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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-07-26 · 30 (26.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
30 (26.7.1929)
Date
1929-07-26
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 U.EMEINPEBLATT PER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer Jahresbericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Ple Hochschule fflr die Wissenschaft des Judentums veröffentlicht Ihren Bericht für das Jahr 1928. Nach einem kurzen Denkwort r Moses Mendelssohn aus AnlaB seines bevorstehenden 200. Qeburtsucs lest das Kuratorium Rechenschaft über das abgelaufene Jahr ab. Der hervorstechendste Zu« des Berichtes ist die außerordentliche Inno der Studierenden. Die Zahl der ordentlichen ist auf 74 gestiegen. Vier Studierende legten das Rabblnatsexamen bzw. Schlußprüfungen ab, von denen nur einer ins Rabbineramt eintrat, während ein anderer wissenschaftlicher Dozent und ein dritter Lehrer der hebräischen Sprachschule in Merlin wurde. Der Kassenbericht schließt höchst ungünstig ab. der Fehlbetrag hat sich gegen das Vorjahr nahezu verdoppelt und die i icsamtschuld ist auf über M. .'I 000 gestiegen, w as die verantwortlichen Persönlichkeiten der Hochschule mit banger Sorte erfüllt, Dieses Imhe Minus ist darauf zurückzuführen, daß der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, trotz der durch die Erhöhung der nach staatlichen Sätzen gezahlten Beamtengehälter nötigen Mehrausgaben, ■eine Subventionen herabsetzen mußte. Nur durch Sammlungen bei Privaten, /n denen sich die Herren Oberkantor Pavidsohn und!>r Wittenberg zur Verfflgung stellten, war es möglich, dal! die Schuld sich nicht noch mehr erhöhte. Die Laue bleibt weiter recht ernst. Erfreulicher ist die Tatsache, daß einige neue Stiftungen errichtet wurden. Das Vermögen der Hochschule hat ietzt einschließlich des eigenen Hauses einen Wert von M. 343000. So haben Angehörige der früherer] Donatoren die Stiftungen erhöht: neu gegründet wurde eine Stiftung zu Ehren des verstorbenen Direktors Pr. Hermann Bacrwald-Frankfurt a. M. und im laufenden Jahre hat Frau Mekka Steinthal der Hochschule M. 10 000 zur Errichtung einer ..Theodor- und ßekka-Stcinthal-Stiftung" überwiesen, deren Ertrag alljährlich zum i für eine Preisarbeit und zum größeren Teil für den Pensions- - der Hochschule verwendet werden soll. Dem Bericht ist wieder ein Verzeichnis der geh altert en v o r I c s u n g e n u n d p opuIären Vorträge (M o n - isvorIesungen) beigegeben. Per Dozent der Hochschule. Il.rr Dr. Harry Torezyncr. ist für ein Semester zu Gastvorlesungen n das Jewish Institute of Religion in New York eingeladen worden. Vertretung haben die Herren Pr. Albeck, Pr. Max Soloweltschik nmt Pahluncr Pr. Max Wiener. Von erheblichem Interesse ist ein Abkommen, welches die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität fließen mit der Hochschule getroffen hat, das einen Austausch von Qastvor- Ii gen zum Ziele hat. Auf Orund dieses Abkommens hielt vom > lanuar 1929 der Qießener Religionshistoriker, Professor D Pr. Heinrich Frlck, an der Hochschule sechs Vorlesungen über ..Per religlonsgcschlchtliche Ort des Protestantismus." tj des Lehrerkollegiums der Hochschule. Herr Rabbiner Pr. ßaeck, wird demnächst an der Universität fließen einige Oastvorlesungen halten. Anstalt beklaut das Hinscheiden der beiden Lehrer ihrer Präparandie Pr. Moses Baron und Rabbiner Pr. Ludwig A. Rosenthal, die In jahrzehntelanger Wirksamkeit ihre Kraft In den Dienst der H( gestellt haben. An Stelle von Rabbiner Pr. Rosenthal wurde Pr. Baruch Kabane zum Lehrer der Präparandie berufen. Dem Bericht ist eine wissenschaftliche Arbeit des Dozenten Professur Pr Ismar Fl bogen über das Thema: „Die Feier der drei W allfahrts feste i m z w e 11C n T C m p e I" beigegeben. P ortbestand u n d \Y elterentwicklungderHoch- ■schule erheischen unbedingt eine Stärkung ihrer a i r t SChaf tIIch en O ru nd I ag e, Pas Kuratorium spricht daher die dringende Bitte aus. ihr in reichem Maße Jahresbeiträge sowie einmalige Gaben oder Stiftungen zuzuführen und es dadurch in den Stand zu setzen, den gesteigerten Anforderungen zu genügen und dL It auf einer den fortschreitenden Frfordernissen der Wissenschaft entsprechenden Höhe zu erhalten. Tagung des Makkabi-Well■ Verbandes in MähriscIpOstr, Vom 