Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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20. Dezember 1929 GEMEINDEHLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 jeder Jude, der vor die Öffentlichkeit tritt, der dem deutschen Volk seine Erkenntnisse mitteilt, der ihm einen Weg ins Lieht zeigen will, verfallt zunächst dem Haß" derer, die das Dunkel lieben, und verfällt schließlich dem Haß fast aller. Denn kaum einer begreift ihn. Jeder von ihnen steht auf der Totenliste. Und ist es auch nur eine kleine Gruppe, die /u Wotan betet und nach Tors Hammer ruft, so sprechen doch Millionen im stillen Gebet mit ... Wird das je anders werden? Kann das anders werden, ohne daß der Jude nicht nur sein Judentum, sondern auch sein Judesein, seine (icistigkeit, sein Bestes, opfert? Ohne daß er seinen Willen preisgibt, ilie Welt ZU verändern nach einem Idealbild, das er seit Jahrtausenden in sich trägt? Es ist eine bange Frage, auf die es keine erlösende Antwort gibt. Unsere Jugend Die Jugend schreibt sich eine Sefer-Thora Ein origineller Gedanke entsprang dem (leiste der Agudahjugend Leipzigs, der überall in Agudahkrelsen helle Begeisterung hervorgerufen hat. Wiewohl dieser Gedanke halaehisehenUrsprung ist. zeugt er doch von grolicr Einsieht in die Zeitläufte unserer Geschichte. Noch nie zuvor war das jüdische Eigcnwesen von solch einer Gefahr der Verfälschung umnebelt, wie heute im Zeitalter der Säkularisierung, Nun «ilt es die Götzen der Zeit zu zerschmettern, ihren gefährlichen Einfluß ans dem Lehen des indischen Volkes restlos zu bannen. Die Thora ist nicht nur Religion des Individuums, sie ist auch Königin in Israel, die ihre absolute Herrschaft über das Volksganze ausbreitet. Das jüdische Volk ist ein Volk (iottes. ein Volk Seiner Thora. ein helliges Volk. Jede Volks- oder Staatsgewalt geht von der Thora aus, sie ist richtunggebend nicht nur für das individuelle Lehen, sondern auch für das nationale Lehen des jüdischen Volkes. Denn das jüdische Volk ist ein Volk der Thora. Aus diesen Motiven heraus inulite sich der jüdische König, der die Volks- und Staatsgewall innehatte, eine mir "CS schreiben und diese immer mit sich trägen. Sie bedeutete für ihn Programm, Weg und Ziel. Wie eine Ecuerwolke leuchtete die Thora über den dornigen Weg des jüdischen Staates. Auch der jüdische Staat ist nur Werkzeug Gottes, der Seinen W illen im Lehen der Nation zu verwirklichen hat. Aber auch die jüdische Jugend ist verpflichtet sich eine Sefer-Thora schreiben zu lassen. Sie muB bekunden, daU sie sich mit der Thora unauslöschlich verbunden fühlt, zumal heute, da uns unser Staat geraubt ist und wir weder Koni« noch Priester haben und von vielen Seiten der Versuch unternommen wird, das jüdische Volk seines göttlichen Charakters als Thoravolk zu berauben und es den anderen weltlichen Völkern der Erde gleichzustellen. In dieser Zeit ist der Ruf der Agudajugend nach Erfüllung dieser sinnvollen Mizwah von rnr -er die das Eigen weseu des jüdischen Volkes so symbolhaft und so kraftvoll charakterisiert, von großer Bedeutung, (iilt es doch der jüdischen Jugend seiner ewigen Verbundenheit mit der Thora machtvollen Ausdruck zu verleihen. Also lautet nun der Ruf der Agudaiugend an die Judenheil Leipzigs. Schreibt Euch eine Sefer-Thora! Jeder Jude kaufe sich nun einen Buchstaben von dieser Sefer- Thora der Jugend und damit bekunde er seine Verbundenheit mit der Thora! Wer diese Verbundenheit noch persönlicher zum Ausdruck bringen will, kann sich seinen ganzen Namen, oder die Buchstaben seines Namens oder nur den Anfangsbuchstaben seines Namens erwerben, damit alle in das Much des Lebens und des Segens eingetragen sind. Aus dem