Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 31 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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UlgUSt 1029 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 r: stechen Einwanderern fluktuierend bald 30 0011 so (Hin, zu gc- « sen Zeilen auch 120000 Seelen heranbringt, so merkt man das v hl In Stewlssen Quartleren des Ostens oder Westens, aber die B iBe Stadt wird wenig davon berührt, ob diese Masse bei ihr bleib! i .r sieh weiterschiebt. Und seihst wir deutschen .luden, auch die, die sich mit jüdischen l igen gern befassen, stellen Immer wieder mit Erstaunen fest, wie u bekannt einander die verschiedenen jüdischen Gruppen in Herlin v d, und wie wenig sie miteinander Fühlung nehmen, geschwelge i nn, daß sie teilhaben an der Freude oder an dem Leid, das in i icr dieser Gruppen vor sich geht. In früheren Jahren hatten wir ( slegenhelt, uns um die verfolgten Ostluden tu kümmern, die aus d n ehemaligen Randprovinzen des russischen Reiches zu uns I inen. Aber diejenigen russischen .luden, um die es sich heute I adelt, sind ein Clement, das wir nur in einzelnen Vertretern kennen, . v Gruppe überhaupt nicht. Diese etwa IS000 Intellektuellen. ■ hriftstellcr, Oberlehrer, Aerzte, Juristen, Gelehrte aller Art, Kaufi ute, Techniker usw. sind durch eine Art sozialen Naturereignisses . is ihrem Heimatlande weggeschwemmt worden, aus dem Lehen, das sie bis dahin geführt hatten, um als Block niedergesetzt zu erden In einem anderen Land oder einer anderen Stadt, in welcher le wohl verwandte oder sozial ähnlich gelagerte jüdische Schichten ntreffen, die aber doch durch die ungeheure Macht der Symbiose üt der deutschen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von ihnen eschleden werden. Diese neu ankommenden Menschen sind tat- Schlich hier ganz isoliert, in einer Stadt von 100 000 Menschen •henso isoliert wie in einer Stadl von 4 Millionen. Sic sprechen unäclist einmal die Sprache des Landes mir schwer, das heißt, wirklich verständigen können sie sich nur untereinander. Und nun stehen >le vor dem Problem, wie sie sich mit den Fähigkeiten, die sie besitzen, ernähren sollen: ieder von uns wäre in einem Lande. Jessen Sprache er nicht gelernt hat, In derselben Lage. Und es handelt sich hier außerdem um Menschen von oft sehr guter Frzlehung, die den Schwierigkeiten des Lebens nicht hilflos gegenüberstehen; um Menschen, von denen man auch nicht sagen kann, dafl sie in bestimmten sozialen Lebensgebllden starr verankert wären und sich in andere nicht einstellen kAnnten. Nein, wir haben es hier mit Menschen unseresgleichen zu tun, die nur mit anderen geistigen Regriffen aufgewachsen sind als wir, und die jetzt von den materiellen Werten, von den Gütern, auf Grund deren sie erzogen worden sind, losgerissen wurden. Wir alle sind doch erzogen worden, nicht von unserer Arbeit, sondern von unseren Vätern, aul Grund der familiären und wirtschaftlichen Verhältnisse und der aus so vielen Imponderabilien zusammengesetzten Erbmasse, die unsere Ritern schaffen halfen, und durch die wir beeinflußt wurden, als wir noch hing und formbar waren. Hineingestellt etwa in eine spanische oder serbische Umwelt und abgeschnitten von unserer Elternkultur und der gewohnten Umgebung, was möglicherweise würde aus aus werden, was außer Selbsthilfe bliebe uns zu tun übrig? Der 16. Zionistenkongreß eröffnet. Im Gedenken an Theodor Herzl. Das Bild des Kongresses Zürich. 