Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 40 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 lestalten der jüdischen Männer, es war nicht nur die schwerifitige Schönheil der Frauen, die mit ihren malerischen Geländern etwas von der Sonne und Farbenpracht ihrer spantchen Heimat nach dein kalten Norden gebracht ZU hallen chienen, was ihn fesselte. Iis war mehr noch die jüdische teele, das Fremdartige, Geheimnisvolle der jüdischen Religion, ,as ihn. den Nichtjuden. ihn. den Maler des Geheinmisses, unwiderstehlich anzog. Und es war das Judenschicksal: der Jude nmitten einer Welt, die Ihn nicht verstand, die ihn haßte und erfolgte! War's licht Rembrandts, les Einsamen, Unverstandenen, von der Welt Verfolgen, eigenes Schick-;al? Und es war ndlich die gleiche liefe Liebe zu dem heiligen Buch, der Bibel, das Rembrandt und das ..Volk des Buches" miteinander verband. Iis Kibt ein (iemälde von Rembrandt: eine Iran sitzend, vor ilir knieend ein Kind. Heide blicken auf ein Buch, es ist das Buch, die Bibel. Hin (ilanz, ein stilles Leuchten liegt auf dem Gesicht der Frau, auf dem Antlitz des Kindes. Iis Seht aus von dem Buch. Iis ist ein Widerschein jenes Lichtes, das die Bibel in seinem Herzen entzündet hatte. Als Rembrandt einsam, vom Leben zermürbt, arm wie ein Bettler starb, befand sich in seinem Nachlaß nichts als seine Kleider, sein Malergerät und eine Bibel. Mit dieser Bibel in der Band hat er den Lebenskampf Kckämpft und ist Sieker geblieben - auch darin dem Judentum verwandt. Rembrandt hat. wie gesagt, zweimal versucht, die Erzählung von der Opferung Isaks im Bilde festzuhalten. Das erste ist ein (iemälde. das zweite ist eine Radierung. Beide Darstellungen verdanken, wie so viele Werke des Meisters, ihr Entstehen äußerem Erleben. Das erste schuf Rembrandt kurz nach seiner Verheiratung mit Saskia, seiner ersten I ran. Es ist die Zeit der Jugend, die Zeit des Glückes. Aber das Glück wird getrübt Ein Sohn wird geboren, er stirbt nach wenigen Monaten. Wiederum schenkt ihm seine I ran ein Kind, es ist eine Tochter, aber nach einigen Jahren welkt auch diese dahin und stirbt- Da «reift Rembrandt zur Bibel. Er liest den Ruf Gottes an Abraham: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isak. und bringe ihn mir zum Opfer dar....." Und RaditnUMJ von Rembrandt Je* Btchkol-V Nach Faksimile 'Haues MM dem Abraham gehorcht. Da malt Rembrandt sein Bild ..die Opferung Isaks". Drei Personen: In der Mitte Abraham, das Antlitz umrahmt von weißem Haar, die Stirn leuchtend in edlem Glanz, das Schönste — die Augen, in gläubigem Vertrauen zu der zweiten Gestalt, dem Engel, emporgerichtet, der in unnachahmlicher Schönheit licht und leicht herniederschwebt, mit der einen Hand zur Höhe hinauweisend, mit der anderen leicht den Arm des Abraham berührend, dessen Hand das Schlachtmesser entfällt. Die dritte Gestalt ist die des Isak: auf _ einem Tuch, fast \\\V\\\\\\\\vvS vom'K nackt. liegt x ^.wUVUvuwB er l'a' c'Ll" '^''k" ken, die Hände gebunden. Wir suchen sein Antlitz. Es ist nicht zu sehen. Es ist verhüllt von der anderen Hand des Abraham. Aber nicht auf den Augen, auf dem Munde beut sie. eine «rolle breite Männerhand, gleichsam als ob der Vater noch in letzter Stunde ein Aufbäumen des Opfers fürchtete, ihm den Mund verschließend mit Leib und Seele es niederzwingend unter seinen Willen der nur ein Ziel kennt. Gott zu dienen ..mit «anzem Herzen, mit nanzer Seele und mit ganzer Kraft". Iis braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß Rembrandt in dem Bilde sich selbst gemalt hat. Die Augen, die in gläubigem Vertrauen zu dem Himmel emporgerichtet sind, das sind Rembrandts Augen, das Licht, das auf Abrahams Antlitz ruht — selbst das Dunkel dieser Stunde erhellend — das ist das Licht, das Rembrandt sein Lebtag im Herzen trug. Aber in dem Bilde liegt noch mehr, liegt nicht nur sein Schicksal als Vater, liegt nicht nur Menschenschicksal, sondern vor allem Judenschicksal. Vergessen wir nicht, dal! Rembrandt den größten Teil seines Lebens im Judenviertel verbrachte, dal! Juden zu seinen nächsten Freunden gehörten. Rembrandt kannte die Erzählungen, die in den Judengassen umgingen und denen man in stillen Sabbatstuuden tränenden und doch leuchtenden Annes lauschte: von den Märtyrern — überall in der Welt in Spanien, in Frankreich, in Deutschland - den „Chasside Aschkenas", den Frommen von Deutschland den Vätern, den Müttern, die ihre Söhne, ihre Töchter mit eigener Hand töteten, um sie vor der Lüge, vor der Schande zu retten, den Kindern, die sich töten ließen, um den Namen des liinzig-Eini- Abrahams Opfer Reproduktion der Reichtdruckerci Berlin. Mll freundl. (iencliminuns iH-hen erschienenen 4. Bande der lincvklopacdia Judaica.