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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-12-28 · 52 (28.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
52 (28.12.1929)
Date
1929-12-28
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seile 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 52 KT0ltWERO<sÄode { _1 Pralinen hören einer solchen Anstalt geradezu ein Gemeindeunglück zu nennen wäre, und da hat der ernste Appell, der Kam speziell von einem Manne ausging, der sich auch sonst schon große Verdienste um das hiesige üemeindeleben erworben hat, In der Tat seine Wirkung nicht verfehlt. Ein Wille war Beweckt, und ein Weg wurde darum gefunden. Alten Gläubigern der Schule wurde mit Nachdruck nahegelegt, daß sie auf ihre Forderungen verzichten sollten. Sie haben es in großzügiger Weise getan, und ihrem Beispiele folgend haben Uie neuen Männer nach ihren Verhältnissen, vielleicht auch über ihre Verhältnisse hinaus, schon Opfer gebracht und neue, größere zu bringen versprochen. Ein neuer Schulr.it ist gegründet und bereits In aller Form konsumiert worden. I>ie Erkenntnis, dalJ die Schule, koste es. was es wolle, erhalten werden müsse, hat sich durchgesetzt, und so hat sich doch mi viel Enthusiasmus auf weitere Kreise übertragen, daß nunmehr zu hoffen ist. es werde in absehbarer Zeit gelingen, eine finanzielle Konsolidierung der Schule herbeizuführen. Freilich haben die In die Schulverwaltung neu eintretenden Herren eine Bedingung an ihre Mitarbeit geknüpft, daß nämlich die Schule auch hinsichtlich ihrer geistigen Struktur auf andere Grundlage gestellt wird. Sie mochten nur für ein Institut tätig sein, das in seinen Leistungen auf profanem und religiösem Gebiet vollkommen auf der Höhe steht, an dem auch der Kritiksüchtige nichts auszusetzen haben soll. Unter dem Drucke der schweren finanziellen Not muUte der seitherige Schulvorstand manches, schweren Herzens, geschehen lassen, was er unter günstigeren Umständen gewill nicht zugelassen hätte. Die besten Lehrkräfte gingen der Schule verloren, weil die Anstalt nicht in der Lage war. für pünktliche Gehaltszahlung und iür Sicherung der Ruhe- und Pensionsgehälter Bürgschaft zu leisten. Unter dein ständigen Lehrerwechsel mußten naturgemäß auch die Ergebnisse leiden. Iis soll bei dieser Gelegenheit freilich nicht unerwähnt bleiben, dall trotz der im Vorhergehenden geschilderten Mißstände die Leistungen der Schule sich doch auf anerkennenswerter, man darf sogar sagen, auf erstaunlicher Hohe gehalten haben. Hei jeder Reifeprüfung der Knaben, hat der staatliche Kommissar dies in lobenden und anerkennenden Worten bestätigt, und die Mädchen, die nicht au eigener Anstalt die Prüfling ablegen konnten, sondern einer fremden Schule zugewiesen wurden, haben in allen Jahren gute Erfolge erzielt, und die Statistik ergibt, daß es immer etwa 75",. der Prüflinge waren, die vor fremden Examinatoren den Beweis ihres Könnens abgelegt und die Prüfung bestanden haben. Aber die neue Verwaltung stellt sich trotzdem auf den Standpunkt, dal] iür eine jüdische Schule das Allerbeste gerade gut genug ist, dall sie in ihren profanen Leistungen es mit den besten staatlichen Schulen müsse aufnehmen können und hinsichtlich der Vermittlung von Kenntnissen auf jüdischem Gebiet hinter den anerkanntesten Tboralehranstalten nicht zurückbleiben dürfe. Diesem Ziel strebt die neue Schulverwaltung zu und hofft unter dieser Devise auf die ernste ideelle und materielle Mitarbeit der gesamten jüdischen Elternschaft Leipzigs. Selbstverständlich ist mundlich und schrittlich von den Herren, die die Reorganisation der Schule in die Hand genommen haben, dem früheren Schulvorstand gegenüber die Verpflichtung übernommen worden, dafür zu sorgen, dall die gleichen religiösen Prinzipiell, wie bisher, in Kraft und Geltung bleiben sollen. Und in der ersten Ansprache, die bei der