Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 32 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 32 W em ernsthaft daran gelegen ist, seinen Kindern das überlieferte Gut der väterlichen Religion ungekürzt zu erhalten, der wird gern zu kleinen Hilfsmitteln greifen, um die mit persönlichen Opfern verbundenen jüdischen Pflichten mit dem Hauche poetischer Verklärung zu umgeben. Auch die Fasttage können in gewisser Beziehung gehobene Momente im Familienleben werden. Man braucht nur das Mahl heim „Anbeißen" zweckentsprechend auszugestalten, jedem Kind Gelegenheit zum Berichte geben, wie es ihm heute ergangen, ob es das Hungergefühl stark empfunden, ob es ihn in der Arbeit sehr beeinträchtigt habe und dgl. — etwa wie der Führer einer Bergpartie von allen Teilnehmern seiner Gruppe Rapport entgegennimmt bei der Rast und dem ersten Imbiß auf dem Bergesgipfel. — Wenn der Vater gar noch am Ausgange jedes Fasttages eine kleine Überraschung als Anerkennung für das mit der geübten Selbstbeherrschung (ieleistete zur Verfügung hält, so prägen sich auch diese sechs Hungertage als angenehme Erinnerung in das Gedächtnis ein und werden auch weiter gehalten, wenn Vater und Mutter längst die Augen geschlossen haben, und der Fastende keinen anderen Lohn erhält, als den. den das Bewußtsein treu erfüllter jüdischer Pflicht in sich schließt. Jüdische Verbände und Gemeinden Professor Berthold Freudenthal gestorben In Frankfurt verstarb plötzlich der bekannte dortige Ordinarius 111r Strafrecht. Professor Dr. Berthold Freudenthal, im Alter von 57 Jahren. Der hervorragende Gelehrte gehörte zu jenen Straf« rechtlern, deren Vorarbeiten die Inangriffnahme der Strafrechtsreform in erster Linie zu danken ist. In zahlreichen Schriften hat er die Notwendigkeit dieser Reform nachgewiesen und wertvolle Anregungen für die Qestaltung des neuen Strafrechtes gegeben. Hertliold Freudenthal, 1S72 in Breslau als Sohn des jüdischen Philosophen und Spino/.aforsehers lakob Frcudetithal. Lehrers am lUdisch-Theologischen Seminar und Professors an der Universität Breslau, geboren, wurde 1899 Privatdozent an der Breslauer Universität, kam lyui nach Frankfurt a. M.. wo er seit lyn als ordentlicher Professor des Slrafrechbs wirkte. In der gesamten juristischen Welt sind seine Schriften bekannt, von denen zu nennen sind: „üciängnisrechl und Recht der Fürsorgeerziehung" (1021). „Politische Erziehung des Deutschen" (1V22). „Schuld und Vorwurf" usw. Das erste deutsche Jugendgericht (1906) und das erste deutsche Jugendgefängnis (1VI2) gehen auf ihn zurück. Er war unter anderem Mitglied des Vorstandes der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung. (Ita) Der XVI. Zionistenkongreß Die er--te Geschäftssitzung des Kongresses brachte die Eröffnung der Generaldebatte, an welcher sich die Führer der großen Frak- Allen Freunden und Bekannten mache ich nur auf diesem Wege die ergebene Mitteilung, daß die BARMIZWAH niXOH meines ältesten Sohnes Pinchas s.G. w. am Sonnabend, den 17. August (trenn 3X3 «*■•) in der Ohel Jakob Synagoge, Pfaffendorfer Straße, stattfindet. Leipzig, Fregestraße 31 Frau H. verw. Gildingorin Empfang nach dem Gottesdienst V KLARA WOLF CH. WOLF LANDAU grüßen als Verlobte LEIPZIG, DEN 4. AUGUST 1929 tionen innerhalb des Zionismus mit Generalrednern beteiligten. I>, Redner nahmen beziig auf die vom Präsident Weizniann gemachte. Darlegungen über die vergangene Kongreßperiode und die kommend Arbeit der zionistischen Organisation und der erweiterten JcwK Agency. Wesentlich erschein) Weizniann, daß die Zahl der Arbeit' losen Palästinas von 4000 auf eine verschwindend geringe Ziffi zurückgegangen ist, und daß mit einem jetzt veranschlagten .lalire^ etat von M. 20000000 eine beträchtliche .Laudesreserve erworbe werden könne. Kr wendet sich sodann dagegen, daß einzelne zlon stische Gruppen gegen die politische Disziplin der Organisation