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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-12-06 · 49 (6.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
49 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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8. Dezember 1929 (ii:M!:IN|)!:IU.ATT ISRAITITISUIKN k'l.l.KiK iNMU.MtilM U: 7.Y l.HII'/Ki Seite 3 SYNAGOGALE MUSIK IM LEIPZIGER RUNDFUNK Von Oberkantor S. Lampcl Anläßlich clor am Dienstag, dem 10. Dezember, abends 22'/, Uhr, stattfindenden Rundfunk-Übertragung dürften die folgenden Ausführungen vom Interesse sein: Unsere letzte Rundfunkstunde befaßte sieh mit einem Ausschnitt ans dem Gottesdienste des Werktages und der drei, Wallfahrtsfeste. Die jetzige Stunde soll (sie dauert ja nur eine halbe Stunde) einen kurzen Oberblick geben über die synagogale Musik an den beiden hohen Feiertagen. Dem Charakter dieser Tage entsprechend ist ihre Musik ernst und schwermütig. Doch ist es verständlich, wenn hier (der Vcrsöhnungstagsgottesdienst dauert ununterbrochen den ganzen Tag) auch einmal belebtere Melodien gehört werden. Die interessante Frage nach dem Alter dieser Weisen ist etwa folgendermaßen zu beantworten. Der berühmte jüdische Gelehrte, Rabbi Jakob l.evi, Mainz, genannt Maharil, gestorben 1427, hat keine Melodien neu geschaffen, und in seinen Werken finden sich auch leider keinerlei musikalische Aufzeichnungen. Er verlangt nur Gehorsam nach der Überlieferung und keine Ausweichungen nach der „Mode". Die erste schriftliche Aufzeichnung finden wir bei jenem berühmten Salomone de Rossi (1587 1628), der im Jahre 1620 seine etwa 30 Stücke umfassenden synagogalen Kompositionen herausgab. Diese Stücke (3 8stimmig) haben keine spezifische jüdische Note, sondern sind ganz in dem damals alles beherrschenden Palestrinastil geschrieben. Er beabsichtigte einen geregelten Chorgesang in der Synagoge. (Die Rundfuukl bertragung bietet seinen 5stimmigen Psalm 8.) Unsere Themata aber reichen viel, viel weiter zurück als unsere eisten Aufzeichnungen. Schon in der vorigen Rundfunk-Übertragung haben wir darauf hingewiesen, daß beim Leienen, dem Vorlesen aus der Thora, am Sabbat und an den Feiertagen eine Melodie erklingt, die aufgebaut ist auf dem sog. pentatonischen System, dem halbtonlosen Fünftonsystem, welches innerhalb der Oktave die Töne dfgae aufweist. Sie enthält aufwärts den Naturdreiklang fae (nach heutigen Begriffen F-dur) und abwärts afd (nach heutigen Hegriffen d-moll). liier liegen also bereits die Wurzeln unserer heutigen Dur- und Moll-I.eitern. Auch jener typisch pentatonische Quartenschritt abwärts (g d), welcher immer am Schluß eines Thora-Absclmittcs hörbar ist, muß hier erwähnt werden. Diese einfachen Melodien konnten von jedermann gesungen werden. Die Einrichtung, daß die Musik im Tempel von musikalisch geschulten Kräften (Kantoren, Vorsängern, Vorbetern, Abgesandten der Gemeinde) zu Gehör gebracht wurde, existierte ja ursprünglich nicht. Es dürfte interessieren darauf hinzuweisen, daß Jesus selbst im Neuen Testament als Baal Kore genannt wird, wie übrigens auch der Apostel Paulus in den Synagogen des Exils. Daher der logische Schluß, daß der älteste liturgische Gesang des Urchristentums der Synagoge entstammt. Auch Hugo Riemann bemerkt: „Die Anfänge der christlichen Kirchenmusik sind zweifellos direkte Fortsetzung der jüdischen Tempelgesänge gewesen; die Psalmen und Kantica des Alten Testaments bilden durchaus den Grundstock derselben, und die hinzugekommenen Gesänge auf Texte aus dem Neuen Testament sind ihnen nachgebildet." Diese Anfänge gesammelt zu haben, ist das Verdienst des Papstes Gregor I., des Großen (3*>0 604). Der Begriff „Gregorianischer Gesang" ist (insbesondere in der katholischen Kirche) auch heutigen Tages durchaus geläufig. Die Vorlesung aus der Thora au den hohen Festen aber bew egt sich in der niixolydischen Tonart, deren Gharakteristica die große Terz und die kleine Septime sind (gahedefg). Diese Skala durchzieht das ganze Abendgebet und kehrt wieder im Mussaf-Qebet. (Die Rundfunk-Übertragung zeigt diese Tonart besonders im OIcuu-Gcbet nach der Aufzeichnung von Naumbourg (1817 1880)). Ebensooft aber begegnen wir der phrygischen Tonleiter in ihrer reinen und etwas neueren Art und Weise, wie sie bei Bach schon zu finden ist (efgahede). Die Rundfunk-Übertragung zeigt diese Leiter und deren neuere Ausweichungen in den Responsen Jisroel Durch den Tod des Mitgliedes unseres Verwaltungsrates, Frau Alexandra Eitingon hat unsere Stiftung einen unersetzlichen Verlust erlitten. Sie hat dieses Zeugnis der Nächstenliebe mitgeschaffen und an ihm mit aller Kraft gearbeitet. Ihre gütige Menschlichkeit hat uns Weg und Ziel gewiesen. Sie wird in ihrem Werke leben und uns unvergeßlich sein. Der Verwaltungsrat und das Kuratorium des jj israelitischen Krankenhauses (Eitingon-Stiftung)" i. A.: Emil Joske i. A.: Carl Goldschmidt

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