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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-11-08 · 45 (8.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
45 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 49 ESügg^ggite Sächsische Gemeinden Simon Schocken (Zwickau) tödlich verunglückt Von einem ungemein schmerzlichen Verluste ist neben der Familie Schocken die Religionsgemeinde Zwickau, unser sächsischer Qemeindeverband, la man kann sagen, das deutsche Judentum betroffen worden: Simon Schocken, der Seniorchef der Firma J. Schocken Söhne und der Kommanditgesellschaft Schocken In Zwickau ist bei einein Autounfall tödlich verunglückt. Oer verstorbene Herr Simon Schocken hat es mit seinen Brüdern verstanden, das verhältnismäßig kleine Stammhaus L'ry Schocken In Zwickau zu einem bedeutenden Warenhauskonzern mit großen Filialen in sächsischen, bayrischen, württembergischen und preußischen Oroß- und Mittelstädten auszubauen und den Kroßen Ruf des Hauses Schocken ZU begründen. Fr betätigte sich auch intensiv am religiösen und sozialen Leben des deutschen Judentums und war seit Gründung der .Indischen Gemeinde Zwickau vor 18 Jahren erster Vorsteher dieser Gemeinde. Kr war Mitglied des Pro-Palästina-Komitees und des deutschen Initiativkomitees für die Jewish Agency und wandte größere Summen dem Palästinaaufbauwerk und dem jüdischen Wohlfahrtswesen zu. Fr unterstützte das Siedlungswerk des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und das Chaluzwerk, indem er einen Kroßen Teil seines Privatgutes der Ausbildung jüdischer Siedler zur Verfügung stellte. Hie Beerdigung fand am Montag, dem 28. Oktober, nachmittags 14.30 l'hr. von der Halle des Friedhofes der Adass-Jisroel-tiemeinde in Merlin-Weißenset unter Kroßer Beteiligung führender jüdischer Persönlichkeiten statt. L'm 17 Uhr nachmittags wurde Im Meistersaal eine Trauerfeier abgehalten. Annaberg. AbscIredVeier für Rektor Saphra Am 31. Oktober verabschiedete sieh Herr Rektor Saphra von seiner Gemeinde. Freundliche Hände hatten Altar und Kanzel mit Blumen geschmückt. Vollzählig hatte sich die Gemeinde eingefunden, Um zum letzten Male den Worten des langiätirigen geistlichen Führers zu lauschen. Dieser führte in oft von Rührung unterbrochener Pede .ms wie Kern er noch Im Amte geblieben wäre, wie aber das Schicksal es anders gewollt hätte. Wie sein Herz voll wehmütiger Trauer erfüllt sei nach fast SOlähriger Dienstzeit, von der Stät'c s-ines 30 jährigen W irkens zu scheiden, von seiner Gemeinde, mit der er so viele Jahre in Freud und Leid verbunden gewesen sei. Fr entbot seinen Abschiedsgruß der ganzen Gemeinde, Jung und Alt, Groß und Klein, den würdigen Männern des Vorstandes, besonders aber dem überaus pflichtgetreuen und vorbildlichen Vorsteher der Gemeinde, Herrn J. Chan a n g e, dem er die größte Verehrung und Anerkennung zollte und sprach zum Schluß den Priestersegen aus, den die Versammlung stehend anhörte. Darauf ergriff Herr Stadtrat J. Chadas Worl und dankte dem Scheidenden für pj'es WPS er der Gemeinde w&hrend der M> Jahre releistet hatte. Mich für seine hilfsbereite Mitarbeit Im Verein für jüdische Literatur, dessen Gründer und Ehrenmitglied er war. und in dem er zahlreiche Vorträge gehalten hatte und überreichte ihm eine wertvolle Ehrengabe. Auch von Selten der christlichen Kollegen wurden dem Emeritus begliche Absoh'edsgrüße zuteil, und alle gipfelten in dem Wims-he. daß ihm noch ein langer sonniger