verstoßend, selbständig mit der englischen Regierung politische Vei handlungen pflegen. Als Vertreter der stärksten Fraktion innerhalb des Zionlsmu präzisiert darauf Rabbi Melr-Berlln die Forderungen des Misracl an den Kongreß. Rabbi-Berlin führt aus, daß nicht mit Wirtschaft liehen Erwägungen allein au den Aufbau eines Nationalheims für da jüdische Volk gegangen werden kann. Die Rückkehr ins Land he deutet die Rückkehr zum Judentum, wie es sich in lahrtausende alter Tradition darstellt, und es ist daher nicht angängig, den Aufbai des Landes ohne Einbeziehung dieser Imponderabilien vornehmei zu wollen. In Erkenntnis dieser Tatsache hat der Misrachi eil Erziehungswesen ins Leben gerufen, dem die Aufgabe zufällt, da^ Leben in Allneiiland mit den Kräften und Säften der Tradition zu befruchten und zu durchsetzen. Die Einstellung der zionistischen Öffentlichkeit zu diesem Erziehungswerk befriedigt keineswegs. Der Aulbau kann erst dann gelingen, wenn der Zionismus so von jüdischem (Hauben getragen wird, wie es die jüdische Geschichte ist. auf deren Boden er entstanden ist. Namens der Arbeiterparteien Hithachdut und Poale Zion üben Ingenieur Kaplemsky und Dr. Chaim Arlosoroff schärfste Kritik an der Finanzpolitik der zionistischen Exekutive. Sie verurteilen die Zusammensetzung des ausführenden Organs der Organisation in Jerusalem ebenso wie die Praxis des politischen Departements in London. Rückkehr zu HerzTscheni Zionismus tue not. In der Agency muß der Einfluß der Arbeiterschaft gesichert werden. Besonders solle man sein Augenwerk auf die neue Regierungsbildung in England lenken: auch ist die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Rußland zugunsten der dort verfemten Zionisten zu benutzen. Der amerikanische Vertreter spricht der Exekutive sein volles Vertrauen aus und betont die Wesentlichkeit der amerikanischen Judenheit und ihrer Mentalität für die Organisation. Den Höhepunkt der Generaldebatte stellt dann die Rede des Führers der revisionistischen Partei. Wladimir labotinski, dar. Entsprechend den Grundlagen seines Programms führt .labotinski BUS, daß England seine verbrieften Zugeständnisse an das jüdische Volk nicht erfülle, und dies nicht zuletzt deshalb, weil es den Vertretern der .luden in ihren diplomatischen Verhandlungen mit der Mandatarmacht am notwendigen Selbstbewußtsein fehle. Fr fordert die Einbeziehung Trans Jordaniens in die Sphäre der Kolonisationspolitik und übt durch Tatsachen und Einzelgeschehnisse bekräftigte scharfe Kritik an der offiziellen englischen und zionistischen Politik. Den Gcncralredncrn folgen nunmehr Referenten der Arbeitsausschüsse der Organisation und Entgegnungen der Fraktionen auf die Ausführungen der Generalredner. Aus der Mitte des Aktionskomitees werden Referate zu Spezialfragen gehalten, an die sich lebhafte Aussprachen schließen. - Die Meinung der nicht jüdischen maßgebenden Presse geht dahin, daß die Diskussion sich auf in Parlamenten ungewohnt hohem Niveau bewegt. Die Beteiligung am Kongreß seitens des Publikums und der Presse ist so stark, daß die in Aussicht genommenen Räume sieh als unzulänglich erwiesen haben, und der Kongreß im Züricher Stadttheater auch seine Geschaftssitzungen abhalten muß. Das Programm des Kongresses sieht weiterhin noch die Erledigung wichtiger Fragen, unter anderem die Ernennung seiner Vertreter in der Jewisll Agency und die Ergreifung von Maßnahmen in den Fragen der Klagemauer vor. Bei Redaktionsschluß dauert der Kongreß noch an. Mendelssohnfeier der jüdischen Gemeinde zu Berlin Wie wir erfahren, ist von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die große öffentliche Mendelssohn-Kundgebung, welche die Gemeinde in Gemeinschaft mit der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums veranstaltet, nunmehr endgültig auf Sonntag, den N. September, festgesetzt worden. Die Feier findet in der Singakademie unter Mitwirkung des