Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 29 (19.7.1929)
- Date
- 1929-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Numrm 29 durch deren mechanische Auswirkung als drückende Fessel empfunden. Die Pflichten und Rechte seien durch Verträge In den meisten Fällen durch.hin geordnet Verstöße dagegen .seien kaum vorgekommen. Im Augenblick könne eine allgemeine Besoldungsordnung nicht geschaffen werden, weil die bestehenden Verträge entgegenstehen. Dagegen sei die Lehrerbesoldungsordnung dringend, weil hier Bindungen nicht vorliegen und Neuanstellungen unbedingt vorgenommen werden müssen. Herr Gottlieb glaubt, dal! Herr Pr. Pietrkowski tu wenig Vertrauen zum Vorstand hat. Die geplante Ordnung sei den Verordneten rechtzeitig zugegangen, so daß jeder sich unterrichten konnte. Herr Rosen fclder bittet, die Pflichten der Kultusbeamten festzulegen. Herr Dr. Pietrkow ski verwahrt sich dagegen, daß die Verordneten zu Vorlagen des Vorst.indes etwa nur Ja zu sauen hätten. Der Vorstand sei nach seiner Auffassung doch wohl nur ausführendes Organ der Gemeindevertretung, es bestehe nicht zwischen Vorstand und Verordneten das absolute Vertrauensverhältnis, das zu wünschen sei. Den Beamten müsse die Besoldung gewährt werden, die ihnen gebührt Au Lehrergehältern dürte am wenigsten gespart werden. Den Holxen, die die staatliche Besoldungsordnung mit sieh bringt, könne die Gemeinde sich auf keinen Fall entziehen. Ks sei schon vorgekommen, daß man Beamte an ihre Pflichten habe erinnern müssen. Andererseits sei es kein würdiger Zustand, daß Beamte sich wegen Gehaltsfragen an die Gemeinde wenden müssen, auch müßten sie das Gefühl haben, gerecht behandelt zu werden. Der Vorsitzende legte nochmals die Gründe dar. die eine Ordnung der Lehrerbesoldungen erheischen und ermöglichen. Bei den Lehrern sei es besonders leicht, sie in eine staatliche Besoldungsordnung einzuweisen. Herr Dr. Goldschmidt hält die Anregung des Herrn Dr. Pietrkowski. eine allgemeine Besoldungsordnung zu schaffen, für begrüßenswert, glaubt aber, daß dies nicht hindert, heute die Lehrerbesoldung zu ordnen. Ehrenpflicht der Verordneten sei es. persönliche Wünsche der Beamten gegenüber einzelnen Mitgliedern der Versammlung nicht anzunehmen. In bezug auf die Lehrerbesoldung ist Redner geneigt, durch erhöhte Besoldungssätze einen Anreiz zu schaffen, daß die tüchtigsten Lehrer zur Gemeinde kommen. Den Probevorträgen der Bewerber sollten die Mitglieder des Unterrichtsausschusses beiwohnen und auch sonst den Unterricht besuchen, Line weitere Wortmeldung liegt nicht vor. Der Antrag des Herrn I >r. Pietrkowski. die Ordnung zurückzuv erweisen, wird abgelehnt. Die Vorlage des Vorstandes wird angenommen. Hin Zusatzantrag des Herrn Dubiner. die Kinderzulagen wie beim Staat zu ordnen, wird abgelehnt. Herr I»r. Pietrkowski beantragt den Verordneten zu Beginn des Winters einen Besoldungsplan der übrigen Beamten und Angestellten zugehen zu lassen, aus dem ersichtlich ist. wie sie aufrücken. Dieser Antrag wird angenommen. .S. Herr Tumpowsky bittet, ihn aus dem Amt eines Mitgliedes des Unterrichts- und Hrzieliungsausschusses zu entlassen nj an seine Stelle den Privatdozenten Dr. Rosenbaum zu w Der Altestenausschuß hat dem zugestimmt. Die Gemeindesltzun schließt demgemäß. Herr Dr. STO10wl tSC Ii ist durch Wegzui Leipzig aus dem gleichen Ausschuß ausgeschieden, eine lirsat/ | findet nicht statt, weil sowieso im nächsten Jahr eine Neuwahl Ausschusses erfolgt. 6. Die Zuwahl zum Sächsischen israelitischen Gemcindevei ,j wird von der Tagesordnung abgesetzt. 