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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-09-27 · 39 (27.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
39 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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7. September 1029 GRMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 Teiertagsfreucfe Bringt eine behagfiche Wohnung t Preiswerte QuafitätSWare: Gardinen, Stores, Üßergardinen Teppidje, f.auf er, Be tag Stoffe Decken affer Art Haufen Sie am günstigsten im # ' i Teppiche Schroetter Neu mar fit 31-33 iiIirt uns der Müller In die Knochenmühle. Unheimlicb ist es hier. Der Qeruch der Knochen steigt empor, und man mochte glauben, man sei in einer Räuberhöhle. Wir waren froh, als wir wieder an der frischen Luft standen. Bei der nächsten Rast ergötzt uns L. F. durch seine Dichtungen, wahrend -ich K. H. als talentierter Komponist entpuppt (möge er sich wieder verlUppen). Wir brechen wieder auf. Nach einigen Stunden kehren wir dann mit triumphierender Miene ins Heini zurück. Wir hatten's doch schöner als die Schlappschwänze, die zu Hause blieben. Freitag, 26. VII. 1929. Nachmittag, In der Küche laufen die Koch- und Bratgeister geschäftig hin und her. Auf einmal ertönt der Schreckensruf: „I'"euer! Es brennt!" \llcs läuft, alles rennt. Es brennt! Ersäuft / schnell die Flammen! Hasch beisammen / ist die Wehr, mehr und mehr / strömt zum Keller, hell und heller / leuchtet Schein uns entgegen, flciliig alle Hände regen / sich zum Kampf mit dem Feuer. Ungeheuer ist der Erfolg, „(iclöseht ist der Brandl" tönts ins Land. Und froh im Kreise / ertönt die Weise: „Was haben wir für 'ne Feuerwehr in unserem Tempelhof ..." Sonntag, 28. VII. 1929. QroBbesuchstag. <i. H. lest unvorsichtigerweise den von seinem Onkel mitgebrachten Kuchen auf H.s Bett F.r wird beschlagnahmt der Kuchen. Am Montag wird er verzehrt. Hei uns herrscht eben Ordnung: aufs Hett gehört kein Kuchen, sondern höchstens Erdhcerflceken, SchweiBstrttmplc ii. dgl. Abends gjbt'a großes Hallo: Dr. D. wartet auf Auto, Schofför und Begleitung, um Punkt lltW Uhr wegzufahren, Es wird! ,22 Uhr, aber das Auto ist nicht da. Endlich kommt's angeschoben, doch den Berg kann's nicht rauf: die Puste ist ausgegangen. Untern vereinten Kräften ReliiiKt's, es hinauf anbringen; ein Beweis, wie stark wir hier geworden sind. Auf die Präge, wieso diese Verzögerung tustandegekommen ist, antwortet der gutmütige Schofför: „Na ja, mer hain Ihm in flauen Bekannte getroffen, da hamm mer e Hier getrunken im e Schkadt geklobbt, aber 'ne Hanne Hamm mer nich gehabdt." Dann dampft die Maschine unter (iefauche ah. Dienstag. .10. VII. 1929. Gcncralstahsbefehl: heut' wird das Alaunwerk besichtigtI Gcncralstabsadjntant T. führt uns über den Kranich quer durch das Gelände und im groBen „Umbogen" über 'Ischerlich nach Weilleudorf mindestens 40 Minuten Veripitung: so wanderten die Kinder Israels -tll Jahre lang durch die Wüste Vi.n Weißendori führt ein gepflegter Schotterweg an die Slchelmlhle. Das Tal der Weida leigt uns den Weg zum Alaunwerk. Und das Wassel rauscht . . . Und das Wasser tobt . . . Die Wälder erzittern . . . Und die Blume zersplittern . . . Die Welt bebt, das Weltall wankt . . . Und das Alaunwerk gebiert diedeldei! . . . Ein' Ziegelbrennerei. Der Chef zeigt und erklärt, was zu erklären ist. Da ist ein Doppelachsenrad, dessen jedes F.inzelrad