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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-11-22 · 47 (22.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
47 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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22. November 102« GBMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REUGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO Seite 9 JUDISCHER F R A U E N B U IM D O R T S G R U P P E LEIPZIG Montag, den 25. Nov., 16,30 Uhr in den Räumen der Leipzig-Loge, Arndtstr. 1 (anläßlich der Handarbeitsausstellung des Schwesternbundes der Leipzig-Loge) Das Referat beginnt punktlich zur angesetzten Zeit I Referat: Frau Hadassah Chamizer „Warum ich Jude bin?" Jüdische Verbände und Gemeinden Religion und Weltfriede Das Judentum innerhalb der Arbeltsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden Hie jüngst gegründete Arbeitsgemeinschaft der Konfessionell für den Frieden" veranstaltete am 16. Oktober in Merlin ihre erste öffentliche Kundgebung, die dem Thema „Religion und Weltfriede" gewidmet war. Das Hervortreten der Arbeitsgemeinschaft weckte einen ungewöhnlich starken Widerhall. Man darf es als einen Erfolg bezeichnen, der weit über die Grenzen Deutschlands hinaus von nachhaltiger Wirkung sein dürfte. Das „Berliner Tageblatt" nennt es „eine imposante Kundgebung, die sich zu einem mächtigen Appell der Kirchen an das Gewissen der Staaten gestaltete." Die katholische „Germania" schreibt: „Dieses erste Hervortreten der Arbeitsgemeinschaft bedeutet nicht nur für sie selbst, sondern für die Idee des Friedens schlechthin einen ungemeinen Erfolg." Innerhalb des zum ersten Mal herbeigeführten Zusammenschlusses des Katholizismus, Protestantismus und Judentums für praktische Friedensa rbeii fällt dem Judentum, als der Mutterreligion der beiden christlichen Bekenntnisse, eine bedeutsame Rolle zu. In seiner Eröffnungsansprache betonte der Ehrenpräsident des evangelischen „Weltbundes für Freundschaftsarbeil der Kirchen", Dr. thcol. h. c. Spiecker, daß die Arbeltsgemeinschaft auf dem Hoden der Bibel fülle und sich unter den Segen stelle, durch den (iott Abraham und seine Nachkommen zur gedeihlichen Friedensarbeil für alle Völker berufen habe. Den Vorsitz der Versammlung führte Oscar W a s s e r in a u n . Direktor der Deutschen Hank, Präsident des „Jüdischen Friedensbundes". In seiner Rede führte er aus, daß ungeachtet aller Unterschiede die Religionen auch ein Gemeinsames haben, das geeinte Arbeit ermögliche. Angesichts der Vernichtungsgefahr, die die neue Art der Kriegführung für die ganze Menschheit bedeute, ist es Pflicht aller Bekenntnisse, sich in entschiedenster Weise für den Frieden einzusetzen. Die Religion übersieht nicht die Bedeutung der politischen und wirtschaftlichen Momente: sie selbst aber appelliert in erster Linie an das Herz und das (ie wissen. Unter den Rednern, die die Stellung der einzelnen Bekenntnisse zum Weltfrieden beleuchteten, wie Prälat Lichtenberg, der Dominikaner-Pater Franziskus St rat mann und Pastor Dehn, trat Rabbiner Dr. Leo Hacek als erster mit einem Referat „Das Judentum und der Weltfriede" auf. Wenn die Friedensliebe heute im Wesen des Judentums unlösbar wurzelt, so ist das ein Ergebnis jahrtausendelanger Erziehung. Für das Judentum war der Friedensgedanke nicht eine blofte Schwärmerei, ein Ziel ohne Weg. eine „Musik ohne Werke". Es war eine Verheißung, aber gleichzeitig ein Gebot, eine sittliche Aufgabe. Der Friede ist für das Judentum