Erlös dieser Aktion soll ein Heim für die orthodoxe Jugend geschaffen und die Bibliothek der Agudajugend vervollständigt werden. Wir sehen nun. daß diese Aktion, aulier ihrer halaehisehen und moralischen, noch eine praktische Bedeutung hat. Nun erwerbe ein jeder einen oder mehrere Buchstaben der -cc mr. damit er vor allen Dingen durch seine Beteiligung die Mizwah -Eri'r: erfülle und gleichzeitig seine Verbundenheil mit der von Thora dokumentlere. Krauss, Kadimah Bund Jüdischer Jugend Durch die auf der Leipziger Eührertagung des (iesamtbundes beschlossene UmOrganisation des Hundes ergibt sich folgende Leitungsteilung: Vorsitzender des Mundesrates: Maus Sternberg, Dom. Georgsthal. Bundesleiter des Kadimah-Pfadfinderbund: Leo Goldhaber, Leipzig, Leiter des Haschomer im Kadimah: Haus Kaufmann. Merlin. Kadimah B. J. P. Chemnitz Am Sonntag, den 15. 12. wurde die bisherige Junggruppe Chemnitz im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands in den Kadimah M. .1. I'. aufgenommen. Im Mittelpunkt der Leier stand eine Ansprache von Leo Goldhaber. Leipzig. Bundesleiter des Kadimah Pfadlinderbund. Der neue Mund umfaßt zwei Züge zu je 3 Gruppen. Fflhrerschaftslelter ist Leopold Steinltz, Chemnitz, während die Oberleitung in den Händen von Manfred Hofiner, Leipzig, liegt. Sächsische Gemeinden Dr. Gaertner Landesrabbiner in Braunschweig Rabbiner Dr. Gärtner, bisher in Zwickau, wurde zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde BraunschweigS und zugleich zum Landesrabbiner für den Freistaat Braunschweig gewählt. Dr. Qärtner ist Absolvent der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu Merlin und wirkte bereits als Rabbiner in Dresden und in München, seit lu24 in Zwickau. Halbjahrsversammlung der sächsischen israelitischen Lehrervereinigung Am 25. Dezember d. I.. vormittags II Uhr, (1. Weihnachtsfeiertag) findet in den Räumen der Leipzig-Loge, Arndtstr. 1 eine Tagung der S. I. L. statt, die folgende Tagesordnung enthält: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht und Entlastung des Vorstands. .1. Vortrag: „Der hebräische Unterricht in der israelitischen Religionsschule" (Referenten: Anschel-Dresden und Werczberger-Leipzig). 4. Sonstiges. Zu dieser Versammlung sind alle Mitglieder unserer jüdischen Gemeinde herzlich eingeladen. Unsere Gemeinde Redaktionsschluß für Nr. 52 Mit Rücksieht auf die in die kommende Woche fallenden Weihnachtsfesttagc wird die nächste Nummer des Gemeindeblattes einen 'Tag früher abgeschlossen. Manuskripte bitten wir so einzureichen, daß sie spätestens am Montag früh '» I hr bei der Schriftleitung eingegangen sind. Die nächste Nummer erscheint einen Tag später, also erst am Sonnabend, de tu 2S. Dezember. Die Schriftleitung. Festgeschenke Vom Hauptvorstand des Jüdischen Frauenbundes geht uns folgender zeltgemäße Appell zu: Die volkswirtschaftliche Pflicht fordert auch von uns Frauen, dazu beizutragen, dal! der auf dem gesamten Wirtschaftsleben lastende Druck vermindert werde. Dies geschieht, wenn eine jede berücksichtigt, daU alle Schichten der Mevölkerung, vom Unternehmer bis hinab zum kleinsten Gewerbetreibenden und Handwerker vom Tun und Lassen der Frauen zu einem außerordentlich wesentlichen Teile abhängen. Alle Fr a u e u und Hausfrauen seien des Ii a I b eindringlichst darauf hingewiesen, d a Ii sie i 11 •diesem Jahre ihre Geschenke zu C h a n U k a (W e t h n a c h - teu) nicht in bar sondern in Waren geben sollten. Denkt an die Kinderbeschenkung des Hilfsvereins! In diesen Tagen werden die Sammlungen des Milfsvereins für die alljährlich von ihm vorgenommene Kinderbescheiikuiig durchgeführt. Iis war schon darauf hingewiesen, daU weit über WO Gesuche zur Ein-