Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 31 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4876568-5968790-5969106--2599-4880178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Gl-MI-INDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSC.EMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 31 ledanken einer in sieh gegliederten Menschheit, in der auch das deutsche Volk als Träger ursprünglichen göttlichen Lebens eine ewige notwendige Sendung zu erfüllen hat. Darum gleiten jetzt nieine Blicke voll neuer Hoffnung an diesen Kostbarkeiten deutschen Qeistes entlang: was wir mit altem verbrauchtem Wort als „Revolution" bezeichnen, das birgt die Möglichkeit zu einein anderen, edleren Deutschland, das eure Gedanken ZU neuem Leben und Segen zu erwecken vermag. Ich schüttle den Staub von euch ab, ihr Werke ich hebe euch /um Lichte empor: ich habe die Rückkehr zur deutschen Heimat gefunden. Jüdische Verbände und Gemeinden Die kenessio Gedaulo der Agudah-Weltorganisation in Wien l>ic LeltunK der Weltorganisation Agudas Jisroel hatte die Vertreter der österreichischen und der Auslandspresse nach dem Festsaal des Hotel de France geladen, um sie Im Hinblick auf den Im Herbst stattfindenden zweiten Weltkongreß der Agudas Jisroel (Kenessio Qedaulo) über die Leistungen der Agudah in der Organisierung der iüdischen Orthodoxie, im religiösen Erziehungswerk, in der praktischen Aufbauarbeit in Palästina, sowie über die Haltung der Agudah zu den Iüdischen Prägen der Qegenwart, zu informieren Der Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroel, Dr. Pinchas Kuhn, referierte über die Ziele des Weltkongresses Agudas Jisroel und erklärte, die vom 10. bis 17. September 1929 in den Wiener Sophiensälen stattfindende /weite Kenessio Gedaulo stelle die wichtigste Exekutive der Agudas Jisroel dar. Die Agudas Jisroel wurde im Mai \t>\2 auf der Kattowitzer Tagung von 300 Führern des orthodoxen ludentums gegründet. Als ihren Zweck erklärte sie: „die i - i er leweiligen iüdischen Qesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora". Int \irs'ust |<>2.? wurde die erste Kenessio Gedaulo in W ien abgehalten. Durch die Arbeit des ersten Weltkongresses, insbesondere durch Einsetzung des „rabbinischeu Rates" als oberste religiöse Autorität gefestigt und gestärkt, vermochte die Agudas Jisroel in den seither vergangenen sechs Jahren sehr erhebliche Lcistungen /.: erzielen. Sie zählt gegenwärtig rund eine halbe Million Mitglieder in 25 Ländern. Sic hat durch Schaffung des Keren Hathora in der ganzen Welt Sammlungen für die Thora-Institutionen durchgeführt, hat in Lublln mit einem Kostenaufwand von 1511 Out) Dollar eine zentr.de Talmudhochschule, eine andere Hochschule in Warschau, sowie um jüdisches Lehrerinnenseminar in Krakau errichtet. Ferner errichtete und erhält sie eine «rolle Zahl jüdischer Elementarschulen und läßt sich Insbesondere die vorher vernachlässigte Mädchenerziehung angelegen sein. Die Mädchenschulorganisation „Bein lakob" zähl; gegenwärtig 142 Anstalten, im Lehrkräfte und 15 nun Schülerinnen. Äullerst erfolgreich war ferner die Palästina-Zentrale Vgudas llsroel in Prankfurt a. M.. die nach Gründung des „Keren Ha Ischuw", welcher Bodenankäufen in Palästina dient, vor allem bestrebt ist. die indische Besiedlung des Heiligen Landes im Geiste der -_ Thora durchzuführen. Die Waisenhäuser in Baden bei Wien, Warschau und Blalystok werden fortgeführt. Von bedeutenden Persönlichkeiten, die an dem Werk der Agudah teilnehmen, sind in erster Reihe ZU nennen: Rabbi Israel Meii Hakohen, gewöhnlich mit dem Titel seines ethischen Hauptwerkes „Chofez Chajlm" genannt, ferner das