KM» Zentner wiegt. Der Arbeiter warf einen Stein hinein, ein Rad ging darüber, da war der Stein nicht mehr. Friede seiner Asche . . . Nachmittag. Die Wasserleitung geht! Lieber Leser, weidt du. was das beiBt? Wandre du durch die Wüste, stundenlang, tagelang. Die Sonne brennt auf deinen Scheitel, die Sohlen sind durchlöchert, du klapperst an allen deinen Knochen, die müden Heine versagen schon den Dienst, und da, da wirst du aus deinen Träumen geweckt durch den Ruf: „Die Wasserleitung geht! Das Wasserfall ist zu füllen! . . ." Freitag, 2. VIII. 1929. Wir kommen 21» Minuten vor Schabbos oben an. Ein großes Hallo, Die Schlüssel vom Mädchenschlafsaal sind weg. Jungens müssen unbedingt Nachtwache halten. Wir freuen uns alle bei diesem Qedanken, da unterbricht uns der Ruf: „Die Schlüssel sind da." - - Schade. Das Lied ist aber noch nicht zu Ende. Mit gröliter Anstrengung und Aufopferung sucht L. F. im Mädchenschlafsaal und findet - Honbons. Was lllilllte in diesem Falle L. P. tun, wenn er im Dienste seiner sozialen Ideen handeln wollte? Er mußte sie an sich nehmen und sie verteilen — natürlich an die Jungens. Das hat er dann auch getan. Schabbos. .1. VIII. 1929. Nach dem (»reu wird der Verlust der Bonbons entdeckt. Sie gehörten S. II. Wir Jnngens haben natürlich keine Ahnung von dem Vorfall, geschweige denn von dem „Dieb". S. schlägt großen Krach: es gibt eine Standpauke und L. F. gellt währenddem in dei Stadt spazieren — S. ist der Ausgeschmierte. Geschieht ihm Kauz recht. Was haben seine Bonbons im Mädchenschlafsaal zu suchen? Hebe er so was nächstens bei uns Jungens auf: dann zweimal: wohl! Wohl den Honbons und wohl uns! Sonntag, 4. VIII. 1929. Zu Mittag kommt J. Bi an und spendiert 'ne Runde. Das ist bei uns so Sitte in Israel: jeder Neue, der ins Heim kommt, ob Mann oder Frau, ob als Vorübergehender oder als bleibender Gast: eine Runde hat er zu Schmeißen. Und die Runde bestellt in einem Glas für jede Person. Und allweicher Main; oder Frau so sich weigert, das Gesetz zu erfüllen, wird aus unserer Mitte ausgestoßen. Ausgerottet müssen sie werden aus unserer Gemeinschaft. Aber die Macht unserer Gemeinschaft ist so stark, dall es noch keiner gewagt hat. ihr zu w iderstehen. Davon weil Sa .. ül ein Lied zu singen. Donnerstag. 8. VIII. 1929. Ernste Empfindungen hatte jeder unserer Achtzehn, die wir mit weit geöffneten Augen zu Syrau in der Drachenschlucht standen. Von einer so heiligen Stunde zu reden, die entsprechenden Worte zu finden, das wäre vermessen. Der Höhepunkt war der Hlick auf die wundervolle Gardine, die in der Lichtwirkung etwas wie ein Märchen aus Tauscnduudcincrnaeht vor unsere Augen zauberte. Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt, und doch inuI'. es gesagt sein: das muH man gesehen haben, das kann man nicht schildern. Das Elefanteuohr, die übrigen Kristallbildungen, die Stalaktiten und Stalagniten: die Jahrtausende schwirren nur so um unsre (ihren. Der See mit seinem klaren Wasser, die krisiallbesetzten Wände, der Drache mit dem weiten Schlund und den tiefen grünen Augen! Wie ein furchterregender, wunderschöner Traum erscheint uns das Ganze, als wir nach einem lauten „Glückauf" die 81 Stufen zur Höhe wieder ersteigen. (Schluß folgt.) Häuser / Hypotheken / Hausverwaltungen REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG LEPLAYSTRASSE 3 GEGRÜNDET 1907 FERNRUF 23576

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