Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 28 (12.7.1929)
- Date
- 1929-07-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Numrm 28 KTOltWERC^sÄIJde | —J 1 Pralinen über den Untergang von Sodom und Gomorrha überliefert sind, sicli tatsächlich am Südrande des Toten Meeres abgespielt haben, so können wir auch heute nicht mehr an der seinerzeit wirklich hereingebrochenen Katastrophe der Sintflut /weifein. Jüdische Verbände und Gemeinden Professor Julius Goldstein (Darmstadt) gestorben Dr. Julius (1 o 1 d s t e i ii. Professor der Philosophie an der Hochschule In D a r Iii s t a d t. ist am Montag, dem 24. Juni, abends, kurz vor Vollendung seines 56. Lebensjahres, nach langem schweren Leiden sanft entschlafen. Aus den Kreisen, die dem Verstorbenen und seinem Lebenswerk nahestanden, wird uns mitgeteilt: In Professor Dr. Julius Qoldstein verliert die deutsche Wissenschaft, das deutsche Judentum eine Persönlichkeit, in der sich wissenschaftliche Vertiefung und praktischer Blick in seltener Einheit verband. Sein literarisches und rednerisches Wirken «alt vor allein dem ZurQckdfimmen der Bestrebungen, die den deutschen luden und den luden Oberhaupt als minderwertiges Objekt in der Politik, der Wissenschaft und der Kunst hinstellen wollen. Bekannt geworden ist er ander durch seine allgemeinen philosophischen Schriften auch durch seine im Philo-Verlag erschienenen Schriften „Rasse und Politik" und ..Deutsche Volksidee und deutschvoikische Idee". Als Herausgeber der Zeitschrift ..Der Morgen" hat er sich weit über die Grenzen Deutschlands einen Namen gemacht Erst in letzter Zeit leitete er Hayes bedeutsames Werk ..Nationalismus" mit klugen Worten ein. Der Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens betrauert in ihm gang besonders einen immer bereiten Helfer und Berater auf allen Gebieten kultureller und wissenschaftlicher Arbeit. Goldstern war auch MitKÜed des Biidungsausschusses der QroBloge für Deutschland. Um Julius Goldsteins Ernennung zum Professor entbrannte seinerzeit ein antisemitischer Streit, in dein Rudolf Lücken und Ernst Troeltsch öffentlich für Goldstein eintraten. In seiner Philosophie neigt Goldsteill dem Pragmatismus James' zu, dessen ..Pluralistisches Universum" er 1913 übersetzte. Dank seiner Kunst, in schwierigste Probleme leicht einzuführen, sind seine Bücher wertvoll. Vor allem beschäftigen ihn die Probleme der beutigen Kultur. Er schrieb: „Untersuchungen zum Kulturproblem der Qegenwart", 1899; „Die empiristische Geschichtsauffassung David Humes", 1903; „Wandlungen in der Philosophie der Gegenwart". 1911; ..Die Technik", 1 «J12: ..Aus dem Vermächtnis des IV. Jahrhunderts". 1V22. Der Elf-Millionen-Etat der Berliner jüdischen Gemeinde Die Sitzung der Repr&sentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde vom 7. Juni war der Beratung des Haushaltentwurfes für l';.?1/ gewidmet. Rosenthal (IIb.) Im« den Ausscbuß b e r i c h t vor. Aus ihm ergibt sich: Der Etat schnellt in Einnahmen und Ausgaben ab mit II 026000 M. gegenüber knapp IOimmiooo M. im Etatjahr Der Steuereingang übertraf im letzten Etatjahr den Voranschlag von 6 :......'Ki M. um 1 j Million Mark. An den Erhöhungen der Anschläge sind vor allem die Kapitel „Gemeindeverwaltung" (Gehälter) und ..Krankenhaus", daneben die Zinsenlasten für die neuen zu bauenden Synagogen beteiligt Hierauf entwickelte der Gcmeindevorsitzende Kareski das . e. meine Programm der Genieindcarbeit auf der Qrun c des Etats: Die Befriedung im Kampfe der jüdischen Germ Parteien hat die Vorstandsarbeit befruchtet. Es herrscht wieder all •- halben