Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 48 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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29, November li>27 OEMEINDEBLATT DF.k' ISRAELITISCHEN KFI.IUIONSOFMHNDF ZU LEIPZIQ Seite 9 die Orthodoxie Wählst Du Nr. Kesten bäum -Tager so wählst du Dich selbst Jüdische Verbände und Gemeinden Der neue israelitische Friedhof in Halle Am Mittwoch, dem 20, November, wurde der tWUangelegte Friedhof in Malle (BoelckestraBe), feierlich eingeweiht His um 1*7" wurde der durch Assur Marx Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Friedhof in der QottesackerstraBe belegt, diente also etwa ISll .lalire seiner Bestimmung. |)ie von den hallischen .luden 1869 in der Humboldtstr.ilje eröffnete /.weite Begräbnisstätte ist wiederum, also schon nach zwei Qenerationen, voll belegt, so daü die Gemeinde In den schweren Nöten der Nachkriegszeit an die Errichtung dieses netten, dritten Friedhofes gehen muBte. Vielfache Schwierigkeiten mußten überwunden werden, ehe aus dem schon 19W In Angriff genommenen Plane Wirklichkeit werden konnte. Jahrelang dauerten die Verhandlungen über den Platz für die Anlage; erst 1925 fanden sie ihren Abschluß durch Austausch eines von der (iemeinde erworbenen, von den Behörden jedoch nicht genehmigten Qeländes gegen ein /.um kommunalen (iertraudenfriedhof gehöriges Gelände. Auch dann noch mußten Widerstünde, die sich infolge der wirtschaftlichen Lage innerhalb der (iemeinde geltend machten, ausgeschaltet werden, ehe an die Ausführung gegangen werden konnte. Mit der Herstellung der Entwfirfe wurde der Schöpfer unseres neuen Leipziger Friedhofes. Herr Ar C h 11 e k t Wl I h e 1 in Halle r, betraut, dessen Entwürfe auch unter seiner Bauleitung zur Ausführung kamen, lieber diese neue Leistung des Hauküiisilers, den zu den Ihren zu zählen unsere (iemeinde stolz sein darf, urteilt der ObeiTegierungS- Baurat Dr.-Ing. Mackowsky: „Dieser feinsinnige Baukünstler hat erst vor einigen Jahren in Leipzig den neuen israelitischen Friedhof mit seineu Hauten geschaffen und damit ein Baudenkmal errichtet, das in seiner ernsten Monumentalität und wohltuenden rhythmischen (iliederuiiK dem Stadtbild eine bestimmende Note verleiht. Haller hat durch seine neueste SchöpfU112 in Halle nicht nur die ihm übertragene Aufgabe meisterhaft gelöst, sondern meiner Ansicht nach einen Kultbau erstellt, der au innerer keife und architektonischer Reinheit der Baumassen die Leipziger Friedhofsanlage noch übertrifft . . . Der Architekt war in der architektonischen Gestaltung auf die bescheidensten Mittel angewiesen. Wenn wir uns dies bei der Betrachtung des Halles . . . vergegenwärtigen, werden wir über den trotzdem erzielten Erfolg erstaunt sein". In einfachen Formen, die nur durch ihren Rhythmus wirken wollen, markiert sich die Halle mit bescheidenen, zweckentsprechenden Ausmaßen. Schlanke, schmale Fenster drücken ihr nach außen den Stempel auf und geben im Inneren dem Raum nur von der Seite Licht, von der es am Wenigsten stört, im Rucken der Versammlung. Durch einen niederen Windfang, bei stärkerer Beteiligung von beiden Seiten, betritt mau die EinsegnungShalle, die in ihrem quadratischen Grundriß und der wagrechteit Hecke absolut schlicht wirkt. Eine untere eichene Wandverkleidung, obere ruhige, flächige Farbwirkungen von Wand und Hecke, sonst nichts Kein Beleuchtungsköper stört den Raum als solchen. Von allen vier Seiten aus dem Zwickel zwischen Hecke und Wand kommt im Bedarfsfälle ein gedämpftes, künstliches Licht, dessen Träger als Arcllitekturglled in den Raum eingeordnet ist. Hie Weihe des neuen Friedhofes vollzog sich ii. überaus würdiger Form in Gegenwart der staatlichen und städtischen Behörden, Nach der Schlüsselübergabe übernahm der Gemeindevorsteher, Heu Mainzer, den Hau mit Dankesworten an alle an der Schaffung der Anlage Beteiligten, Harmoniumspiel und Gemischte Quartette umrahmten die eindrucksvolle W eiherede des Ortsrabbiners, Herrn Hr. Kahlberg und die hebräischen Gebete. Unsere Gemeinde war durch Herrn Gemeindevorsteher Goldschmidt, Herrn stellv. Gemeindevorsteher S. Hodes und den Vorsitzenden der Chewa kadischa, Herrn Markendorf bei der Feier vertreten. Anläßlich derWelhefeier hat der V orstand der Synagogengemelnde Halle eine mit einer Reihe von Abbildungen der neuen Friedhofsanlage geschmückte Denkschrift veröffentlicht, die zugleich In großen Zügen über einzelne Zweige der (iemeindearbeil berichtet. Nach einer geschichtlichen Darstellung über „Jüdische Friedhöfe in Halle" (Hr. M. Felixbrodt), einer sachkundigen Würdigung „Her neue Friedhol BoelckestraBe" (Oberreg.-Baurat Dr. Ing. Mackowsky), behandeln: Justizrai Aronsohn: „Gemeindehaus und Jugendpflege", Max .Imishoff: ..Finanz- und Steuerfragen", Rabb. Hr. Kahlberg: „Her Religionsunterricht" und Max Sternield: „Fürsorgewesen". Vereinigung der Rabbiner im Freistaat Sachsen Die sächsische Rabbinervereinigung hielt am Sonntag, den 17. November, in Dresden unter V orsitz von Professor Winter eine Tagung ab. an der auch der Vorsitzende des Sächsisch-israelitischen Qemelndeverbands, Herr Rechtsanwalt Salinger, teilnahm. Die Sitzung befaßte sich in der Hauptsache mit rechtlichen und Standesfragen. So nahm mau Stellung zu dem neuerdings von der sächsischen Regierung erlassenen Verbot an die höheren Schulen, die Zeugt Isst über den jüdischen und katholischen Religionsunterricht in die Schulzensuren aufzunehmen. Ebenso wurde auch der Antrat der Deutschnationalen Volkspartei auf ein neuerliches Verhol des Schächtens und die daraus sich ergebende Situation besprochen. Die Frage der (iültitfkcit der Im Ausland geschlossenen indischen Ehen w urde auf Grund einzelner Vorkommnisse gleichfalls erörtert, ebenso auch die im neuen sächsischen Gesetz ober die Religionsge*ellchaften vorgesehene Einrichtung eines Disziplinargerichtshofes. Nach Schluß der Sitzung vereinigten sich die liberalen Mitglieder, um zur Frage der Einführung des neuen Einheitsgebetbuches sich schlüssig zu werden. Ein Beschluß wurde hier noch nicht gefaßt JÜDISCHER FRAUENBUND / ORTSGRUPPE LEIPZIG Donnerstag, den 12. Dezember, 20,30 Uhr in der Alten Börse Naschmarkt Referat: Frau Anna Neumann Gäste, auch Herren und Jugend, herzlichst willkommen! Ostjüdische Literatur