Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 29 (19.7.1929)
- Date
- 1929-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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10 |uli 1929 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 v tete, und als im Jahre 1790 der Schutz- und Handelsjude Is iel Feibischer starb, schrieb er erneut au den Rat und bat (j. um, »Ihn doch in diese frei werdende Stelle treten ZU |j en", da durch den Tod des obigen sich die Anzahl der in I pzlg ansässigen Juden vermindert habe. Der Rat schwieg, rj wandte sich l.oeser an den Kurfürsten. Dieser ersuchte d Rat und die Handelsdeputierten tun ihr Gutachten. Währt I der Rat am 14. Januar 1791 an die Regierung berichtete, d gegen die Ansässigmachung „eine erhebliche Bedenklichl " nicht vorliege, schrieb die Leipziger christliche Kaufm mschaft an den Landesherrn: „Es ist unglaublich, wie sehr sich die Anzahl der luden seit dem siebenjährigen Kriege in Leipzig vermehrt hat! Denn anstatt, dali v 0 r m als nu r ei n e m J u den. des noch lebenden Gerd Lews Vater, unter dem Namen des M ü n z j u d e n . d e r A u f e n t h a 11 verstattet war. haben sich s e i t d e in 6 jüdisch e Familien aIIh 1 er etablieret, die wieder einen großen Anhang unter den Namen von Köchen. Bedienten au sich haben und sich durch Verheyrathungen und Kinderzeugen i in m e r w e 11 e r ausbreite n." Dieser Leute dewerbe ... bestehet größtenteils in Wucher, und wie schädlich sie in dieser Rücksicht sind. ... ist nicht zu beschreiben. Sie begünstigen rohe jugendliche Gemüter durch wucherische Vorschüsse, ja nicht selten verleiten sie Handlungsdiener und Jungen, Markthelfer und Dienstbothen zur Untreue. Dleberey und Pacthiererey. nehmen gestohlene und unterschlagene Sachen von ihnen an. verkaufen sie heimlich oder schaffen sie auswärts, wozu sie durch ihre Bekanntschaft und Verbindungen mit den Juden in angrenzenden Ländern und entlegenen Landen Kar gute < ielegenheit haben. SOdaß mit der Anzahl der Juden auch das Verderbnis der Sitten und der Verfall der Handlung und allen rechtmäßigen (iewerbes in gleichem Grade zunimmt ... Zudem vermag ja nicht einmal gedachter Loeser Philipp, der. soviel uns bekannt ist. Kar kein Vermögen besitzt, anzugeben, womit er sich künftig zu nähren gedenke, social! also von dessen künftigen Aufenthalt und Etablissement allhier für das Beste der Handlung und des Commercil Kar kein Vortheil zu erhoffen, wohl aber für das Allgemeine gewisser Nachtheil zu befürchten ist . . ." Dieses gehässige christliche Gutachten bestimmte den Kurfürsten, Loeser Philipp am 4. August 1791 abschlägig zu bescheiden. Einige Jahre später aber «estattete er ihm doch noch die Ansässigmachung. Gemeindesitzung: vom 15. Juli 1929 Amtliche Niederschrift Gemeindevorsteher Goldschmldl leitet die Gemeindeuns. I'er erste Punkt der Tagesordnung sieht Änderungen der Wahlordnung vor. Diese betreffen in der Hauptsache die Art der Wahl durch Reichsangehörige und Nlchtreichsangehörige, den StimmaucI und die Zusammensetzung des Wahlgerichtes. Herr Tu mpowsk y bittet, es bezüglich der Wahl von Reichsgehörigen und Nlchtreichsangehörigen bei dem bisherigen Stand zu belassen und. nachdem die Frage im Altestenausschuß besprochen irden ist. von einer Erörterung abzuseilen. Herr Sei Inger iragl Ii drm Schicksal seines Antrages auf Änderung des Gemeindestatuts, der nach Auskunft des Gemeindevorstehers nicht auf die l'agesordnung gesetzt worden ist. weil Herr Stein heute nicht anesend ist. der ebenfalls einen Antra« auf Änderung des Gemeindeituts eingebracht hat. Dagegen möBte die Wahlordnung heute beindell werden, damit ilie Wahl Lude des Jahres ordnungsgemäß vor ch Kehen könne. Herr ('. ottlieh sieht die Frage, hei der es sich n die räumliche Trennung der Wahl von Reichsangehörigen und ichtreichsangehörigen handelt, nicht vom Parteistandpunkt an. er ilt die räumliche Trennung für zweckmäßig. Herr Dubiner siehl darin eine Verschlechterung des bisherigen Rechtes, worauf sie ein- Immlg abgelehnt wird. Aus Zweckmäßigkeitsgründen wird eine Änderung des S .