2S. Juli (J. T. A.). Am Sonntag, den 28. Juli 1>>2<> (20. Tamus 5689), dem Tage, an dem vor 2S Jahren der Schöpfer der modernen zionistischen Bewegung Theodor Herzl für immer die Augen schloß, wurde in Zürich der l<>. Kongreß der Zionistischen Weltorganisation mit einer feierlichen Ansprache des Präsidenten der Organisation Dr. Chaim Welzmann eröffnet. Die erste Sitzung war dem Gedenken an Theodor Herzl gewidmet. Die Erfiffnungszeremonle, die gegen S Uhr nachmittags im Züricher Stadttheater begann, gestaltete sich dann auch, dem ersten Anlaß entsprechend, einfach und würdevoll. Saal und Tribünen waren von Delegierten und (listen überfüllt. INGER Nähmaschinen In altbewährter Güte Weitestgehende Zahlunjjserleichterun jer» Mäßige Monatsraten SINGER NÄHMASCHINEN AKTIENGESELLSCHAFT H H Slngmr LBdam Oborall fJPJ Allein aus Palästina hatten sich außer den Delegierten etwa 400 Gaste eingefunden, die in einem Sonderscliiff Palästina verlassen haben. Außer den Hunderten Delegierten aus allen Teilen der Welt wohnte der Eröffnungssitzung eine sehr große Zahl prominenter Gäste bei, die zum Teil von weither gekommen waren, um dem Kongreß beiwohnen zu können. Die Tribüne war mit viel Grün geschmückt: in der Mitte das schwarz umrahmte Bild Theodor Herzls, Iii der ersten Reihe der Tribüne hatten Präsident Dr. Weizmann, Nahum Sokolow und die Mitglieder der Weltexekutive, sowie der Palästinaexekutive Platz genommen. In der zweiten Reihe hinten saßen die Mitglieder des Präsidiums des Kcren Kaiemeth mit M. M. Ussischktn und des Keren Haiessod mit Dr. A. Hantke, die Mitglieder des Aktionskomitees mit Präsident Motzkin und die höheren zionistischen Beamten. Weiter hinten saßen in mehreren Reihen die Vertreter der Presse. Es hatten sich hunderte Pressevertreter zur Teilnahme angemeldet, unter ihnen Vertreter der größten Zeitungen und Presse- Agenturen. Als Dr. W eizmann auf der KongreßtrlbOne erschien, wurde er mit einer rauschenden Ovation empfangen, die mehrere Minuten andauerte. Die Ovationen wiederholten sich beim Erscheinen der anderen FOhrer der Bewegung. Dr. Weizmanns Eröffnungsansprache wurde mit atemloser Stille aufgenommen. Seine Theodor Herzl gewidmeten Qedenkworte, die er in bewegtem Tone vorbrachte, machten tiefen Eindruck. Das große Interesse galt denjenigen Stellen in seiner Rede, in denen er die besonderen Aufgaben des Kongresses, die Zusammenarbeit mit der Jewlsh Agciicy und die Zukunft der Zionistischen Organisation nach Einrichtung der Agency umriß. Als er endete, erscholl wiederum minutenlanger Beifall. Iis erhob sich nun der Präsiden! der Weltexekutivc Nah'.::!! Sokolow, den jahrelange intime Freundschaft mit Theodor Herzl verband, um die Gedenkrede auf den vor 25 Jahren verstorbenen Führer zu halten. Seine Rede trug den Titel: „Theodor Herzl und die Zionistische Organisation". Die mit poetischem Schwung in einem farbigen Hebräisch vorgetragene Ansprache, in der Sokolow verschiedene Bibel- Stellen variierte und auf Herzl anwandte, hielt die Zuhörer im Hann. Als er schloß, herrschte tiefe Ergriffenheil im Saale. (Ausführlicher Berich! folgt in nächster Nummer.) Bundestag des Jung-Jüdischen-Wanderbundes Der diesjährige Bundestag des J.J.W.B. findet vom 4. 6. August bei Hemeln a. d. Weser statt. Die Bundesleitung veröffentlicht die folgende Tagesordnung: Sonntag, den -I. August: Palästina-Referat. Die Lage der sozialistischen Arbeiterschaft in der Welt. Fackelzug und Feier. Montag, den S. August: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden (Arbeitsgemeinschaft). Zur Begründung des Zionismus (Arbeit sge ii lein schaft). CT Central-Theater -BETRIEBE LEIPZIG Anton Schneider / Dittrichring 19 CT-KAFFEE-RESTAURANT Gastspiel der Kapelle Ernö Geiger aus Wien CT-CASINO-TANZCABARET