Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 44 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4876568-5968790-5969121--2771-4880337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i. November 1929 GEME1NDF.BI.ATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 einem Resolutionsantrag des Rabbinischen Rates, der in der Vollver- «ammlung zur Verhandlung kam; der Antrag besagt: Die Agunoth- Prage ist von Oberragender Bedeutung: es glltdle Wahrung der Helligkeit der jüdischen Ehe. Der Rabbinische Rat ist bereit, bei allen Ihm vorgelegten Fällen mitzuwirken an der Erforschung aller vom ludischen (leseti gegebenen Möglichkeiten, den verlassenen Frauen ein Ihnen vorenthaltenes Rcchl zu verschaffen und Ihnen die Freiheit wieder- EUgeben. Es sollen geeignete Maßnahmen getroffen werden, um die Vornahme von Eheschließungen durch Unberufene zu verhüten. Schutz der I 0 d 1S c h e n rituellen S c h ä c h 1 u n g. Die Kenesslo Qedaulo nahm eine Resolution an, in der gegen die in einigen Ländern bestehenden Verbote der iiidischen Schichtung und gegen die Propaganda gegen die Schichtung protestiert wird. Sabbath-Sc h u t r. Es wurde die Inangriffnahme von Maßnahmen moralischer und wirtschaftlicher Natur zur Erleichterung der Sahbath-Haltung in den breiteren iiidischen Schichten vorgeschlagen. Die Vorschläge beziehen sich auch auf die Befestigung der Positionen der religiös gesinnten iiidischen Arbeiterschaft in von luden geleiteten Unternehmen sowie auf Erleichterung der Kreditgewährung an jüdische Kaufleute. Ferner soll das Bestreben darauf gerichtet sein, eine Mfigllchkeit der Sonntagsarbelt zu erwirken. Jüdische Arbeiter und Angestellte, die am Sabbath ruhen, sollen au Wochentagen Ueberstundenarbeil leisten, in allen diesen Angelegenheiten soll die Agudas lisroel mit dem Weltverband Schomre Schabbos in Herlin zusammenarbeiten. Das Judentum in Rußland. fTin aus Rußland angesagter Delegierter, der Infolge plötzlicher Erblindung zur Tagung nicht erscheinen konnte, appelliert an die Kenessio Qedaulo, dem um seinen geistigen Bestand schwer ringenden russischen Judentum eine aufmunternde Teilnahme zu bezeugen. Daraufhin nahm die Kenessio Qedaulo einmütig die folgende Resolution an: :\) Die Kenessio Qedaulo beauftragt den geschäftsführenden Ausschult, eine Mündige Kommission zu bilden, welche die religiösen Notwendigkeiten der thoratreuen Kreise in Sowjetrußland studiert und im Rahmen der Möglichkeiten der Sowjetgesetzgebung sie betreut. b) In der klaren Erkenntnis, daß eine Protestresolution zum mindesten zwecklos ist, erklärt die Kenessio Qedaulo: Ganz. Israel le>det unter den Religinnsverfnlgungen, denen unsere Brßder und Schwestern nicht so sehr durch die zentralen Stellen als vielmehr durch das Verhalten der Mitglieder lewrela sekziia, ausgesetzt sind. Wir beten zum Allmächtigen, daß er das tapfere Herz und den unbeugsamen Willen unserer Hriidcr und Schwestern stärke, damit sie in dieser furchtbaren Not der Seele in diesen harten Kämpfen ausharren. Whaschem zwoaus iogein aleihem. Wir beugen uns in Ein [nicht vor diesen Helden, die eine geschichtliche Aufgabe sondergleichen in beispielloser Hingabe erfüllen. Wir beten in der Hoffnung, dall auch in diesem Laude sich die Einsicht bahnbreche, dal! auch Israels thoratreue Kinder ledem Staate wertvolle Glieder sind. c) Kenessio Gedattlo verlaust von der Agudah-Leitung, dal! sie alle legalen Mittel anwendet, damit denen, die aus Notwendigkeiten des Gewissens heraus auswandern möchten, diese Auswanderung gestaltet werde, und daß Agudatl diese Emigranten mit Rat und Tat unterstützt." Auf Antra« von Dr. Plnchas Kohn wurde die Leitung der Welt- \gudah beauftragt, die Fräse des Judentums in Rußland stets in einer zweckmäßigen Weise zu behandeln. Zu den blutigen Ereignissen in Eres Israel. Die Kenessio Gedattlo faßte folgende Resolution: 1. Die zweite Kenessio Gedaulo der Agudas lisroel gibt ihrem tiefsten Schmerz über die letzten Ereignisse in Palästina Ausdruck. Sie erhebt Protest nicht nur gegen die eigentlichen Verbrecher, sondern auch gegen alle dielenigen, welche durch Nichterfüllung ihrer Pflleht mittelbar das Unglück verschuldet haben. 