Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 45 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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s. November 1929 GEMKINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGF.MF.INDE ZU LEIPZIG Seite 3 W ürde, diu dem Menschen den wahren Wert in der Gesellschaft und vor sich selbst «ab. Geehrt war vor allem der Thorakundige. Man braucht Kar nicht erst weit in der (ie- SChicbte ziirückzublattern und als Beweis dafür vielleicht den weisen aber bettelarmen Hillel herauszusuchen, der dem Judentum so unendlich viel «ab und im Judentum eine immense Bedeutung hat. Es genügt schon, wenn ich mich an die Tage meiner Kindheit im kleinen russischen Städtchen erinnere und daran denke, was für einen gewaltigen Respekt ledermann vor dem alten Rabbiner und den anderen Thoragelehrten, deren es doch so viele «ab. gehabt hat. obwohl sie sicherlich zu den Ärmsten im ganzen Städtchen gezählt wurden. Auch war die Lehre und die Wissenschaft im alten Juden- Tätigkeit der Dahrlehnskasse der Anläßlich des 5|ährigen Bestehens der Darlehnskasse der israelitischen Religion sgemeinde /n Leipzig lassen wir eine Uebersicht über die Arbeit der Darlehnskommlssion folgen. Aus der Erkenntnis heraus, daß die Jahre der Nachkriegszeit das Wirtschaftsleben im allgemeinen und das indische Insbesondere schwer Beschädigt haben, sollte die Einrichtung der Darlehnskasse zur produktiven Fürsorge beitragen. Die Auigabe war, die durch die Entwertung gefährdeten Existenzen zu erhalten und den Geschädigten zur wirtschaftlichen Selbständigkeit zu verhelfen. Oie außerordentliche Wichtigkeit und Notwendigkeit der Kasse für die jüdische Bevölkerung Leipzigs lälit sich leicht aus der ansteigenden Zahl der Gesuche sowie der ausgeliehenen Ueträge erkennen. Im Jahre 1024 wurden erstmalig im Haushaltplan M. 20000 zur Verleihung von zinslosen Darlehen ausgesetzt. In den Jahren 1926 und 1027 ist eine Weiterbewilligung von ie M. iiiihhi erfolgt Im Jahre 1928 wurden ferner M. 20000 bewilligt, so daU der Darlehnskasse heute ein (iemcindckapital von 60000 M. zur Verfügung stein, sowie ein weiteres Kapital von M. 6110, welches ans Schenkungen herrührt. Die geringen Hingänge aus Schenkungen halten leider die anfänglichen Hoffnungen der Kommission stark enttäuscht, obwohl feststeht, dall die Darlehnskasse sich der grollten Sympathie aller Qemelndemitglieder erfreut. Da die Darlehen durch Bürgschaften gedeckt sind, ist sie die einzige Institution, die stets auf die Rückzahlung der ausgegebenen Gelder rechnen kann. Die ROckzahlungsbedingungen sind so bemessen, dall die Schuld innerhalb eines Jahres durch regelmäßige, wöchentliche Teilzahlungen getilgt wird. Obwohl die Bürgen sich durch ihre I;nterschriften tum Sache des g a n /. e n Volkes, jedem zugänglich und jedem Ehre verleihend im Gegensatz zum heutigen Zeitalter, wo die Wissenschaft nur Angelegenheit det Reichen Ist, welche imstande sind, ein Studium von vielen Jahren auf der Universität zu bezahlen. Die Armut an Gütern war im alten Judentum stets vorhanden, aber die Persönlichkeit und die Lebensfreude brauchte nicht beeinträchtigt zu werden, denn Proletariat im geistigen und sittlichen Sinne w ar im Judentum so gut wie unbekannt. Erst durch das Bagatellisieren des Thorastudiums und durch die Devise „Religion ist Opium für die Menschheit" ist der Unterschied zwischen reich und arm so kraIi