ein Weg der Opfer, der Hingebung um des Zieles willen, daü die Menschheit die höchste ihr vorgezeichnete Entwicklung erreiche. Dr. Alfred Nossig, der Vorsitzende des Arbeits-Ausschusses des Jüdischen Friedensbundes, entwickelte in seinem Referat „Religion und Politik" das praktische Arbeitsprogramm der neuen interkonfessionellen Organisationen. Der Weg für die praktisch-politische Betätigung der Religion ist heute frei. Ihre Aufgabe ist es, den Dauerfrieden herbeizuführen durch Erziehung der Erwachsenen und der Jugend, durch Hildung einer weltumspannenden Arbeitsgemeinschaft der Völker für den Frieden, durch Ausübung eines unwiderstehlichen moralischen Druckes auf Parlamente und Regierungen, durch Schaffung nicht zu erschütternder moralischer Sanktionen für den Frieden. Als eines der Ziele der praktischen Friedenstätigkeit der Religionen bezeichnete der Redner die Lösung des Palästina- Problems. Das Heilige Land dreier Bekenntnisse muß ein ewig neutrales Gebiet werden, das von niemandem angegriffen werden kann und in dem keine inneren Waffenkämpfe stattfinden dürfen. Ein Reich (iottes, wird es sich als stärkster Hebel des Weltfriedens betätigen. Der mächtige Eindruck, den die Kundgebung hervorrief, erklär! sich vor allem durch die Tatsache, daß während des ganzen Verlautes derselben ein vollkommen harmonisches, ja herzliches Verhältnis der drei Bekenntnisse zutage trat. Das Motto der Arbeitsgemeinschaft „Durch den inneren Frieden zum Aetißeren" hat sich Iiier in in eindrucksvoller Weise bewahrheitet. Jüdische Studierende in Deutschland Auf (irtiud der Mitteilungen der offiziellen preußischen „Statistischen Korrespondenz" stellt A. Mahler im „Israelitischen Pamlllenblatt" Betrachtungen über die jüdischen Studierenden in Deutschland au. Im Sommersemester 1929 waren an den deutschen Hochschulen unter einer Gesamtzahl von 12,i7oo Immatrikulierten Hochschulstudierenden 4(i42 jüdische Studierende, und zwar ,154'> männliche und 1093 weibliche. Von diesen entfielen auf die Universitäten 3921 (2880 männliche und 1033 weibliche!. Die Zahlen für das Winterhalbjahr 1928/29 lauteten: Gesamtzahl aller jüdischen Studierenden 4336 unter 11.10-12 Studierenden überhaupt. Unter den 3921 jüdischen Universitätsstudiereiideu des letzten Sommerhalbjahres befaiuk sich S55 Reichsausländet (0S5 männliche und 17(1 weibliche*. Es studierten nach Gruppen von Studienfächern und nach dem Geschlecht: Rechts- und Staatswissenschaften 1065 männliche und 1W) weibliche. Volkswirtschaftslehre 139 und 60, Betriebswirtschaftslehre 78 und N. Allgemeine Medizin und Zahnhellkunde 953 und Ass. Tierheilkunde 1. Philosophie und Pädagogik 100 und .1". alte und neue Sprachen sowie Germanistik 15'' und 165, Geschichte und Geographie 74 und 33, Mathematik und Physik 95 und -14, Chemie 100 und 33, Landwirtschaft 22 sowie schließlich „sonstige Fächer" 96 und SO. Das Herufsziel Rabbiner gaben 40 Studierende an. Für die von den jüdischen Studierenden gewählten Universitäten ergeben sich folgende Zahlen: Berlin 1177 (S<>.1 männliche. 314 weibliche). Bonn 192 (1.17 und 55). Breslau 287 (22l> und 58), Frankfurt am Main .157 (271 und 86), (iöttiugen 42 (2>J und 1.1). Qreifswald 7 (O weibliche), Halle 20 (22 und 4). Kiel 14 (•) und 5). Köln 211 (I7ll ^f\imi'iifliilv jJofepfiine ydimiclt i:trniprechtr 25917 Letzte Neuheiten für Herbst und Winter Uipnig, Thomaskirchhof13 Aparte Schirme, Neuartige Tücher, Taschen, Ketten usw. fmmmw im -Murin Bit*

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