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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-07-19 · 29 (19.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
29 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nuninu 29 In Leipzig ansässige Juden I"Sä: i. Dei Hoflieferani und MUnzJude Ii.t r 11 c 11 Aaron Levj zahlte bis mit 1784 jährlich: 7n Reichsthlr.;iK den gewöhnlichen Satz der .luden: 12 .. als Hoflieferant für seine Person: 30 ,. für sein Eheweib, .'ii „ .. tür seine 4-Kinder, o .. .. seinen Buchhalter David Hirsch, 4 „ 12 Groschen .. seinen Bedienten Pincus Israel. „ ., benannten Hirschen* lihcweib Hendel Hirsehin als seine Köchin; ld Qroschen für seine Kindermuhme, Maria Hofmann, eine Christin. Sa.: 14d Reichsthlr. -I droschen .'. Her Schutzjude Israel Peibis c Ii zahlt pro .lalir: 7(i Rchsthlr. iür sieh, .?(( .. .. seine Frau. 2(i .. .. vier Kinder. .i ., .. seine Hausmagd Rebecca, .. sein Kindermädchen Slese. Sa.: 126 Tille. 3. Der Schutzlude Klkan Hertz') zahlt pro Jahr: 7(i Rchsthlr, Groschen iür sieh, .in ., .. .. seine Frau, Iii .. .. .. seine zwei Kinder. .. .. .. seine Kflchenmagd Glücke. Sa.: IM Iv'eliMlilr, dröselten. Einige Schutzjuden, deren Einkünfte geringer sind, entrichten ein jährliches Köpfst e n e r I i X U m . so: ■l. du Thaler der Schutzlude Levy Oerd'1), iür sieh, seine Frau, zwei Kinder und zwei Bediente (lt. kisi'. Reskript vom Ii. Januar 17691. 5. In .. der Schutzj ude und Schulbediente der polnischen Schule Löbcl Levy für sieh, seine Frau und Kinder (lt. Reskript vom 24. April 17i>"M. (>. 15 .. der Schutzjude und Schächter Abraham Markus, welcher ein lalir um das andere von den hiesigen Schutziuden eingegeben und verrechnet wird, für sich, seine Frau und Kinder (It. Reskript vom 27. Januar 1775. Außerdem wurde von den handeltreibenden und ansässigen Juden noch die Akzise (Warenzoll) erhoben; Baruch Aaron Levy hatte hierfür pro Jahr 60 Taler. Israel Feibisch 24 l aier und Llkan Herz 28 Taler zu entrichten. I lem Kurfürsten w ar durch den Tod seines Hofagenten Levy ein empfindlicher Steuerverlust zugefügt worden. Um hierfür einen Ausgleich zu schaffen. genehmigte er am 14. März 1786 die Ansässiginachung David Hirschs zum höchsten „landesherrlichen" Steuersatz. Darnach hatte er zu zahlen: 7o Taler für sieh. ."Iii Taler für sein Weib. Kl Taler für seine 2 Kinder und .3 Taler für ein jüdisches Dienstmädchen. Der junge Kaufmann aber schrieb bereits am 4. Juli 1786 an den Kurfürsten, dal! es ihm gänzlich unmöglich sei. diese hohe Steuer zu entrichten, denn „Handel und W andel seien in Verfall, auch habe er für Ablieferung eines schweren .Mietzinses, welcher besonders denen Juden abiner. wenn sie unterkommen wollen, bekanntermaßen sehr hoch angerechnet würde, besorgt zu seyn". Wolle er ..ein ehrlicher Mann bleiben, dann könne er diese hohe Steuer nicht entrichten!" Man schien dies höheren Ortsauch einzusehen, denn der Kurfürst gab Anweisung, ihm die Steuer für sich, seine Trau. Kinder und ein jüdisches Dienstmädchen •) Siehe meinen Artikel in Nr. 2v (1928) dieses Blattei Uber ..Flkan Herz, den Freund Moses Mendelssohns". •) Gerd Levy, ein bedeutender indischer Kaulmann, verlor durch seine Ehrlichkeil im Siebeniihrizen Kriege den größten Teil seines Vermögens, Fr war der liruder liarueli Aaron Lews. auf 80 Taler zu ermäßigen. Aber auch diese Summe ko das Geschäft David Hirschs nicht tragen. Er bat dahei