2. Die Kenessio Qedaulo protestiert aufs schärfste gegen jeden Versuch, die iahrhundertalteu Rechte des iiidischen Volkes an der Kotel Maarawi Irgendwie ZU schmälern, der Wand, an welcher seit vielen Generationen das iüdlsche Volk in heißen Tränen sein Gebet zu Gott ergießt. Die Kenessio Gedaulo erklärt, daß der Versuch, den bisherigen Rechfs- ZUStand des iiidischen Volkes an der Kotel Maaraw i zu verschlechtern, den schärfsten Protest der Gesatntüidenheit hervorrufen wird. 3. Die Kenessio Gedaulo erklärt, daß keinerlei Demonstration oder Gewalttaten die Rechte des iiidischen Volkes an Palästina beeinträchtigen können. Es sind dieses von Gott gegebene, geschichtlich begründete Rechte, die niemals Ob'ekt politischer Kombinationen sein dürfen und können, -I. Die Kenessio Gedaulo fordert von der englischen Regierung eine unparteiische genaue Untersuchung aller Geschehnisse und fordert im Namen des beleidigten Rechtes die Bestrafung all derer, die unmittelbar oder mittelbar an den unmenschlichen Verbrechen schuld1« sind. Außerdem betrachtet es die Kenessio Gedaulo als eine selbstverständliche Pflicht der englischen Mandatarmacht, dafür zu sorgen, daß für alle Vermögensschäden völliger Ersatz geleistet wird. Unsere Gemeinde Der Jude in der Politik! Ein Auftakt zu den Koinniunalwahlen! Aus den Gedanken, die der Vorsitzende des Landesverbandes im Freistaat Sachsen des Central- Vereins deutscher S t a a t s Ii ü r g e r i ii d IS C Ii e n Gl a II - b e ii s Herr G c m e i n d e r a b b i n e r Dr. F el 1X Q 0 I d in a n n bei einer Versammlung der hiesigen Ortsgruppe, am Montagabend in seinem Vortrage entwickelte, seien die folgenden Ausführungen hier wiedergegeben, weil sie für die weitesten Kreise der Gemeinde Bedeutung haben: Die Einstellung sehr vieler Hürger zur Politik ist eine grundfalsche, weil sie die B c s c Ii ü 111 g U n g mit ihr als in i n d e r - wert ig betrachten. Das stimmt aber nur. wenn man die Politik als Selbstzweck betrachtet, nicht ledoch, wenn ihr wahres Wesen erkannt und sie als ein Weg zu höheren Zielen. / ii in A ii f b a ii d es Va t e rl a n des und der M e n s c h heil im Sinne eines gesellschaftlichen Ideals Bewertet wird. Sie bedeutet in Wahrheit den W egZUrVerwirkllcfl ii n s eines höheren Gedankens, und jeder, der nicht nur in bloßen Theorien schwelgen, sondern der praktische Arbeit leisten will, muß sieh politisch betätigen! Im demokratischen Zeitalter ist freilich alle Politik auf die Wirkungen der Massen eingestellt, und so erwachsen dem Judentum als Kanzem, wenn es vor der Frage einer Beteiligung an der Politik stellt, gewichtige Hemmnisse, weil es eine hoffnungslos kleine Minderheit ist und demnach niemals zu Irgendeinem Eln"u8 gelangen kann. Viele Inden halten sich aus diese': Gründen leider von der politischen Mitarbeit fem. Und doch ist solches Verhalten geradezu gefährlich! Gewiß hat das Judentum kei'ie positive gemeinsame politische Aufsähe, und der Gedanke einer . iiidischen Zentrumsnartel" w-ire nicht nur wegen der geringen Zahl, sondern auch aus sachlichen Gründen in einer von so vielen geistigen Gegensätzen erfüllten Gemeinschaft absurd. Aber das Judent ti m h a t ei n e s e m eins a m e Aufgabe negativer Art. Spezialgeschäft in Perser-Teppichen * Orient-Gabai, Leipzig C1 w Schuhmachergasse 2a / Meßpalast Specks-Hof Perser-Brücken von rm 68.- an Gr. Zimmer-Teppiche von rm 350.- an sowie Kelims, Tischdecken in großer Auswahl. Erstklassige Qualitäten Besichtigung und Auswahlsendung kostenlos und ohne Kaufzwang c