geworden. Der Unterschied wird noch krasser werden, wenn der Thora nicht die Geltung wiedergegeben wird, die sie verdient. isr. Religionsgemeinde zu Leipzig verpflichten, bei einem Rückstand von vier Teilzahlungen den Gesamtrestbetrag sofort zu begleichen, vermeiden wir möglichst die Inanspruchnahme der Bürgen. Wir möchten aber besonders an dieser Stelle darauf hinweisen, dall nur pünktliche Rückzahlung die glatte Abwicklung der Darlehnssache ermöglicht, denn nur im Rahmen der Hingänge können neue Auszahlungen erfolgen. Besonderen Dank für ihre unermüdliche Tätigkeit gebührt den Herren der Kommission. Nur deren umsichtiger und vorsichtiger Arbeit ist es zu verdanken, dall die Kasse bis ietzt keine Verluste zu verzeichnen hat. Die Kommission, die sich aus den Herren Siegmund Gottlieb als Vorsitzenden. Dubiuer, Tingländer. Joske und Marcus Zusammensetzt, kann mit Befriedigung auf ihre segensreiche Tätigkeit zurückblicken. Nachstehend die ziffernmäßige Lebersiebt über die Tätigkell bis /um 31. März 1929, Wie sich daraus ergibt, konnten erfreulicherweise die eingegangenen Gesuche in steigendem Malle berücksichtigt weiden, so dall nur noch eine kleine Anzahl abgelehnt werden muBtc. Taue Ablehnung erfolgt nur. wenn keine Aussicht besteht, dall mit dem Darlehen geholfen wird, oder wenn nicht genügende Sicherheit für die Rückzahlung geboten wird. Wenn die Darlehnskasse ihren wirklichen produktiven /.weck weiter erfüllen und zur wirtschaftlichen Stärkung des jüdischen Mittelstandes beitragen soll, ist der weitere Ausbau unbedingt erforderlich und kann nur geschehen, wenn unsere Gcineindenütglicdcr uns hierbei ihre Hilfe angedeihen lassen. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeindc zu Leipzig. Ziffernmäßige Übersieht über die Tätigkeit der K a p i t a I / ti w e n d tt ngen D1 r I e h e n von der Gemeinde aus Schenkungen Ausgegeben Rückzahlung mi t ri RM 20 001). RM 100 RM 11 995. - RM 1 OtX). 1025 J(i RM — RM 3310. - RM 29960. RM Ki 40130 1 <)•_>(> 27 RM KKXH). RM 500. - RM 18993.50 RM 33 448.67 1927/28 RM in ooo RM - RM 57608.50 RM 4158833 1928/29 RM 5 000. RM 2000.- RM 65 851.- RM iiO 416. RM 45IKHI RM t>110. - RM 201 IOS. - RM I ii 754.50 Dar leb nsgesuche Bewilligt Abgelehnt 1924 25 25 28 1025 26 80 96 1020 27 9«) 4<> 1<)27 28 m 29 1928 29 in 29 132 22S iskasse in der Zeit von 1421 bis zum 31. März \')2<h lIbers!cht über die DirIehcn Ausgeliehen vollständig zurückgezahlt 2 ä 100. . . RM 200. 2 ä 100. . . RM 200. 4 ä 150. . . RM 600. 4 ä 150. . . RM (>l Kl. 1 ä 163. . . RM I(>3. 1 ä 163. . . RM 163. 1 ä 175. . . RM 175. 1 ä 175. . . RM 175. .Kl ä 21 Kl. . . RM (i 000. 25 ä 200. . . RM 5000, III ä 250. . . RM 2 500. »< ä 250. . . RM 2 250. 71 ä 300. . . RM 21 300. 60 ä .11 Kl. . . RM IS (Hill. 1 ä 370. . . RM 370.- 1 ä 370. . . RM 37(1. 74 ä 41 Hl. . . RM 29 oi ki. 63 ä 41 Kl. . . RM 25 200. 171 ä 500. . . RM SS 500. 114 ä 500. . . RM 57 000. 23 ä 600. . . RM 13 900. 5 ä 600. . . RM 3 000. i> ä 71 Kl. . . RM 4 2i K). 1 ä 7lKI. . . RM 700. 20 ä 750. . . RM 15000. 0 ä 750. . . RM 4 500. III ä 800, . RM BODO. l ä 800. . . RM SOII. 17 1000. . . RM 17 ooo. .1 ä IIKKI. . . RM 3000, 440 RM 204 4i IS. 2<>5 RM 120958. T ingln gf \ USge i e Ii e n von der (iemeimle . . . RM 45 000.- 1 tariehen . . . RM 204 40S. - .ms Sehen klingen . . . RM () 110. - Kassenbestand 1 taulehnsrückzahlungen RM 155 754230 am 11. 1.1020 RM 2 150.50 RM 200 804.50 RM 200 804 50