Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELKilONSCiEMEINDE ZU LEIPZKi Nummer 4<i Maßanfertigung R. DANZIG B e :i c h t Sie b I t t die M eleganter Pelz-Modelle nur in den Kunstgewerblichen Werkstätten vornehmer Pelz - Bekleidung! Garantie für tadellosen Sitz Zirka 100 Pelz-Modelle stehen meiner werten Kundschaft zwecks Wahl der gewünschten Formen zurVerfügung LEIPZIG, Reichsstr. 33 35 Telephon 25833 WESTERLAND-SYLT, Friedrichstraße I Kunstgewerbliche Werkstätten vornehmer Pelzbekleidung o d e I I e in dar Anzeige auf Saite 11 nauscha und adaunoj adaunoj, welche die Orgel kanonisch untermalt (Aufzeichnung von Lampel in dessen Kaul sch'mucl). Besonders muß aber einer Leiter gedacht werden, die im jüdischen Gottesdienst eine so große Rolle spielt, daß man sie schlechthin als „jüdische Skala" bezeichnet. Sic weist mindestens einen, wenn nicht zwei I'..-Ton-Schritte auf. (Als Qrundton a angenommen, sieht sie folgendermaßen aus: ahe -jef gis a.) Ob sie der (auch von Franz Liszt gebrauchten) magyarischen Tonleiter entstammt, ob sie sich aus dem orientalischen Higaz-Schritt entwickelt hat, bleibe dahingestellt. Moritz Deutsch (weil. Oberkantor in Breslau) ineint, daß sie der phrygischen Leiter entstamme mit erhöhter Terz, zu Modulations'zwecken. (In der Rundfunk-Übertragung zcijjt der Halb-Kaddisch diesen I' .,-Ton-Schritt.) Die berühmte Kol-nidre-Weise, zum Eingang am Vorabend des Versöhnungstages, hat Max Bruch, der niemals Jude war, durch seine Bearbeitung in den Konzertsaal geführt. Leider muß gesagt werden, daß die Bruchsche Weise, in ihrer konzertanden Aufmachung, sehr wenig mit unserem alten Kolnidre zu tun hat, ja, daß sie das Tiefe, das Innerliche, das wahrhaft Religiöse kaum ahnen läßt. Dieses Hebet zu Eingang de> heiligsten, ernstesten Tages, von der vollzählig versammelten, in tiefster Ehrfurcht harrenden (iemeinde verrichtet, verträgt überhaupt keine Verweltlichung, und selbst die gewiß sehr schöne (irammophonplatte des viel zu früh dahingegangenen Josef Schwarz, obgleich von l.ewandowski bearbeitet, kann nur andeutungsweise das Erhabene enthüllen. (Die Rundfunk-Übertragung zeigt nach dem in unserem Qemeindegebetbuch bekannten Text die Le w a ndo w s k i sehe Bearbeitung, 1821 1804.) Das Alter der Melodie steht nicht fest. Wenn Prof. Emil Breslaur, weil. Chordirigent an der Reformsynagoge in Berlin, meint, sie könne von Beethoven stammen, dessen Cis-moll-Quartett op. 131, gedruckt 1820, denselben Anfang zeige, so ist zu bemerken, daß, wie Nettel erwähnt, die israelitische Kultusgemeinde Wien im Jahre 182b an Beethoven herangetreten war, ihr zur Einweihung des neuen Tempels eine Kantate zu schreiben. Bei dieser Gelegenheit mag sich Beethoven auch mit synagogalen Melodien beschäftigt haben. (Übrigens schrieb nicht Beethoven, sondern Drechsler die Kantate.) Die Einleitung ist ein spanischer Qesang aus dem 10. Jahrhundert, dem sich traditionelle Motive aus Thora-Vorlesung und Esther-Weise anschließen. Für die verehrt. Qemeindemitglieder, die die Gemeindesynagoge besuchen, dürfte noch der Hinweis auf Un'ßanne tatikef interessant sein, das Stück, das es zu einer, man darf getrost sagen, weitreichenden Popularität gebracht hat. Im Vormittagsgebet sowohl des Neujahrsfestes wie des Versöhnungstages stehend, zeigt es dem Kenner die Jugend der Komposition; denn obwohl Wendungen nach der mixolydischen Skala und der Higaz-Schritt vorkommen, herrscht doch souverän die Moll-Skala vor. Die Untermalung des poetischen, bilderreichen Textes ist dein Komponisten (l.ewandowski) aber so ausgezeichnet gelungen, daß man das Stück als eine Perle des Lewandowskischen Werkes bezeichnen muß. FÜR DEN FRIEDEN Programmatische Richtlinien 1. Entsprechend seiner Zielsetzung (Satzungen § 1) wird der Bund in seiner gesamten Tätigkeit auf dem Boden der Anschauungen und der Friedensgebote der jüdischen Lehre stehen. 2. Er wird sich für den kompromißlosen, ewigen Frieden und tm die Achtung des Krieges in allen seinen Formen, ausgenommen den Fall unzweideutiger äußerster Notwehr gegen räuberische Überfälle einsetzen. des jüdischen Friedensbundes In diesen (irenzen wird er auch jede Form materieller oder geistiger Kriegsvorbereitung bekämpfen, insbesondere: den (iaskrieg als größte Gefahr für die Kulturmenschheit —, ferner die private Rüstungsindustrie und die durch ihre Presse geübte Aufhetzung zum Kriege zwecks Erzielung von Profiten durch Massenmord als tiefste Schmach der Kulturmenschheit. ISTOltWERCKs#4°"de [\\ «J _1 Pralinen