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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-11-01 · 44 (1.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
44 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLAT'l ÜEK ISRAELITISCHEN KKLIGIONSGIiMBINUH ZU LEIPZIG Nuninier 41 52 Wochen oder .?(>-! Tage, dazu kämen ein, im Schaltjahr zwei, „weilte" Tage, die als Wochentage nicht mitzählten, so daß, wenn die Kalenderreform /. B. Sonntag, den l, Januar 1933 begänne, auch alle folgenden Jahre mit Sonntag anfingen und, abgesehen von den wellten lagen, mit Samstag endigten; ferner jedes Jahr und jedes Quartal gleichviel Wochentage hätte und jedes Jahres- bzw. Monatsdatum ev ig auf den gleich e n \\ o c Ii e n t ag fiele. Hie große Erleichterung aller Berechnungen und Vereinfachung aller wirtschaftlichen Vorausbestimmungen liegt aui der Hand. Die Schwierigkeit liegt, wie wir bald sehen werden, wo anders. Die dritte Gruppe, die wohl die umwälzendsten Vorschläge macht und darum anscheinend dem Völkerbund nicht sehr sympathisch ist. hat gleichwohl am meisten Aussicht, ihren Vorschlag durchzusetzen, weil ihre Anhängerschaft in den Vereinigten Staaten sitzt, am entschlossensten und wirtschaftlich am stärksten ist, so daß man drüben Miene macht, den neuen Kalender einfach einzuführen und damit die Frage praktisch zu entscheiden. Nach diesem Kalender soll das Jahr 13 M 0 n a t e z u 28 T age n, a 1 so 304 T a ge p 1U s 1 oder J weißen l agen besitzen. Die Rechnung nach Quartalen oder Semestern müßte dann zwar wohl aufhören, weil 13 weder durch 2 noch durch 4 (noch durch eine andere Zahl) teilbar ist. Es wären aber alle Monate von gleicher Länge, all e M 0nat e hätten gleich viele volle Wochen-, Arbeits- und Feiertage. 1 tennoch sind die Vorschläge der zweiten und dritten Gruppe für uns Juden so. wie sie gemacht werden, absolut unannehmbar, weil sie den Sabbat zu zerstören drohen. W ährend nämlich nach den letzten Vorschlägen die Zählung der Wochentage am letzten rage des Jahrs, dem weißen Tag, ruhen soll, so daß z. 13. nach dem letzten Vorschlag auf Samstag, den 28. Tag des 13. Monats 1933 (den 364. Tag des Jahres) ein weißer Tag ohne Datum und W ochentagscharakter und dann erst der Sonntag, der 1. Januar 1934 folgt, müssen wir Juden auf Grund des Sabbatgebotes an der absolut unveränderlichen Sie- I) e n t a g e w o c h e festhalten, und zwar tun das a 11 e J u d e n in der Welt ohne Unterschied der religiösen Schattierung Ja auch eine jüdische oberste Kirchenbehörde könnte niemals den'Sabbat verlegen. Wir müssen also den weißen Tag mitzählen und zwar als Sonntag. Sonntag, der 1. Januar 1934 wäre für uns Montag; Freitag, der 7. Januar wäre Sehabbos, Samstag, der N. Januar wäre für uns Sonntag ebenso Samstag, der JN. Tag des 13. Monats. Der weiße Tag 1934 wäre dann für uns Montag. Sonntag, der 1. Januar 1935 Dienstag: Donnerstag, der 5. Januar Schabbos. Der verehrte Leser entschuldige, wenn ich ihn etwas in Verwirrung bringe. Ich will gerade zeigen, wie groß der neue Kalendervorschlag die Verwirrung bei uns machen müßte. Jedes Jahr fiele nämlich Schabbos aui einen andern Wochentag; 1934 aui Freitag, 19.35 auf Donnerstag, 19.36 auf Mittwoch. 1937 auf Montag (wegen des Schaltjahres zwei Tage Differenz!), 1938 auf Sonntag und erst 1939 wieder auf Samstag. Die Schüdig u n g der Sabbatfeier und darüber hinaus des Sabbatgedankens in unseren Reihen wäre unabsehbar. Darum haben die großen laudsmannschaftlichen Vereinigungen der Juden, vor allem der amerikanischen, englischen, französischen Länder, gegen alle bisherigen Reformvorschlage Stellung genommen, ebenso hat sich die Arbeitsgemeinschaft der Europäischen Distriktslogen U. 0. 