Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 48 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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20. November 1020 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 7 Wie wird gewähli? jadische VolKsportei Das Zeichen nur in den Kreis 4. nis bei ihnen. Ein jüdischer Knabe wollte sich einmal von einem kaiaitischen Jungen in der karaitischen Sprache unterrichten lassen. Als die Karaiten das erfuhren, verprügelten sie den jungen Lehrer. Sie wollen eben nicht, daß Fremde ihr Leben näher kennen lernen . . ." „Müssen sie auch ein Minjan (10 Leute) /um Gottesdienst haben, wie die Juden?" frage ich. „Nein. Minjan gibt es bei ihnen nicht. Am Sabbat und an den Feiertagen kommen sie in die Synagogen, knien auf dem Boden nieder und beten. Zwei bis drei Leute genügen." „Und kommen sie auch an den Wochentagen in die Synagoge?" „Einige kommen jeden Morgen. Die älteren Leute sind noch fromm, aber die Jugend betet nicht einmal mehr. Ihr könnt Euch die Synagoge ansehen. Es ist der ein/ige Ort, der ein karaitisches (iepräge hat." „Würdet Ihr nicht so gut sein, mich hin zu begleiten?" „Nein", gibt der Alte kurz zur Antwort, entschuldigt sich aber sofort: „Ich bin hier geboren, war aber nur einmal in ihrer Synagoge. Ein frommer Jude darf sie nicht betreten. Geht nur ein wenig die (iasse hinunter. Ihr werdet die Synagoge schon erkennen. Qerade trefft Ihr auch die Karaiten beim Beten." In einein Hof spielen Kinder Ball. Dabei spreeheu sie eine fremdartige Sprache. Jedes Kind wirft den Ball zehnmal und zählt laut: „Bir, iki, itz, hert, rest, alti, sigi, tuhus. im..." Die Kinder bemerken mich, unterbrechen das Spiel und betrachten mich neugierig. „Ist auch die Leichenbestattuug bei den Karaiten anders als bei den Juden?" frage ich meinen Begleiter. „Der Tod gab den Karaiten seit jeher viel zu schaffen", erwiderte er. „An einer Stelle der Bibel wird die Berührung eines toten Körpers als die größte Verunreinigung betrachtet. Die Karaiten nahmen nun dieses Gebot sehr genau und waren nur auf jüdische Leichenbestatter angewiesen. Diese liehen sich aber ihre Mühe sehr teuer bezahlen . . . Im Jahre 1839 starb Samuel Leonowicz, der Bruder des Chachams Josef leonowicz, ein wohlhabender und sehr geachteter Manu. Die Diener der „Chewra Kadischa" stellten damals eine sehr hohe Forderung. Dieses Vorgehen rief bei den Karaiten grolle Verbitterung hervor, und sie bestürmten den Chacham, daß er Rat schaffe. Der Chacham sah sich nun genötigt, zu erlauben, dal! die Karaiten selbst ihre Toten bestatten, doch sollten nur zwei Männer dabei beteiligt »ein. Und so ist es bis auf den heutigen Tag geblieben." „Glauben Sie au die Zukunft dieser eigenartigen Sekte?" Iragte ich. „Nein. Die Religion hat bei den Karaiten ihre Macht eingebüßt. Die gebildeten Karaiten, die sich früher mit hebräischer Literatur beschäftigten und denen die Bibel hoch und heilig war, schwärmen heute von fremden Sitten und fremden Kulturen. Zur ohnehin geringen Fruchtbarkeit gesellen sich das Junggesellen- und Jungfrauen«esen. Auch Obertritte zur christlichen Kirche sind nichts Seltenes mehr. Die Gemeinde wird rasch zusammenschmelzen. Der Chacham ist sich der Lage bewußt und sprach es schon einmal aus, daß den Mitgliedern der aussterbenden Gemeinde nichts übrig bleiben werde, als nach der Krim auszuwandern . . ." Jüdische H ö h 1 e u b e w o h n e r d e r S a h a r a. Im Qemeindeblatt der jüdischen Gemeinde, Berlin, erzählt Ernst von Hesse-Wartegg von jüdischen Höhlenbewohnern im Wik die Liste 3töe \iberale fortei!