konstituierenden Sitzung der neue Vorsitzende gehalten hat. Ii.it er unter Beifall und Zustimmung aller Anwesenden auf das Allerbestimmteste betont, dall an den religiösen Grundsätzen der Schule, so wie sie bei der Begründung derselben beabsichtigt waren, auch nicht im geringsten gerüttelt werden dürfe. Möge die Leipziger Judenheit beweisen, dall sie doch noch genügend Verständnis für die Bedeutung einer jüdischen Schule aufbringt und opferwillig genug ist. die nun in der Reorganisation befindliche Schule als eine Musteranstalt für die Dauer zu erhalten. Chewra-Fasten und -S'uda 1929 Am 15. Kislew wurde das Fasten und am Tage darauf die S'uda der Chewra Kadischa abgehalten. Hervorzuheben ist, dall sich in diesem Jahre die Mitglieder des Chew ra am Nachmittage des Fastens zum Gottesdienst in der Gemeinde-Synagoge zusammenfanden, in der aus diesem Anlaß Herr Qemeinderabbiner Dr. Goldmann eine Predigt (mit daran anschließender Seelcnfeler) hielt. Es wurde im wesentlichen die Lehre eines solchen Fasttages behandelt, dall die Gedanken der Lebenden auf den Tod gerichtet sein sollten, der ja doch so vieles, was die Menschen in ihren Lebenslagen als bedeutsam und wichtig hinstellen, in seiner Vergänglichkeit und Hinfälligkeit deutlich mache. So werde ein solches Fasten zu einer Mahnung zum Frieden und zur Eintracht. Die in dem Hetsaal der Gemeindesynagoge zahlreich erschienenen Beter waren von der Abhaltung dieses Gottesdienstes sichtlich ergriffen. In außerordentlich gehobener Stimmung befanden sich die Teilnehmer au der Chcwra-S'uda. die am Tage darauf stattfand. Der Vorsitzende. Herr Markendorf, begrüllte in herzlichen W orten alle Erschienenen und gab dem Bedauern darüber Ausdruck, dall deren Zahl nicht die Höhe erreicht habe, die eine solche Veranstaltung wohl beanspruchen dürfte. Herr Rabbiner Dr. Carlebach sprach, in Anlehnung an den Wochenabschnitt, über die Kräfte, die. der Erzvater Jakob in sich unversehrt bewahrt Habe: diese gleichen Kräfte, Thorakenntnis, Selbstlosigkeit und Gesundheit, seien Voraussetzung für die im Dienste der Chewra stehenden Frauen und Männer. Er schloß mit dem Wunsche, daß ihnen allen diese Kräfte unvermindert bewahrt bleiben. Für den Vorstand der israelitischen Religitfnsgemeinde übermittelte Herr Qottlleb die Grüße und den Dank der Gemeinde au die Chewra-Kadischa und versicherte, dall mau in der Gemeinde die Leistungen der Chew i a-Kadischa in vollem Umfange zu würdigen w isse. Herr R a b b i u e r C <> Ii n führte ans, dall die in der Chew ra tätigen Männer und Frauen für ihre Leistungen keinerlei Dank beanspruchten: gute Wünsche aber dürften zum Ausdruck gebracht werden. Eine Deutung Raschis zu den Anfangsworten des Thora- Abschnittes, dall die Holen, die Jakob au EsaU entsandte, göttliche Hoten. Engel, gewesen seien, sei auch auf die Chewra-Fraueit und -Männer anzuwenden: Möge auch ihr Wirken an den Toten ihnen göttliche Segenskräfte auch unter den Lebenden erwachsen lassen. Herr R a b b I n e r Feld m a u u ging davon aus, dall der 15. Kislew als Tag des Pastens wohl gewählt sei. um auf die Unvergänglichkeil der Seele hinzuweisen: Wie im Winter die Natur abzusterben scheint, die eigentlichen Kräite jedoch lebendig bleiben, so auch bedeute der Tod ''es Menschen nur ein Sterben des Körpers, die Seele aber lebe fort Die Veranstaltung soll die Mahnung sein, des Höheren im Menschen, und vor allem des Lebenden, eingedenk zu bleiben. Herr Rabbiner Dr. Goldman n vermutete einen Zusammenhang zwischen dem Datum des Fastens und der in diesen Wochen in den Thoravoricsniigcn besonders hervortretenden Qestall des Erzvaters Jakob, der eine Verkörperung des Idealismus darstellt, wie Häuser / Hypotheken / Hausverwaltunsen REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG |& I I LEPLAYSTRASSE j GEGRÜNDET 1907 FERNRUF 23576

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