Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Ii. Dezember 1929 QEMEINDEBLATT l>l:R ISRAELITISCHEN Rr.LKiK)NS(ii:Mi:iN|)L; 71 Llill'/Ki Seile 5 JÜDISCHER FRAUENBUND / ORTSGRUPPE LEIPZIG Donnerstag, den 12. Dezember, 20,30 Uhr in der Alten Börse, Naschmarkt Gäste, auch Herren und Jugend, herzlichst willkommen! Referat: Frau Anna Neumann Ostjüdische Literatur Selbst die bewaffnete, nationale Notwehr kann jedoch nach der Auffassung des Hundes nur als legitime Beteiligung an internationalen Schutzmaßnahmen gegen den Friedensbruch, und nur solange geduldet weiden, bis die Organisation des internationalen Schutzes völlig zuverlässige, durchgreifende Wirksamkeit erlangt hat. Der Bund bekennt sich ZU der unerschütterlichen Überzeugung, daß ein solcher Zustand, der die dauernde Ausschaltung der Kriege ermöglicht und verbürgt, erreicht werden wird; daß das organisierte Völkermorden ebenso aufhören wird, wie der Kannibalismus und die Menschenopfer nach unübersehbar langen Perioden primitiver Kultur ein Ende gefunden haben. 3. Nach der Auffassung des Hundes erhärtet der ganze Verlauf der Weltgeschichte, und in besonders schlagender Weise der letzte Abschnitt derselben, daß die biblisch-prophetische Lehre von der Nichtigkeit materieller Macht, von der Verwerflichkeit und Verderblichkeit aller Gewalt, von dem unausbleiblichen Ende der Kriege und dem Aufkommen eines Menschheitsbundes auf der QrundlagC des Rechtes und der (ierechtigkeit, der Vernunft und der liebe — dali diese Lehre nicht als ein Traum von Ideologen, sondern als intuitiv-wissenschaftliche Erkenntnis des wahren Schöpfungsplanes zu werten ist. In dem Zusammenbruch der militärischen Imperien, in der fortschreitenden Eindämmung der Fehden vom Kriege Aller gegen Alle bis zum Krieg als Staatemonopol in der beginnenden Ächtung dieser letzten Form des Krieges durch die Regierungen selbst; in der mcnschheitsvcrciiiigendcn Wirkung der Entwicklung des Verkehrs und der Wirtschaftsorganisation; in der Oberwindung des Krieges durch die Steigerung seiner Technik bis zur Vernichtung alles Lebens und aller Kultur; in der Begründung des Völkerbundes, in der Anbahnung einer internationalen Rechtsordnung, der Völkerschiedsgerichte und der Abrüstung, erblickt der Hund unwiderlegliche Beweise dafür, dali die von d e r B i b e I a u f g e d eckt e n S c h ö pfungsziele sich mit natur gesetzlicher, zwingender Kraft durchzusetzen b e g i n u e n. L Dieser Qrundanschauung entsprechend, wird der Hund dafür wirken, dali die gegen Religion und Ethik, aber auch gegen die wahren Interessen der Völker verstoßenden Theorien und Tendenzen des Imperialismus und Expansionismus, der Kolonialpolitik und der Ausbeutung schwächerer Rassen, des Militarismus und der Qlorifizierung des Krieges, immer mehr au Kraft verlieren; und dali der Mißbrauch der Religionen zur Unterstützung dieser antireligiösen Strömungen unmöglich werde. Dagegen wird er alle auf die Freiheit, die Befriedung und den Zusammenschluß der Völker, auf ihren kulturellen Fortschritt und sittlichen Aufstieg gerichteten Bestrebungen, nach Maligabe seiner Kräfte fördern. 5. In Würdigung der von der Hibel und den Propheten erkannten tiefen Zusammenhänge zwischen sozialer und wirtschaftlicher (ierechtigkeit einerseits, dem Frieden und der geistig-sittlichen Vervollkommnung andererseits, wird der Bund die Verwirklichung der von der jüdischen Lehre in diesem Hereiche verkündeten Ideale und Prinzipien anstreben. Zu seinen besonderen Aufgaben wird es gehören, die noch nicht genügend gewürdigte Bedeutung der in der Hibel vorgezeichneten Qrundlinien der sozialen und wirtschaftlichen Verfassung auch für die Gegenwart und Zukunft, in wirksamer Weise den Völkern zum Bewußtsein zu bringen. So die Prinzipien: Qleiche Chancen für Alle; freie Hahn dem Tüchtigen; Fürsorge für die Arbeitsunfähigen und vom Schicksal Benachteiligten; Verpönung von Ausbeutung und Unterdrückung in jeder Form; wahrhaft brüderliches Vorgehen nicht nur im Verhältnis zu Stammesgenossen aller Volksschichten, sondern auch /u Angehörigen anderer Völker. So das System der rationellen Verbindung nationalen Kollektivbesitzes mit privater Nutznießung; staatlicher Regelung und Kontrolle mit individueller Betätigungsmöglichkeit und freier wirtschaftlicher Entfaltung; Hintanhaltung kulturvernichtender Revolutionen durch periodische Revision, präventive Neugestaltung der Wirtschaftsordnung und sozialen Ausgleich. (). In Erkenntnis der Tatsache, dali der Friede und die sittliche Vervollkommnung, ganz so, wie mit der sozialen und wirtschaftlichen Ordnung, auch mit allen anderen Zweigen kultureller Betätigung in wechselseitiger Kausalität auf das engste verwobeu sind; derart, dali sie das Resultat des gesamten nationalen und Central Verein deuisdier Stfaaisltilrcier iüd. Glaubens, Ortsgruppe Leipzig Geschäftsstelle: Leipzig C i, Täubchenweg 77b. Telephon 60805 c. V. Wir laden Mitgliederversammlung nonlag, den 9. DezemDer 1929, 20 Uhr Im Kammermuslksaal de* Central - Theaters, Leipzig (Eingang Dittrichrl ne). hiermit unsere Mitglieder und Freunde unserer Bewegung zu diesem Vortrag e Herr Rechtsanwalt Dr. Goldberg, Plauen spricht zu dem aktuellen Thema: „Der Triumph der Nationalsozialisten" Die Folgen der Kommunalwahlen vom 17. November 1929 für die sächsischen Gemeinden. in. J. A.: Julius Krause. Vorsitzerdir.