Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 26 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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(taetaöebktt: Z ER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEME-IN DE ZU I t|D7I^L AMTLICHES NACHRICHTENBLATT liM I Im l\7 DER GEMEINDEVERWALTUNG« 1 i Crmrlndrhlatt cnwhrlnt |rdon IVrllag und wird , Mlt|(llrdt'rn der Kell|iloiisK<°nirlndc unrncgrlllldi 1 dl dir l'ost zutirtlclll - S < h r 1 1 1 1 e 1 I >■ n k : ( nrlndcrabblnrr (!uil«v ('(ihn, Lclpzl«, LAhrMrattt' l() NUMMER 26 / JAHRGANG 5 FREITAG 28» JUNI 1020 An/flm-nvcrwaltunp und Druck: Buthdruikorrl August Prien, Leipzig, BrüiliTHtr. 5<> - IVrnrul 7iH)(H» - l'ostsdicdL Leipzig - Nudidrudt nur mit QueUen- Htiguhr und mit (•«-nrhml^uu^ den \ erliissers nestjittet NEUE SYNAGOGENFORSCHUNGEN de ha vo pc Auf dein Internationalen Archäologen-Kongreß in Berlin hielt Herr Professor Sukenik von der Hebräischen ■ Universität in Jerusalem ein vielbeachtetes Referat über; Stand der neuesten Synagogenforschung in Palästina. Ks Jele sich um ein Gebiet, auf dein die bahnbrechende Arbeit 1 deutschen Gelehrten geleistet wurde. Iis war die Kxlition der „Deutschen Orient-Gesellschaft", die in den Jah- 1 1905 und 19(17 unter der Leitung von Kohl und Watzinger Synagogen in (ialiläa teilweise ausgrub, wobei es gelang, Grundform der antiken palästinensischen Synagoge feststellen und vieles der alten Synagogen-0rnamentik zutage bringen. Die Hebräische Universität in Jerusalem beabsichtige, in r nächsten Zeit eine totale Freilegung der alten Synagoge rzunehmen. Vorläufig sind nur zwei der von Kohl und atzinger teilweise freigelegten Synagogen völlig ausgegran: die bekannte Synagoge von Kapernaum (Teil Hum) und die Synagoge von Chorazin (Keraze). Die Ausgrabung der Kapernaum-Synagoge haben die Franziskaner beendet: deren Bauzeit verlegt Orfali in das erste Jahrhundert. Wichtigere Resultate haben sich bei der völligen Freilegung der Synagoge von Chorazin ergeben, die das Antkiuitäten-Departei ent der Palästina-Regierung vorgenommen hat. Prof. Sukenik wandte sich der Tätigkeit der „J ü d i - C h e n Archäologischen Gesellschaft" in Jeruilem zu, die sich mit dem neuen Synagogenfund bei Tibcas bcfal.it hat. Die Ruine dieser Synagoge wurde beim Wege- 111 nahe Tiberias entdeckt. Die Bauform ist die bei allen vnagogen Palästinas übliche Basilikaform. Von besonderem iteresse sind Reste des Thoraschreins mit klcin-arehitektoischen Bildwerken wie Säulchen und kleinen Türen mit larmorbelag. Aulkrdem sei eine steinerne Menorah erwähnt, ie erste ihrer Art, die man in einer antiken Synagoge enteckt hat. Hin ganz neu entdeckter Synagogentyp ist eine Synagoge el Jericho, die im letzten Kriegsjahre aufgefunden wurde, als Ine Bombe aus dem türkischen Lager nahe Jericho in einen lüliel einschlug, und die Engländer tags darauf Teile eines ifosaikfuBbodenS mit einer aramäischen Inschrift freigelegt anden. Diese Synagoge wurde nach dein Krieg von den »oininikanern ausgegraben, wobei reicher dekorativer Zieat ans Licht gebracht wurde. Auch diese Synagoge ist im iiasilikastil angelegt und ist von Vorplatz, Hof und Seitengebäude umgeben. Am bemerkenswertesten ist der Mosaikfußboden des Mittelschiffs; er weist verschiedene Abbildungen von Vögeln, Tieren. Früchten und dergleichen auf. Der Innenkreis umschließt das Mittelstück: eine figürliche Darstellung der Sonne, die auf einem Viergespannwagen einherfährt. Um dieses Mittelstück sind in Kreisform die zwölf Sternbilder angeordnet In den vier Ecken sind Figuren angebracht, die die vier Jahreszeiten symbolisieren. Hebräische Inschriften erläutern den Sinn der Darstellungen. Die Bilder sind leider fast nur in den Umrissen enthalten. W ir haben hier dieselbe Erscheinung, die mau auch in anderen antiken Synagogen beobachten konnte: offenbar haben die Juden in einer späteren Periode der Bilderstürmerei alle figürlichen Darstellungen zerstört oder gänzlich entfernt. Oberhalb des Zodiakus schließt sich eine weitere Darstellung an, die man nur dank einer guterhaltenen hebräischen Inschrift deuten konnte. Von rechts und links schreiten zwei Löwen auf eine in der Mitte befindliche Figur zu. von der nur Reste beider Hände enthalten sind. Die Inschrift zeigt den Namen Daniel, offenbar handelt es sich um eine Darstellung Daniels in der Löwengrube. Im Südteil des Baus zeigt der Mosaik die Darstellung eines Thoraschreins. flankiert von zwei siebenannigen Leuchtern. In den letzten Monaten ist eine zweite Synagoge dieses Typs entdeckt worden, die der Referent im Auftrage der Hebräischen Universität zu Jerusalem ausgegraben hat Auch diese Synagoge ist zufällig ans Tageslicht gekommen, als man in der hingen jüdischen Siedlung B e t Ii Alpha im Tale Esdraelon unweit Beisan Dränagearbeiten vornahm. Hier hatten die Forscher das olück. auf ungewöhnlich guterhaltene Funde zu stoßen. Die freigelegte Fläche ist 28 ni lang und 14 111 breit. Auch hier ist die Basilikaform gewahrt Zwei Reihen von je fünf Pfeilern teilen die Synagoge in die übrigen drei Stücke. Längs der Wände ziehen sich steinerne Bänke Von großem Interesse ist eine Apsis. die auf der Südmauer der Synagoge ausladet und zweifellos als Standplatz des Thoraschreins diente. Eine spätere Hinzufügung ist ein stufenartig erhöhtes Podium (Bema) in der Nähe der Apsis. Die Richtung der Synagoge zeigt gen Süden, ist also Jerusalem zugewandt, wie alle Synagogen, die nördlich Jerusalems aufgefunden wurden. Der ganze Komplex ist mit Mosaiken ausgelegt, das Hauptmosaik des Mittelschiffs ist außerordentlich bilderreich und vielfarbig. Es ist in drei Felder geteilt und von einem Rahmen umgeben, der eine verschlungene W einranke darstellt, in deren Verschlingungen sich Abbildungen von Menschen. Tieren. Vögeln, Fruchtkörben usw. finden. Bei der Apsis im Südteil zeigt das Mosaikfeld die Wiedergabe