Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 48 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite s GEMEINDEBLATT DKR ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 4k Für JiidisdiKeii kämpft Wählt C% Liste Kestenbaum, Tager Goldwasser, Rosenbaum Lande der Sahara. Er schildert Art und Aussehen der Menschen und ihrer Wohnhöhlen, und fährt dann in der Schilderung seiner Erlebnisse fort: In einem der Wohnkrater trat" ich den Rabbiner des Ortes mit seine) Familie und denen seiner Sühne. Der alte Jude versteht vortrefflich hebräisch, las uns aus einein Buch, das hebräisch gedruckt war, vor und erzählte, seine Familie wäre schon seit vielen Jahren hier ansässig. Genauere Daten konnte er meinem Begleiter, dem italienischen Konsularagenten Loinbroso aus Qabes, der >elbst Jude ist und gleichzeitig des Arabischen vollkommen mächtig, nicht angeben. Wie bei den anderen Kratereingängen, so sali ich auch in kleinen Nischen Pergamentblättchen mit verschiedenen Talmudsprüchen /um Lobe Gottes aufgehängt. Alle, die ich sah. auch die Frauen, zeigten ausgesprochenen jüdischen Typus, und die Troglodyten sind zweifellos nicht nur Juden der Religion, sondern auch der Abstammung nach. Ich betone dies ausdrücklich, denn ich fand unter den Berbern, besonders im Rif von Nordmarokko, eine ganze Menge, deren Vorfahren schon vor vielen Jahrhunderten zum Judentum bekehrt wurden und es bis auf den heutigen Tag bewahrt haben Juden mit blondem oder sandfarbenem Haar und blauen Alicen, entschieden der Berberrasse angehörend. Aul meinen Wunsch führte mich der Rabbiner nach der Synagoge nebenan. Line Höhle in der Bergwand mit direkt ins Freie führender Tür. Bänke aus dem Felsen gehauen, ringsum mit Matten bedeckt, auf denen /erlesene Gebetbücher in hebräischer Sprache umherlagen. Die jüdischen Troglodyten können also hebräisch lesen, wenn sie es auch nicht sprechen, und in der Tat i^t Hebräisch der einzige Gegenstand, ih n ihr Rabbiner den Kindern beibringt Wie er, so haben es seine Vorfahren, durchweg Rabbiner, vor ihm getan, sii wird es auch sein Sohn und Fnkel tun, denn die Rabbinerwurde scheint bei den Troglodyten in vielen Fällen erblich ZU sein. Im Hintergrund der Synagoge war in den Felsen gehauen der Thoraschrank, mit Gebetrollen auf Pergament geschrieben und in silbernen Muhen. Sie stammen aus der „QroBen Hara', dem Hauptort der Insel Dscherba im Qolf von Gabes, wo viele Tausende von Juden seit dem ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung wohnen. Schon Maimonides hat sie auf seiner Wanderung nach Kairo besucht und beschrieben, freilich in kein m 1> mders günstigen Licht. Li Dscherba scheinen sich viele mil dem Schreiben von Gebetrollen zu beschäftigen, vvenigsten sagte man mir in den meisten Synagogen, die ich in den \\ ustenländern besuchte, daß sie von dort bezogen wurden und ungefähr MO Frank das Stück kosteten. V >! dem Thoraschrank stand ein großer Gebetschemel, an dessen oberem Rand mehrere silberne Kugeln in der Form von Granatäpfeln steckten. Sie sind das Symbol der Fruchtbarkeit Anscheinend geht es den jüdischen Troglodyten gar nicht schlecht. Sie sehen wohlgenährt aus. Mit ihren Nachbarn, den Berbern, vertragen sie sich gut. Ihr Beruf ist in der Hauptsache das Kleinhandwerk. Mit eintretender Dunkelheit gehen sie zur Ruhe. Lampen und Kerzen habe ich nirgends gefunden auch nicht Papier, Tinte, Feder, und nur die allerspärlichsten abendländischen Artikel täglichen Oebrauchs. Dali die jüdischen Troglodyten nicht erst seit Torquemadas Zeit in den Höhlenwohnungen am Matmata, Iffren, Nefussa und Charian hausen, sondern seit den ersten Jahrhunderten des Christentums, beweisen nicht nur ihre Grabsteine. Ich habe selbst von zweien Abelrücke genommen, die aus dem 12. Jahrhundert stammen. Viele andre Umstände sprechen ilafür, daß ihre Vorväter schon in den Zeiten der Römer und Karthager hier vorhanden waren, und sie werden voraussichtlich noch für Generationen in ihren Höhlen bleiben, bis es den Bestrebungen ihrer europäischen Glaubensgenossen gelingen w ird, sie einem menschenwürdigeren Dasein entgegenzuführen. ALS VERLOBTE EMPFEHLEN SICH: ESTHER LURIE H. HENZiNSKI, dentist y&\k die Liste 3-, U\e liberale Mei Ii