27, .w. Juni fand in Mährlsch-Ostrau eine Tagung , Makkabi-Welt-Vcrbandes statt, welche In Verbindung mit dem Tut Und Sportfest, das der tschechoslowakische Kreis anläßlich seil zehnjährigen Bestehens veranstaltete, sich zu einer großartii Kundgebung der Makkabibewegting gestaltete. Die folgenden M kablkreise waren durch Delegierte und Tausende von Turnern u Sportlern vertreten: Palästina, Frankreich, Belgien, Polen, Lltaui Tschechoslowakei. Rumänien, Oesterreich, Deutschland, Jugoslavl und Ungarn. Neiianmeldiingeii lagen vor von Makkabivereinen Südafrika und Argentinien. Von Nordamerika lag eine Bereitschaf erklärung der „Jewish Welfaere Board vor. In enge Verbindung n dem Makkabl-Welt-Verband zu treten, der ganz besondere Bede Iuris zugemessen wurde. Die Beratungen zeigten, daß trotz des kurzen Bestehens de Weltverbandes In den verschiedenen Kreisen Einigkeit Ober Ziel u Methoden ihrer Arbeit besieht, und daß der Makkabi Im Begriffe is die umfassende jüdische Jugendbewegung der Welt zu werden. I wurden eine Reihe von organisatorischen Maßnahmen beschlösset die der Festigung des Weltverbandes dienen sollen. Besonders hei vorzuheben verdient der Beschluß, in Palästina eine Ausbildung; stätte für jüdische Turn- und Sportlehrer zu schaffen, welcher d< Auffassung entspringt, daß die sportlichen Leiter mit den jßdlschc Gegenwartsfragen, insbesondere mit denen des Palästinaaufbaue vertraut sein sollen. Die Tagung beschloß ferner, im Jahre 1932, als ison Jahre nach der Erhebung Mar Kochbas, die erste jüdisch Olymplade In Palästina zu veranstalten. Das Präsidium wurde bc auftragt, zusammen mit dem palästinensischen Kreis die Vorberci Hingen unverzüglich zu treffen. Per Sitz des Präsidiums wurde nacl Merlin verlegt und Pr. Lelevver zum Vorsitzenden wiedergewählt Pie Rahmenveranstaltungen gaben der Stadt Mährlsch-Ostrau In Verlauf mehrerer Tage ein ganz eigenartiges Gepräge. Am Sonnabend nachmittag fand ein Jugendmeeting auf dem Sportplatz, statt, auf dem Pr. Wöllstein (Jerusalem), Pr. Rosenfeld (Kowno) und Pr. Lehrfreund (Leipzig) Ansprachen hielten. Abends fand im größten Saal eine öffentliche Kundgebung statt, zu der sie Ii die gesamte Judenheil Mährlsch-Ostraus, sowie die Tausende Jüdischer Sportler und Sportlerinnen eingefunden hatten. Per Saal war in Kürze überfüllt und es mußte eine imposante Parallelveranstaltung im Freien abgehalten werden. Neben den Vertretern der verschiedenen Makkablkrelsi sprachen unter anderem der Vorsitzende der Merliner Jüdischen Gemeinde, Georg K a reskI, der Prager Stadtrat Pr. Qoldst e 1 n unil Pr. Bloch von der zionistischen Exekutive in London. Umrahmt wurden diese großartigen Kundgebungen von gesanglichen und turnerischen Darbietungen, bei denen sich besonders die Makkabim aus Zagreb (Jugoslavicn) hervortaten. Am Sonntag morgen fand ein Umzug von etwa 2500 Makkabim statt, welche unter Vorantragung ihrer Fahnen und von vier Musikkapellen begleitet In kilometerlangem Zug durch die festlich geschmückte Stadt marschierten. Eröffnet wurde dieser Zug von einer berittenen Abteilung Bar Kochbaner. denen sich die Delegierten des Welt-Verbandes anschlössen. Die ganze Stadt stand Spalier und bewarf den Zug mit Blumen, wobei bemerkt wurde, daß sich auch die nlchtlfldische Bevölkerung lebhaft an den enthusiastischen WillkomniensgrülJeil beteiligte. Am Sonntag nachmittag fanden vor etwa 5000 Zuschauern die turnerischen und sportlichen Wettkämpfe von etwa 2000 Teilnehmern statt. Es wurden ausgezeichnete Leistungen geboten. Um so mehr ist es anzuerkennen, daß auch die Leipziger Teilnehmer 4 Siege erringen konnten. Kamerling belegte Im Weitsprung mit 6,61 m (!) den I, Platz. Benno Förster siegt im turnerischen Prei- und Neunkampf für alte Herren und Kurt Hönigsberg gelang es in einem packenden Endlaul das B00 m-Laufen für Junioren zu gewinnen. Die Tagung in Mährlsch- Ostrau war für alle Teilnehmer ein unvergeßliches Erlebnis, sie gab Zeugnis von der Kraft und Größe des Makkabitums, von dem unerschütterlichen Lebenswillen des lüdlschen Yolkes. Nachbemerkung: Pie Ufa hat für ihre Wochenschau verschiedene Aufnahmen in Mährlsch-Ostrau gemacht, die in den nächsten Wochen erscheinen werden und auf die wir an dieser Stelle schon hinweisen. KtouiWercK5^'^ \ —ff _1 Pralinen

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