=> dangehend vorgenommen, dali statt des Wahlausschusses der Gecindevorstand den Wahltag festsetzt und sonstige Förmliclikciler ledigt 8 fi erhält einen Absatz 5. wonach jeder Wahlvorschlag durch ne Überschrift dergestall gekennzeichnet werden muH. dali erstehtch ist. von welcher Partei der Wahlvorschlag ausgeht. Die Änderung des $ II sieht einen einheitlichen Stimmzettel vor. ierr Seiinger wünsch! eine Numerierung der Wahrvorschläge Iii dem Stimmzettel, was zugesagt w ird. Im übrigen wird die Audeung einstimmig angenommen. Die Änderung des S 12 gestattet, einer Uberfüllung des Saales i Ermittlung des Wahlergebnisses vorzubeugen; die Änderung wird genommen. Durch eine Änderung des S 19a werden Änderungen in der Art es Wahlprüfungsverfahrens vorgenommen, die lediglich die Form e treffen. 1. Zu Mitgliedern des Wahlausschusses werden nach kurzer Ansprache gewählt: I ran Felsenstein und die Herren Dubiner. Kaufmann, Seiinger, ir. Conrad Goldschmidt und Dr. Halberstam. Der Gemeindevorsteher führt nach der Wahlordnung den Vorsitz. Der Vorsitzende berichtet, dali der Vorstand erneut mit dem Rai wegen Erwerb von Gelände zur Erweiterung des neuen Friedhofes verhandelt hat. Die Einräumung eines Vorkaufsrechtes hat der Rat abgelehnt, aber günstigere Zahlungsbedingungen zugestanden. Herr Lustig ist gegen den Ankauf, ebenso Herr .1 o s k e . da der Gemeinde neue erhebliche Belastungen erwachsen. Herr Rosenf eider schließt sich dem au. Herr II o d e s empfiehlt den Ankaui. den Kaufpreis könne man auf Anleihe übernehmen. Man solle bedenken, daß mau den kostspieligen Hau auf möglichst lange Zeit benutzbar machen möchte. Später könne man Gelände nur in weiter Entfernung von der Stadl bekommen. Herr Joske bleibt dabei, dnli die geldliche Belastung zu croU sei: man brauche nicht für einen Zeitpunkt Vorkehrungen zu treffen, der erst nach 70- 80 Jahren eintritt. Herr Dr. Goldschmidt weist auf die sonstigen Lasten der gegenwärtigen Generation hin und bittet, von dem Kauf abzusehen. Auch Herr Dr. Halberstam hält die Belastung für zu Kroli. mit den Aufwendungen, die nötig sein würden, könne man vielleicht einen neuen Friedhol bauen. Herr Tumpowsky schließt sich den Vorrednern an und bittet, wenn Geld aufgebracht werden kann, es lieber für Turn- und Sportplätze auszugeben. Der Vorstand zieht seinen Antrag zurück. Auf einen Antra« der ( hebra Kadischa zur Friedhofsordnung wird nach längerer Aussprache Obernau« zur Tagesordnung beschlossen. 4. Uber die geplante Ordnung der Lehrerbesoldung ist den Mitgliedern der Gemeindevertretung eine kleine Denkschrift zugegangen. Herr Dr. Pietrkowskl beantragt, die Lchrerbesoldung von der Tagesordnung abzusetzen und mit einer allgemeinen Besoldungsordnung zusammen und zugleich mit einer Ordnung Ober die Pflichten und Rechte aller Beamten vorzulegen. Er hält den gegenwärtigen Zustand für uzuträglich. Der Versammlung müsse ermöglicht werden, sich ein genaues Urteil über Eignung und Ausbildung der Beamten zu bilden. Auch die finanzielle Auswirkung müsse klar erstehtlich sein. Die Besoldungsordnung soll nicht der staatlichen angenähert werden, sondern mit dieser identisch sein. Alle Beamten sollten eingewiesen werden, um iiir die Zukunft alle Debatten über die Besoldung zu vermeiden. Wesentlich sei diese Ordnung auch iiir die Durchführung des Sparprogramms. Der Vorsitzende erw idert, daß vor einigen Jahren die Reichsbesoldungsordnung eingeführt wurden, aber auf Betreiben der Gemeindesitzung wieder abgeschafft worden ist. Gerade unter der Herrschaft der Retehsbesoldungsordnung waren die Debatten über die Einordnung an der Tagesordnung, die Gebundenheit an die Reichsbesoldungsordnung wurde seitens der Gemeinde