7. Zu einem Aufruf für die Bibliothek der Universität Jerus m erklärt Herr Direktor Groß, daß eine Bewilligung in diesem nicht erfolgen solle, weil der Haushaltplan endgültig festgesetz Herr Tumpowsky stellt fest, daß die Gemeinden es mein mehr als Pflicht ansehen, diese Sache zu fördern. Die Horde von loiKl M. sei zu hoch, er empfiehlt. 200 M. zu bewilligen. Er weist auf die hervorragenden jüdischen Gelehrten, die zu Unrecht n übrigen Staatsvölkern zugerechnet werden, während sie dem Jui tum zuzuzählen sind. Die Universität Jerusalem sei geeignet, d e Tatsache in das rechte Licht zu rücken. Redner wünscht aber, der Universität Jerusalem eine steigende Aufmerksamkeit gewii werde. Ks werden 200 M. einstimmig als einmaliger Beitrag willigt. Herr Selinger erklärt es für Pflicht dies Werk mit \< t Liebe und nicht mit Gleichgültigkeit zu fördern. Dies sei Pflicht gesamten Judentums aller Anschauungen. Für diesen Zweck s i noch 1000 M. zu wenig, zumal 70°!. des Etats Zwecken zufließer., c von der Mehrheit der Gemeinde nicht benutzt werden. Frelv möge wenigstens dieser Betrag bewilligt werden. Der Vorsit/i le erinnert daran, daß die Aufgaben der Religionsgemeinde geset, festgelegt sind. Der Antrag Seiinger wird gegen fi Stimmen gelehnt. 8. Für die Prüfung der Akustik in der Halle des neuen Fl hofs kommt die Zuziehung eines bekannten Sachverständigen Frage. Herr Dr. Pietrkowski bittet zu erwägen, ob nicht i versuchsweise Bespannung vorzuziehen ist. Herr Pelz, bittet. Sachverständigen zu hören. Dem schließt sich Herr Tumpow sl an. Herr Dr. Michaelis zweifelt, ob die Vorschläge des Sa verständigen zum Ziele führen. Man möge Versuche mit einfaei Mitteln machen. Der Vorsitzende erwidert, daß die Krage einer 1 ligen Bespannung schon geprüft worden ist. Mau beschließt, d Sachverständigen zu hören. 10. Zur 2oo. WiederkeUr des Geburtstages Moses Mendel soll n s beabsichtigt der Vorstand die Veranstaltung einer Feier, i Vorsitzende trägt den Vorschlag des Herrn Dr. Gold mann hi< über sowie über eine Buchspende vor. Die Kosten werden auf ei 700 bis S00 Mark geschätzt. Hin Berechnungsgeld von 800 Mark w einstimmig ohne Aussprache genehmigt. Jüdische Verbände und Gemeinden Zehn Jahre Akademie für die Wissenschaft des Judentums Vor kurzer Zeit fand im Logenhaus zu Berlin die stark besuchte 10. Jahresversammlung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums statt. An Stelle des unpäßlichen ersten Vorsitzenden Herrn Aron Hirsch eröffnete der zweite Vorsitzende, Herr < Kkar W a s s e r m ■ n n , die Versammlung. Kr begrüßte die Erschienenen, insbesondere die auswärtigen Mitglieder, die Vertreter der Organisationen und der allgemeinen und indischen Presse. Nach kurzen Worten des Gedenkens lür den im Berichtslahre helmgegangenen Gründer der Akademie. Dr. Gustav Bradt. machte er Mitteilung von der Zuwahl des Herrn Professor Dr. Carl Lewin zum ersten Schriftführer des Verwaltum Vorstandes. Hierauf erstattete Herr Professor Dr. Julius Qu tt mann i! Bericht des Horschungs-Instituts. - Ein Jahrzehnt ist kein Zeitabi. im Leben einer wissenschaftlichen Institution, der zum Feiern 1 rechtigte. Indes, die junge Schöpfung von vor zehn Jahren ist der angesehenen heutigen Akademie geworden. Krüher mußte d jüdische Wissenschaft um die Öffentlichkeit werben: vor zehn Jahr, zum ersten Male rief das deutsche Judentum nach ihr. Der Akadem wurde das Ziel gesetzt, die jüdische Wissenschaft und zugleich dt jüdischen Qelehrtenstand zu verjüngen. Bis dahin waren die Träg« dieser Wissenschaft fast ausschließlich die Rabbiner und Lehrer, jei wurden Kräfte aus allen Fakultäten in ihren Dienst gestellt. Mitt> punkt für sie wurde das Forschungsinstitut, das in den ersten Jahn vier, im letzten über zwanzig Mitarbeiter zählte. Daß sie sich diesem kurzen Zeitraum wissenschaftliche Geltung erwarben, be KTOItWERCKsİde \ —/_1 Pralinen