13. B. Mitte August mit aller hntschiedenheit gegen sie ausgesprochen. Auch eine Sondervereinigung gegen die Kalenderreform bestellt, geführt von dem britischen Reichsrabbiner Herl/. (London), dem Großrabbiner Israel Levy (lJaris), den Rabbinern Fürst (Wien) und Levenstein (Zürich) und dem bekannten Politiker und Schriftsteller Luden Wolf (London). Sie ist vor allem bei der Yölkerbundskoinniission in Genf in diesem Sinne tätig und bemüht sich außerdem, die Oeffentlichkeit der ganzen Welt aufzuklären. Dennoch sind die Aussichten sehr gering. Denn das nordamerikanische Nationalkonütee für die Kalenderreform hat dem Staatsdepartement zu Washington einen Bericht zugunsten des 13 Monate-Jahres erstattet, seit Mitte August ist derselbe Kalender in großen nordanierikanischen Betrieben bereits eingeführt, und eine Reihe von amerikanischen Großbanken will nächstes Jahr folgen. Nor ganz kurzer Zeit brachten die Zeitungen sogar die Nachricht, daß die Regierung der Vereinigten Staaten dem Völkerbundssekretariat den Bericht des amerikanischen Nationalkomitees für die Kalenderreform „eingesandt", d. h. so gut wie empfohlen hat. W as aber eine Empfehlung der Vereinigten Staaten für den Völkerbund bedeutet, ist uns allen klar. Eine weitere Entwicklung nach dieser Richtung könnte nur durch einen neuen Vorschlag verhindert werden, der unter Schonung des Sabbats doch alle Vorteile des erwähnten Dreizehn-Monate-Jahres böte. Dafür bestellt wenig Hoffnung, ohschon es an Vorschlägen nicht fehlt. Unseres W issens ist nur ein einziger solcher Vorschlag überhaupt diskutabel, das ist derjenige des Hamburger Genieindesyndikus Dr. N. M. Nathan in der diesjährigen Januar-Nummer des Gemeindeblattes der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg. Er schlägt Jahre von 13 X 28 364 Tagen vor. Die weißen Tage sollen aufgespart und, sobald sie eine Woche ergeben, also nach 6 oder (wenn 2 Schaltjahre der bisherigen Art in diese Spanne fallen müßten) nach 5 Jahren zu einer Schaltwoche, einer weißen Woche vereinigt werden. Es ist leider nicht sehr wahrscheinlich, daß man die Unregelmäßigkeit, die dadurch jedes sechste oder fünfte Jahr erleiden müßte, in Kauf nehmen wird, um den jüdischen Sabbat zu schonen. Dennoch müßten alle Bemühungen darauf gerichtet sein, den Nathanschen Vorschlag erst einmal diskutieren zu lassen. Es könnte sein, daß auch christliche Kreise sicli ihm anschlössen, die den kontinuierlichen Sonntag nicht opfern wollen. Auch hat der Papst noch nicht gesprochen. Darum ist die Hoffnung auf eine Regelung, die den jüdischen Notwendigkeiten ebenso entspricht, wie allen andern, noch nicht ganz geschwunden. II. Kenessio Gedaulo in Wien Zu unserem in Nr. 38 veröffentlichten Bericht über die 2. Kenessio Gedaulo in Wien trauen wir noch folgende Einzelheiten nach, die weitere Kreise interessieren dürften. Zur A k u not h- Frage: Der Weltbund jüdischer Frauen tiut sich an den Rabbinischen Rat der Adulas Jisroel mit der Mine gewandt, sieh mit der Reform des jüdischen F.hcrcchts zu befassen, und eine besondere Behörde einzusetzen, an die man sieh in LMiebindungs- und Ehetrennuncsangelegenheiten, wie aueh in Fragen der Agnnotfa (von ihren Männern verlassene Frauen) wenden könnte. Am tragischsten ist die Lage jener Agtinoth, deren Männer im Kriege und bei anderen Wirren verschollen sind. Das Kehlen des Ernährers, verbunden inii dui Unmöglichkeit, sieh wieder zu verheiraten, untergrabt die materielle Existenz und in erschreckend vielen Fallen auch die Moral dieser alleinstehenden Frauen. Der Rabbinische Rat hat eine besondere Kommission gewählt, die mit der in Wien erschienenen Delegation des Weltbundes jüdischer Frauen über diese Angelegenheiten verhandeln soll. Die Delegation des Frauenweltbundes besteht aus Frau Dr. Eschelbacher (Berlin), Mili Hunds (London) und Frau Martha Mondy (Wien). Der Rabbinische Rat hat der von ihm eingesetzten Kommission auch aufgetragen, Mittel und Wege /um Schutze der jüdischen Mädchen, /.ur Bekämpfung des Frauenhandels und zur Förderung der Zivilehe bei religiös geschlossenen Ehen zu Briden. Die Frage der Agunoth wird einer speziellen balachischen Kommission übergeben werden. Die Despreehungcn tulirtcn zu

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