Oberhaupt der orthodoxen Jerusalemer Gemeinde, Rabbi Josef Chajlm Sonnenfeld, der Landesrabbiner von Beßarablen, Zierelsohn, die Rabbis von Czortkow, Qora- Kalwarja U. a. in. Eine ganz andere Bedeutung kommt dem Agudah-Pührer Jakob Rosenhelm (Frankfurt a. M.) zu, dem eigentlichen Organisator dei Agudas Jisroel, ferner Dr. Nathan Birnbaum. Br. Pinchas Kohn erklärte den Vertretern der Presse die von dei Agudah vertretene Auffassung über das Wesen des Judentums. Die Agudah steht auf dem Standpunkte, daß das rein Völkische nicht der Konstitution des jüdischen Volkes entspricht, sie betrachtet als das Ferment der jüdischen Gesamtheit die Religion. Der kommende Kongreli wird sich hauptsächlich mit Organisationsfragen zu beschäftigen haben, da auch die konservative Arbeiterschaft sich innerhalb der Agudah organisiert hat, und hier der Versuch der Synthese der Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Grund der Religion versucht werden soll. Gleichzeitig mit dem Kongreß lagt die Konferenz der grollen rabbinischeu Führer. Ministerialrat a. I). Dr. Leo Deutschländer sprach über die Renaissance des religiösen Gedankens in der Gegenwart. I!s sei ein historisches Verdienst der Agudas Jisroel, im richtigen Augenblick innerhalb des Judentums die Regungen zur religiösen Umkehr zusatnmengefaß! und in den Dienst der großen Kulturaufgaben gestellt zu haben durch Schaffung der Institution des „Keren Hathora", dessen 'Tätigkeit sich nach drei Gesichtspunkten gliedert: I. Sicherung des indischen Hochschulstudiums durch Pestigung der 17 Jeschiwoth in Litauen, Errichtung einer Central-Talmudhochschule in Lublln, Bau einer Talmudhochschule in Hunsdorf in der Slowakei. 2. Schaffung eines religiösen Volksschulwesens zur Gründung der Mädchenschulorganisation „Beth Jakob" unter der persönlichen Leitung des Referenten in Polen, Litauen. Wien und Palästina. Diese Arbeit wird auf das wärmste vom American Joint Distribution Conunitee, von Baron Rothschild, vom Weltverband jüdischer Frauen und von den Regierungen unterstützt. Alle diese Arbeit soll eine Vorstufe sein zur religiösen Erneuerung innerhalb des Judentums. Rede Arnold Zweigs im Verband russischer Juden Aus Anlaß einer Tantum des Verbandes russischer Juden in Deutschland hielt der bekannte Romancier Arnold Zweig eine bedeutsame Rede über „das Los der QeflOChtCten", der wir die nachfolgenden Partieii entnehmen: Fs handelt sich nicht so sehr um einen Teil der Judenfrage. Fs handelt sich vielmehr um einen Teil des allgemeinen Minderheiten- Problems in Ruropa. Gäbe es die Vereinigten Staaten von Puropa schon, so würde der größte Teil derjenigen Arbeiten, die der heut einladende Verband leisten muß, geleistet werden durch andere Organisationen. Wir wissen alle, wie wenig man von den Schwierigkeiten und Nöten anderer Gruppen, anderer Minderheiten ahnt, mit denen man in der modernen Gesellschaft zusammenlebt. Hier kennt man ja nur ein Sichbcrührcn getrennter Schichten, ein Sichtreffen gesonderter Kreise, aber leider selten oder niemals ein Miteinanderleben, ein Sichditrchdringen von Gruppen, die an sich durch Geburt, durch gleiche Beschäftigung oder den gleichen Bekanntenkreis miteinander vertraut sein sollten. Ps liegt ähnlich, wie in der grollen Stadt, In deren Mietshäusern die einzelnen Familien aus- und eingehen und Im Grunde genommen wenig voneinander wissen, ia nichts miteinander ZU tun haben wollen. Achnliche Gleichgültigkeit spielt zwischen den sozialen Schichten und Klassen, den Beriifsgruppen. ja denjenigen, die in verschiedenen Vierteln einer und der gleichen Stadt wohnen. Und wenn in einem Ort wie Berlin der Zustrom von rSTOItWERO^scÄde 1 Pralinen