Vertrauen zur Solidarität der üemeiiideverhältnisse, wie u j anderem die neuen groBzügigen Stiftungen beweisen. An posl Leistungen sind zu buchen: Bau der beiden neuen Synagogen j des Altersheims, Uebernahme des Ericdcns- und des Qrunew. dtempels, sowie von Tempeln der Vorortnemeinden, Berufung In tender Rabbiner und Kantoren, Ausgestaltung des Gemeindebl.r s, Schulhatisiiciihau, Ausgestaltung der jüdischen Volksschule, r Bibliotheken und besonders der jetzt immer mehr bekanntwerden n Kunstsammlung, Gründung des statistischen Bureaus, Rcornauisa n des Kaschruthwesens, Errichtung des Beth-Din, Um- und Aus>u tung des Wohlfahrts- und Jugendamtes, Gründung eines Lech - heims, Uebernahme der Arbeiten und Aufgaben zahlreicher Prl - Organisationen und günstige Qrundstückkiufe. Die Rontgeneinrichl - im Krankenhaus entspricht jetzt dem neuesten Stande der R genologie. Die Besoldungsverhältnisse der Gemeindeangestellten! jetzt in zufriedenstellender, groBzügiger Weise geregelt. Die meinde unterstützt die Jugendbewegung in ihren geistigen und spi - liehen Bestrebungen. Sie ist die Haupttrügerln der Landesverbai und der kommenden Reichsverbandsarbeit, und über Deutschla s Grenzen hinaus bekundet die Gemeinde bei jeder Gelegenheit il rc brüderliche Solidarität mit allen Judengemeinden und jüdischen In essen in der Welt. Dabei wird sparsam «ewirtschaftet und eine MMiung der Steuerquote (10%) wird nicht in Betracht gezoj Motto der Genieindcarbeit ist: Sparsamkeit in der Verwaltung, \ meidung unproduktiver Ausgaben, aber Einsetzung aller Kräfte die Aufbauarbeit am Judentum! Zu lösen bleibt das schwere Probit i der religiösen Indifferenz von etwa 50% der Berliner Juden, Behebung der jüdischen BIMungsmlngel der Jugend, die Errichtn . eines Tuberkulosenhelms, Schulbauten, Synagogenrenovierungen, B i eines Gemeindehauses und eines zweiten Hospitals, Der Kreis d Mitarbeiter im Ehrendienst der Gemeinde muß wachsen. Das 7 aller Arbeit bleibt: Die Lösung der jüdischen Aufgaben unserer <i Iteration! (Allseitiger lebhafter Beifall.) Die Generaldebatte eröffnet Dr. Klee (Volkspartei): Ai ZUgehen ist davon. daB die Gemeinde nicht für sich besteht, sondi lebendiges Glied ist in der gesamtjUdlschen Schicksalsgemelnscha Ein Ansatz nach dieser Richtung ist die Stiftung des Lehrstuhls der Jerusalemer Universität, für den erstmalig 15 000 M. chiKcsi sind. Weitere Forderungen in dieser Linie werden {oIkcii. Klee foi dert Synagogenneubauten neuen Typs: in der Mitte ein schlich' Betraum, um ihn gruppiert ein ..Gemeindehaus" als Zentrum jud sehen Lebens und Arbeitens. In der Schulpolitik müssen wir uns d „Adass Jisroel" zum Vorbild machen. Ein jüdisches Schulnetz ist / schaffen. In der sozialen Arbeit muß sich jüdischer Zedakah-Qel mit modernsten Arbeitsmethoden paaren. Ueberall ist ein jüdiselu Milieu zu schaffen: zunächst in Kranken- und Entbindungsheimen tu iür die Jugend in den Schulen. Er dankt Kareski und allen Venn wörtlichen für die Belebung der Gemeindearbeit. Diesem Dank schließt sich Prof. Türk (Hb.) an: Er bekennt, di Bewilligung eines Prunkhauses, wie das der Synagoge in der Prin. rcKentcnstraßc und wohl in der Klopstockstraße sei ein Fehler e.i wesen. Ein jüdisches Milieu sei zu begrüßen, aber die ZUgespitzl Formulierung Dr. Klees könne auf das Verhältnis zu der nicht jüdischen Umwelt ungünstig einwirken. Der Aufbau eines jüdiselu höheren Schulwesens ist zu vermeiden. Vor der Schaffung von Ein Häuser / Hypotheken / Hausverwaltunsen fi?j?| REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG I i LEPLAYSTRASSE 3 GEGRÜNDET 1907 FERNRUF 23576 ^Sygr