u 8. Dezember 17NS um nochmalige Ermäßigung. Der Kurl m ordnete aber eist im Jahre 17(J(> au, dal.! sein SteuerflXUll ,i od Taler pro Jahr ermäßigt wurde. II. In den achtziger und neunziger Jahren des LS. Jahrl derts zählte die Judengemeinde zu Leipzig demnach sechs sässige Familien. Zu diesen Familien gehörten noch eine Reibe von diensteten, die oft Jahrzehnte lang Ihren Herren dienten, hatte z. B. der Schutz- und Handelsjude (ierd I.evy zwei diente, die aus Dessau stammenden Kauflcute Sani 1 I.evy und Loeser Philipp. Heide zahlten dem l> fürsten pro Jahr .1(1 Taler Koptsteuer und genossen dafür neu Schutz. Solange sie im Dienste ihres jüdischen IL; standen, durften auch sie in Leipzig wohnen bleiben. Bt waren tüchtige Kaufleute und wurden von den christlicl Berufskollegen wegen ihres Handelstalentes viel angefeii und gehallt. Am 8. Februar des Jahres 1776 ging ein angeblich \ i Leipziger Juden verfaßtes „Pro Memoria" beim Rate Stadt ein. in welchem „ungenannte" Juden (?) verlangten, beiden „den Aufenthalt in der Stadt nicht länger zu gestath , denn „sie hielten sich t ä g I i c h o Ii u weit v Reichsstra Iie i m B rUh 1 e auf. d a m i t sie den Br üh1un d d1e Ha 111 sc h e Ga s s e flbe r se h e n kön - t e n . und all e s a U f k a u f teil, w a s z u e r Ii a u d e wäre". Der Rat reagierte auf diese angeblich von Jiu stammende Denunziation und entschied, dal! die beiden i Stadt sofort zu verlassen haben. Da trat aber derd Levy. ( lief, auf den Plan und schrieb dem Rate, „daß die Angaben über seine Diener erdichtet seien, de mau habe sie nur gemacht, um ihn selbst aus der St. zu verdrängen. Man weil! genau, daß ich alter Mann oli Bediente mein Gewerbe nicht treiben noch ohne sie mi ernähren kann. Man will mich blos um deswillen Ii nicht leiden, weil ich .icelerzeit aüe ungerechten Mittel Bereicherung verabscheut habe. Eben diese mir eig^ Gesinnung ist auch die Ursache, daß ich im letzten Krie (dem siebenjährigen) nicht mit dem in preußischen Ha* den damals befindlichen Münzwesen befaßte . . . AI eben dieses war auch die Ursache, dal! ich mein V mögen, womit mich Gotl vor dem Kriege gesegnet hat in selbigem einbüßte . . ." t.erd Levy sagte noch in seinem Briefe an den Rat, d; er hier in Leipzig geboren und erzogen worden sei und sie jederzeit treu und ehrlich aufgeführt habe. Seine Konzessio sich in Leipzig ansässig machen zu dürfen, stamme aus de Jahre 17.1S. Übrigens habe der Kurfürst seine Verdienste Dt reits im Jahre l7o'> dadurch anerkannt, dal! er ihm seine IV sonensteuer auf 60 Taler ermäßigte, weil er. w ie es in dei Reskript heiße, „sich seit langen Jahren jederzeit stille un ordentlich betragen habe". Diese Fürsprache des beim Lai desherrn angesehenen Juden bewirkte, dal! der Rai den be den Handelsdienern den Aufenthalt weiter gestattete. Loeser Philipp aber sehnte sich darnach, selbständig / werden. Am 4. Dezember I7S7 schrieb er deshalb an den R und bat ihn. daß er ihm gestatte, „eine eigene Handlung zu e öffnen, wofür er der Stadt pro Jahr 20 Taler und außerdc eine jährliche Kopfsteuer von 40 Relchsthaleru bezahlen wollt Er sey ja seit bereits \J Jahren bey dem hiesigen Schutzjude! (.erd Levy in seinem alllüer geführten und geschützten Hand«, bedienstet, auch habe er sich jederzeit ehrlich, ordentlich um unbescholten betragen." Der Rat aber beschied ihn abschlägig. Loeser Philip]

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