Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 52 (28.12.1929)
- Date
- 1929-12-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZI I LEIPZIG Nummer 5! mußten ilu- Juden in Kränzen um Fpheti dem Bacchus zu I hren einhergehen. Und es war großer Jammer in Israel. Da gürteten die Makkabäer das Schwert um ihre Lenden und zogen in den Krieg fin das Heiligtum. * Der Makkabäer Kray fürs Heiligtum war ein Kampf für üott. Dagegen ist es eine Eigentümlichkeil des heiligen Krieges, daß er vorwiegend ein Kampf gegen die Feinde Qottes ist. Das Judentum überließ die Feinde Gottes am liebsten dem Himmel, auf daß er mit ihnen fertig werde. Fs kannte keine Rajahs und keine Qiaurs, die es mit seinem Haß verfolgt hätte; es trug nie Verlangen danach, die Heiden und Ungläubigen zu tilgen unter der Sonne. Auch die Makkabäer hatten gern mit ihren heidnischen Nachbarn in Frieden gelebt, wie sie denn auch mit mehreren heidnischen Völkern Friedensbündnisse schlössen. Allein es waren hose Nachbarn, die Israel nicht in Frieden leben ließen. Sie bedrängten das jüdische Volk, demütigten es, zwangen es zum Abfall von der Väter Gesetz, und übten Greueltaten seniler Zahl. Sie verwüsteten die heilige Stadt und stellten Götzenbilder auf im Tempel des Einig-Einzigen. Als das Volk alle diese Schmach sah, zerriß es seine Kleider, streute Asche aufs Haupt und wehklagte und betete. Juda Makkabi aber wußte, daß man mit Beten und Wehklagen allein keine Schlachten schlagen, keine Feinde besiegen kann. Sein Weckruf erging daher an die Getreuen, sich zum Kampfe zu rüsten. Er stellte sich als Führer an die Spitze und die Getreuen schlössen sich ihm mit Begeisterung an. Da folgte Heldental auf Heldentat, Sieg auf Sieg. Die Makkabäer befreiten das Volk vom Joche der Heiden. Und die schönste Frucht ihrer Siege war die Wiedel cinweihung des Heiligtums. * An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, lautet ein inhaltschwerer Spruch. Kriegführende Völker erkennt man an dem, wie sie die Früchte ihrer Siege genießen. Die Makkabäer wurden nicht durch ihre Siege Iiis zui Wildheit trunken, sie hausten nicht wie Wilde in eroberten Städten, sie gingen nicht auf Beut« .ms. War erst der Feind besiegt, so war das W erk vollbracht. Siegesfreudig und dankerfüllt zogen sie dann, wie die Bücher der Makkabäer es schlicht und ergreifend erzählen, gen Jerusalem. Und hauten das Heiligtum Wieder und das Inwendige des Nauses und weiheten die Vorhole. Und ließen neue heilige Gefäße machen, den güldenen Leuchter, den Rauchaltar und den lisch; und brachten es wieder in den Tempel. Und trugen Maien und grüne Zweige und Palmen herbei und schmückten das Huts des Ewigen. Und zündeten die Lampen auf dem Leuchter an, daß sie im Tempel leuchteten. Und hielten das Fest der Weihe acht läge mit Gesang und mit Pfeifen, Marlen und Zimbeln. Und lobten Gott, daß er ihnen Sieg und Frieden gegeben, auf daß sie das Heiligtum wieder weihen können. Wahrlich, schon war der Makkabäer Krieg fürs Heiligtum und tles Sieges windig! Gemeindesitzung: vom 19. Dezember 1929 Amtliche Niederschrift Vor laiuritt in die Tagesordnung teilt Herr Gemeindevorsteher mit. dafl durch einen in nichtöffentlicher Gemeindesitzung gefaßten ik-scliluLi der Gemeindekörperschaften Herr Chaim Bitingon anläBlich seines Tu. Geburtstages cum Ehrenmitglied der Gemeinde ernannt wurden ist. i. Alsdann berichtet Herr Breslauer an Hand einer den Mitgliedern der Gemeindevertretung zugegangenen Darlegung über die rechnerischen Unterlagen zur Festsetzung des Steuersatzes für das Rechnungsjahr 1929/1930, wonach 12 \. II. der Reichseinkommensicuer als Gemeindeanlage erforderlich sind. Ferner traut Herr Breslauer einige statistische Angaben über die Zusammensetzung des Steueraufkommens Mir, ans denen sieh ergibt, dait von Insgesamt 3......Steuerzahlern etwa 800 rund SU 000 M. aufbringen, während die übrigen rund 77000 