Wahl fehle die Zeil, ein Flugblatt so rechtzeitig zur Zensur einzureichen, wie es verlangt worden sei. Er habe mit dem Schriftleiter verabredet, dali das Flugblatt am Donnerstag iriilt vorgelegt werile. Nach der Überzeugung des Redners einhalte das Flugblatt nichts, was RCgCtl die W urde der Gemeinde verstößt. Herr Joske habe übereilt gehandelt, es solle deshalb ein dreigliedriger Ausschuß eingesetzt werden, der das Flugblatt prüit. ob es mit Recht zurückgewiesen worden Ist. Die Einsetzung dieses Ausschusses wiid gegen .' Stimmen abgelehnt Es iolgt eine nichtöffentliche Sitzung. Nachdem die Öffentlichkeit wieder lief gestellt ist. sprich! Herr Gemeindevorsteher den ausscheidenden Mitgliedern der Versammlung, Frau Felsenstein und den Herren l'r. Halberstam, Neu mann und Meier S I r a ii II. den herzlichsten Dank für ihre Tätigkeit aus und schließt Glückwünsche für alle aus AnlaB des bürgerlichen Jahreswechsels an. Herr (Int mann bring! namens der Versammlung deren Dank für die vorbildliche Geschäftsführung des Gemeindevorstehers dar. Unsere Gemeinde Redaktionsschluß für Nr. 1 Mit Rücksicht auf den in die kommende Woche fallenden Feiertag (Neujahr) müssen Manuskripte, die zur Veröffentlichung In der nächsten Nummer des Gemeindeblatts bestimm! sind, spätestens am M o n t a g . d e m Dez e m hei. In 1 Ii r. b e i der Schritt- I e 11 u n g ein g e g a n g e ii sein. I He Schrittleitung. Die Höhere Israelitische Schule Von einer dem Schulvorstand der ..Höheren Israelitischen Schule" nahestehenden Seite gehl uns über die soeben vollzogene Neukonstituierung des Schulrates folgende Darlegung zu: W as ist eigentlich mit der jüdischen Schule los? Da schwirren seit einiger Zeil ganz unkontrollierbare Gerüchte in der Stadt umher. manche sagen, sie würde aufgelöst, wolle mit linde des Schiibahres ihre Tore Schließen, manche behaupten, sie bliebe zwar besteben, aller in ganz anderer Form, sie hätte so etwas wie einen <ijaubenswcchsel vollzogen und soll in /nkiinti aus einer Anstalt, deren w ichtigstes Fundament ihre religiöse Grundlage war. zu einer rein jüdisch-nationalistischen Einrichtung werden. Nichts von alledem ist wahr. Es lallt sich zwar nicht leugnen, dal! sie noch immer Ihre alten bösen Finanzsorgen hat. Daß das leidige 'ield ihr bitlere Stunden verursacht und ihre ZukuilftsaUSSktlten bedroht Es ist ferner nicht zu bestreiten, dali alle dielcnigen, die bisher au der Spitze standen, das Schulwerk nach innen und auBcn vertraten, amtsüberdrüssig sind, und daB diese ihre Amtsmüdigkeil in der Hauptsache aui die materiellen Sorgen zurückzuführen ist, deren sie bei der ungeheuren wirtschaftlichen Krise, in der sich letzt alles befindet, nicht mehr glaubten Herr werden zu können. Mit der alten Methode des Qeldsammcins und des Dcfizitdcckens, das sahen sie ein. ist in der gegenwärtigen Zeil nichts anzufangen. Früher sah mau Immer mit Au«st und Besorgnis dem Tag entgegen, an dem die Gehälter fallig waren: dann drängle man die säumigen Schulgeldzahler aber meist mit negativem oder doch nur geringem Erfolg, l ud dann entschloß man sich immer wieder au einzelne potente Qemeindemitglicdcr heranzugehen, und sie um einen Beitrag zu bitten. So half man sich mehr schlecht als recht durch: aber in letzter Zeil begegnete mau vielfach tauben Uhren und verschlossenen Händen. Und da bat denn die frühere Schulverwaltung sich wirklich mit dem ihr selbst äuBersI schmerzlichen Gedanken vertraut gemacht, die Schule zu schließen, um sie eventuell inner günstigeren Zeitumständen von neuem wieder zu eröffnen. Fs bedari keiner Betonung, dali das ein gefährliches Experiment gewesen wäre, und dali, wenn diese Anstalt wirklich illiquid geworden wäre, der indische Schulgedenke iür Immer erledig! um! begraben hätte gelten müssen, Fs hat sich aber au der indischen Schule die W ahrheit des allen Sprichwortes bewährt, wenn die Noi am größten, ist Qottes Hilfe am nächsten, Sie hat |a schon manchem Sturm getrotzt war |a erst zwei Jahre vor Kriegsausbruch gegründet worden und hat während Oes Krieges und der dann [olgenden Inflationszeil oft genug um ihren Bestand zittern müssen. Aber in solcher Not, wie augenblicklich, hat sie sich noch nicht befunden. I nd da hat sich ein Kreis von Männern, die der Schule bisher fern gestanden haben, zusammengeschlossen, und erklärt, daB »las Auf-