Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 48 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S GEMEINDEBLATT DFR ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 4H Häuser / Hypotheken / Hausverwaltunsen rSTfl REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG £} UjBj LEPLAYSTRASSE 3 GEGRÜNDET 1907 FERNRUF 235 76 W organisierte jüdische Qemeinde mit einem Beth Diu in Ramleh, einige Wegstunden von Jaffa entfernt. Aber Juden pflegten Palästina nicht in größerer Zahl /u besuchen, bis schließ* lieh Saladin gegen Ende des 12. Jahrhunderts das Heilige Land wieder unter mohammedanische Herrschaft brachte. Von jener Zeit an wurden die Pilgerfahrten der Juden häufiger, aber der wirkliche Zustrom von Juden nach Palästina datiert erst von 1492, als viele der aus Spanien Vertriebenen sich dort ansiedelten und den Kern der gegenwärtigen sephardisehen Bevölkerung bildeten. Im ganzen darf man sagen, dali im Mittelalter die Reise nach Palästina mit soviel Schwierigkeiten verbunden war, dal! es von den Männern sehr rücksichtsvoll war, in den meisten Fällen ohne ihre Frauen dorthin ZU ziehen. Und es muß ferner betont werden, dal! in der Regel der Jude, der fortzog, um den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen, nicht daran denken konnte, seiner Frau zu gestatten, die Qefahren und die Anstrengungen des Weges zu teilen. Im Elul 114(> kehrte Simon der Fromme aus England, WO er mehrere Jahre gelebt hatte, zurück, er begab sich nach Köln, um von dort aus das Schiff heimwärts nach Trier zu nehmen. Auf dem Wege in der Nähe von Köln wurde er von Kreuzfahrern niedergeschlagen, weil er sich weigerte, die Taufe zu nehmen. Die jüdische Qemeinde in Köln kaufte den Leichnam von den Bürgern und begrub ihn auf dem jüdischen Friedhof. Von jüdischen Sekten Ka raiten in üa 1 izi e n. Die Sekte der Karaim oder Kanuten wurde im achten Jahrhundert von Onan ben David gegründet. Ihre Religion baut sich nur auf dem Wortlaut der Heiligen Schrift auf. Sic leugnen alle mündlichen Oberlieferungen, die der Talmud zur Grundlage hat, und leben mit den Juden in fortwährender religiöser Fehde. In Europa gibt es, aulier in der Krim, nur eine karaitische Gemeinde in Halicz am Dnjester. Halicz, die einstige Hauptstadt Ostgaliziens, ist heute eine unbedeutende O.tschatt mit verfallenen Lchmhü.tcn. Die Stadt befand ^ich lange unter russischer Herrschaft und hat im Kriege viel gelitten. Vor mehr als sechs Jahrhunderten, als Halicz noch eine bedeutende Handelsstadt war, siedelten sich hundert karaitische Familien au. Sie waren von der Judensteuer befreit und genossen alle Rechte, deren sich die Christen erfreuten. Als unter Kaiser Josef II. die Juden zum Militärdienst herangezogen wurden, wurde den Karaiten, denen der Gebrauch der Waffe untersag! ist, das Recht eingeräumt, bei der Sanität zu dienen. Heute wohnen in Halicz nur noch etwa vierzig karaitische Familien. Der hebräische Schriftsteller Ruhen Fahn gibt seine Wahrnehmungen so wieder: „Ich zögere eine Weile, ehe ich die (iasse betrete. Da kommt ein alter Jude des Weges, ich wende mich an ihn: „Ich bin hier fremd, da mich der Zufall hierher führte, möchte ich gerne die Karaiten sehen . . ." „Was i-t da zu sehen? Eine sonderbare Religion, weder Wolf noch Hund, Jude und ("brist zugleich", erwiderte der Alte. „Die Juden und Christen hier kümmern sich garnkht um sie." „Vielleicht könnt Ihr mir etwas von ihren Sitten und (iebrauchen erzählen?" frage ich. „Was i-t da zu erzählen? Es sind ganz merkwürdige Leute. Haben dieselbe Tora wie wir und halten doch nicht alle Gebote. Ihre Gebetbücher sind nicht, wie bei uns. Manche Abschnitte fehlen ganz. Purim wird geleiert, Chanuka nicht. Und so gibt es hei ihnen viele Verkehrtheiten", schließt der Alte. „Unterscheiden sie sich in der Kleidung von den anderen Einwohnern? Wie kann ich sie auf der Straße erkennen?" frage ich. „Dort links geht gerade einer." „Das ist ein Karaite?" rufe ich überrascht. „Der sieht ja ganz wie ein Bauer aus! Höchstens, daß ihn das verdüsterte und bärtige Gesicht unterscheidet. Erzählt mir doch noch etwas von den Karaiten . . „Man weil! nie, woran man bei ihnen ist, denn sie hüten sich vor den Anhängern anderer Religionen. Alles ist Geheim- ■Vahle die Liste 3-, [<S\z liberale Pdrfe/'/i