Ii. entrichten. Der Finanzausschuß habe sieb sehr eingebend mit der Frage des Steuersatzes beschäftigt, sei aber nicht zu einem endgültigen Beschluß gekommen, sondern habe folgende Entschließung gefaßt: Die Versammlung nimmt davon Kenntnis, dal! nach der Vorlage des Vorstandes ein Steuersatz von 12 V. H. notwendig sei. sieht aber mit Rücksicht aul den Umstand, daß schon zum zweitenmal bei Festsetzung des Steuersatzes die Vertreter der Volkspartei im Finanzausschuß unentschuldigt ausgeblieben sind, von einer Beschlußfassung ab, um nicht die Verantwortung einseitig der liberalen Partei überlassen zu müssen. Her Ausschult ist von dem Verhalten eines Teiles der Mitglieder um so mehr befremdet, als er vidi mit diesem aullerordeiitlich wichtigen Gegenstand in mehr als Inständiger eingehender Aussprache beschäftigen mußte, und uibt diesem Befremden einmütig Ausdruck. Herr Gtttmann erklärt namens der liberalen Fraktion, dali diese zunächst einschlössen war. den Steuersatz auf lOv.H. zu senken. Die In der Sitzung des Finanzausschusses gegebenen Darlegungen hatten aber zu der Oberzeugung geführt, dali dieser Satz nicht ausreicht. Durch das Fehlen der Vertreter der Volksparte! im Finanzausschuß, die in der Öffentlichkeit Immer eine Herabsetzung des Steuers.it/es lordern, entzögen diese sich der Verantwortung. Herr Du bitter entschuldigt das Fehlen der Herren Tinpowsky und Dr. Pietrowskl in der heutigen Sitzung. Er verliest alsdann die nachfolgende Erklärung, Die Fraktion der ifidischeo Volkspartei steht auf dem Standpunkt, daß ein Steuersatz von 12 V. H. zu hoch ist. und dali eine Quote von 10 V. II. ganz besonders unter den derzeitigen Wirtschaftlichen Verhältnissen genügen muß. Die Fraktion der jüdischen Volkspartei leitet den hohen Steuersatz vor allem auf zwei Gründe zurück: 1. Die allgemeinen Verwaltungskosten, als auch die Verwaltung- ' kosten des Fürsorgewesens müssen unbedingt eingeschränkt werden. 2. Wir sind der Meinung, daß freiwillige Zuwendungen in irgendwie beträchtlichem Maße hier nicht vorhanden sind. Dieses kann auch solange nicht der Fall sein, als ein Großteil der an der Gemeinde interessierten Mitglieder, d. h. etwa 75 V. H. Infolge der völligen Wahlentrechtung, die gerade in den letzten Wochen erneut schärfste Empörung hervorgerufen hat, in eine scharfe Opposition zu der auf Grund eines einlest.iiidcncrmallcti ungerechten und unbilligen W ahlrechtes gewählten Gemeindeverwaltung steht. Zuwendungen, wie sie die Gemeinde unbedingt braucht, werden solange nicht in Frage kommen können, als das selbst von vielen liberalen als durchaus ungerecht empfundene Wahlrecht nicht eine Erweiterung gefunden hat. Der hohe Steuersatz steht daher in unmittelbarem Zusammenhang mit der Wahlentrechtung. Wir lehnen deswegen die Bewilligung einer Steuerquote von 12 v. Ii. ab und ersuchen, schnellste Maßnahmen zu treffen, um eine Befriedigung der GemeindemitgUeder und damit auch Zuwendungen der Gemeindemitglieder zu schaffen. Nur auf dem Wege einer Wahlrechtsbefriedigung ist die viel zu hohe Steuerquote herunterzudrücken. Herr Sei inner beantragt Steuerermäßigungen für die minderbemittelten Gemeindemitglieder und wird darüber belehrt, daß die betreffenden Schichten schon seit Jahren Steuerfrei sind. Herr Aronstein stellt fest, dali in dem Fehlen der Vertreter der Yolkspartci im Finanzausschuß System heue. Herr Tumpowsky habe die Einsetzung eines Sparausschusses durchgesetzt, der aber bis ietzt absolut nichts erreicht habe. Dieser Ausschuß habe lediglich Freiwillige Sammlungen angeregt. Hierzu beizutragen, sei In erster Linie Pflicht derjenigen, die infolge der Eigenartigkeil ihrer Geschäfte zu den Steuern nicht erheblich beilragen. Die Forderung Tu mpovt sk\ s auf Steuersenkung sei lediglich eine Geste Herr Duhiner weist demgegenüber auf die freiwilligen Leistungen vieler Gemeindemitglieder durch Erhaltung von Synagogen,