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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-06-28 · 26 (28.6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLAT1 DER ISRAELITISCHEN REUG10NSGEMEINDB ZU LEIPZIG eines Thoraschreins, seiner (ieräte und Verzierungen. Im Mittelpunkt Ist der Thoraschrein als ein giebelartiges (iebäude dargestellt. Seine Front weist zwei Flügeltüren auf. die in je vier Felder geteilt sind. Jedes der vier Felder zeigt Nachbildungen von Schnitzornatnentik. Über den Türen Synagoctnruint in Galiläa trägt eine Leiste drei Vasen. Oberhalb der Vasen sieht man eine Conche, über der vom (iiebclvursprung herab die Ewige Lampe hängt Am" den Akroterien steht je ein Vogel — wahrscheinlich die Cherubim der Bibel. Zu beiden Seiten des Thoraschreins stellen zwei siebenarmige Leuchter, bei denen man zwei \\ idderhurner. sowie Abbildungen von Thorarollen in Theken sieht, aus dem die Umbilici herausragen. Rituelle FeststräuBe und Citrusfrflchte (Lulab und Ethrog) finden sich unter den Abbildungen. Unterhalb der Leuchter flankieren zwei brüllende Löwen den Thoraschrein. Sträucher und V ögel füllen den freien Kaum. An dieses Feld schließt sich das rechteckige Feld des Zodiaks an. das hier den Mittelpunkt des ganzen Mosaiks bildet. Im Zentrum sieht man die figürliche Darstellung der Sonne mit einem Strahlenkranze auf dem Haupte, auf einem vierspännigen Wagen thronend. Die freien Stellen sind mit Halbmond und Sternen bedeckt. Konzentrisch zu dem kreisförmigen Mittelstück sind die zwölf Sternenbilder angeordnet. Das Jahr beginnt, wie aus den Inschriften klar ersichtlich ist, mit dem Widder — dem Sternbild des ersten Frühlhigsiiioiiats. Besondere Erwähnung verdienen folgende Bilder: 1. Das Bild der ..Zwillinge", die eng verbunden gleich siamesischen Zwillingen dargestellt sind. 2. Die „Jungfrau", die mit Ohrringen und anderem Schmuck behängt auf einem Thronsessel sitzt. 3. Das Abbild der ..Waage", das einen Mann zeigt, der in seiner Rechten eine W aage hält. 4. Der „Schütze", der in der Linken einen Bogen hält. 5. Der „Wassermann", der das Wasser aus einer Zisterne schöpft. In den vier Feldern des Rechtecks, das den Zodiakus umspannt, sind vier Darstellungen der Jahreszeiten angebracht, die durch geflügelte Genien versinnbildlicht werden. Am künstlerischsten ist das Bildnis des Herbstes. Die ('.estalt trägt ein Diadem. Ohrringe und Sclunuckbehang. der hauptsächlich aus Smaragd. Amethyst und Topas bestellt, zu deren Wiedergabe man Glas Würfel verwendet hat. Bemerkenswert ist, daB die Genien blondes Haar tragen. Guterhaltene heb |. sehe Inschriften finden sich neben jeder Abbildung. Das anschließende Feld ist einer Darstellung der 0 rung Isaaks gewidmet und zeigt einen Aufmarsch aller teiligten Personen von links nach rechts. Links stehen lie beiden jungen Diener mit dem aufgezäumten Esel. Der Dil r rechts von dem Tier hält in der rechten Hand die Zügel in der linken eine Peitsche. Neben ihm sieht man einen \\ kl r, der an einem Busch angebunden Ist. Uber dem Widder fii »t sich ein Zitat aus dem Alten Testament, das auf den biblisi n Vorgang hindeutet. Eine ausgestreckte, von einem Stral. i kränz umgebene Hand symbolisiert das Eingreifen Gottes irj weist auf Abraham, der sich nach ihr umwendet, um den i| Gottes aufzunehmen. Uber der Hand führen einige hebräh e W orte den himmlischen Befehl an. Abraham selbst ist als n ältlicher, bärtiger, wohlbeleibter Mann dargestellt, des i lauger Mantel bis auf den Knöchel lerabfällt. In der Ree! n hält er ein langes Messer. Die Linke fallt den Sohn Jizd der nackt in sehr hellen weichen Farben als junges Knäbl n mit gebundenen Händen dargestellt ist. Rechts steht r Opferaltar mit lodernden Flammen. Zu beiden Seiten Mitteltiir trägt das Mosaik Bilder eines Löwen und eines Bis v oder Stiers. Zwischen den beiden Tieren wurden zwei schriften — die eine in aramäischer, die andere in grie - scher Sprache — gefunden. Die griechische Inschrift entii It die Namen der beiden Handwerker Marianus und seines S ines Hanina, die das Mosaik legten. Die leider zum Teil / störte aramäische Inschrift gibt die Zeit der Anlage des 1 saik an, sowie die dafür verausgabte Geldsumme und Namen der Stifter mit den üblichen Segensformeln. Von al - dem hat sich noch folgendes erhalten: „Dieses Mosaik wu: im Jahre ... der Herrschaft des Kaisers Justinus gelegt" u^ . Sukenik vermutet, daß es sich um Justin L. 517-528, hand< SynaRoftcnruinc am Grabe des K. Simon b. Juchai in Mcron so daß wir es also mit einer Synagoge aus dem Ende deersten Viertels des f>. Jahrhunderts n. Chr. zu tun haben. Die aus der ganzen Welt versammelten Archäologei folgten mit gespanntem Interesse den Ausführungen Prof Sukeniks. Gemeindesitzung vom 24. Juni 1929 (Amtliche Niederschrift) Der Gemeindevorsteher widmet bei Eröffnung der Siizim« dem Hilfst verstorbenen Lehrer der Rcligtoasschulc I, Herrn Oral, einen herzlichen Nachruf, der von den Anwesenden itehend angehört wird. her Vorsitzende berichtet, daB die Qemeinde mit dem Rat der Stadt Leipzig in Verhandlung «dreien ist wegen Erwerb von weiteren 30WKI qra Qel&nde für den neuen Friedhof, um eine möglichst lange Benutzung des Friedhofsgebäudes zu steuern. Herr stein reut au, den Rat zu ersuchen, das Angebot auf ein Jahr hinauszuschieben. Herr Dr. Qoldschmidi glaubt, daB man der gegen-

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