Lebensabend im Kreise seiner Kinder beschieden sein niö'.'e. Pektor Sa nhra ist auch über seinen Wirkungskreis hinaus als Esperantist bekannt. Au' zahlreichen Kongress<»n hat er die synalen Feiern geleitet und die Esperantopredigt gehaiicii. Unsere Gemeinde Unterstützt die sabbathaltenden Arbeitnehmer! Die Bundesleitung des Angestelltenbundes „Agudas Jisroel" versendet einen Aufruf, dein wir nachfolgende beachtenswerten Attsführungen entnehmen: „In ernster Sorge um die Zukunft der sabbathaltenden Arbeitnehmer aller Berufe wenden wir uns erneut an Sie mit der Bitte, uns in noch erhöhteretn Maße wie bisher zu unterstützen. Zahlreich sind unsere Klagen: Wir beklagen, daß noch immer sabbathaltende Finnen die sabbathaltcnden Stellensuchcnden bei Besetzung von Vakanzen in keiner Weise berücksichtigen. Wir beklagen, daß Betriebe, die durch „Rabblnatsaufsicht" ein Monopol liaben (Lebensmittelgeschäfte, Hotels, Restaurationen) in nur sehr geringem Ausmaße jüdisches Personal einstellen. W ir beklagen, daß die jüdischen Gemeinden bei Vergebung ihrer Aufträge noch immer nicht ausreichend jüdische Handwerker berücksichtigen! Wir hekIi-Ken auf das Allermeiste, daß gesetzestreue Arbeitgeber ihre Ar-gestellten untertariflich bezahlen und dadurch die Notlage der Sabhathaltenden ausnützen. Wir heklrgen, daß jüdische Arbeitgeber auf die religiösen Belange der Arbeitnehmer keine Rücksicht nehmen, während man in dieser Hinsicht gegenüber dem nichtifldlschen Arbeitnehmer überaus tolerant ist. Die meisten Betriebe schließen am Freitag erst nach Synagogenbeginn und öffnen am Samstag so früh, daß es dem gesetzestreuen Arbeitnehmer unmöglich ist, den Gottesdienst zu besuchen." Vorträge des Herrn Rabbiner Dr. Goldmann Herr fietneinderabbiner Dr. F. (ioldmann wird an mehreren Abenden über „Begriff und Wesen einer jüdischen Kultur" sprechen. Der 1. Vortrag „Was ist Kultur?" findet am Mittwoch, dem 13. November, pünktlich 20,30 Uhr im Saale des jüdischen Jugendheims, Uhtversitätstraße 24. statt. Fintritt frei. Veranstalter sind der Jung-Jüdlsche-Club, zugleich für den lüd. Jugendring, Leipzig. Näheres unter „Vereinsnachrichten". Neues Fauenleben in Palästina Uber „Neues Frauenleben in Palästina" sprach am 2i>. Oktober FrPU Dr. Marie Mayer, Herlin. vor einem zahlreich erschienenen Auditorium. Ein sehr erfreuliches Moment zeigte sich in der regen Anteilnahme eines Teiles der Anwesenden, die bis jetzt den Palästina- Problemen indifferent gegenüberstanden. Die Rednerin schilderte, wie Palästina die Berufsumschichtung auch der eingewanderten Frau bewirkt. Das Betätigungsfeld, dem sich zahlenmäßig die meisten Frauen zuwenden, ist die Landwirtschaft, an zweiter Stelle steht die Hauswirtschaft und das Qastwirtsgewerbe, und an dritter Stelle die Mitarbeit der Frau in industriellen Betrieben (Schneidercigewerbe mit eingerechnet), staatlich eingerichtete Lehranstalten für alle diese Berufe bestellen nicht, so ist es Aufgabe der Fraiienorganisationen in der Diaspora wie in Palästina, für Ausbildungsmöglichkeiten zu sorgen. Die Wizo unterhält die landwirtschaftliche Schule für Mädchen In Nahalal, die Haushaltsschule .Hostel" in Tel-Awiw wird von der Hlstadnith Naschiui (Frauenbund in Palästina) geleitet, welche auch WanderlehrTinnen Häuser s Hypotheken ✓ Hausverwaltunsen REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG LEPLAYSTRASSE 3 GEGRÜNDET 1907 FERNRUF 235 76

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