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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-06-21 · 25 (21.6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
25 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 25 kollegium geschaffen wird, dem die Regelung der Agunoth-Frage nach dem iüdischen Gesetz obliegen soll. 7. Die jüdischen Frauen arbeiten an dem Wiederaufbau Palästinas mit. 8. Die jüdischen Frauen der ganzen Welt protestleren gegen die Einführung des Numerus clausus für lüdische Studenten an den Universitäten gewisser Länder. 9, Der Frauen- und Mädchenschutz wird auf internationaler Grundlage angestrebt. 10. Der Weltverband jüdischer Frauen setzt eine Kommission zum Studium der jüdischen Bevölkerungspolitik ein. Zur Präsidentin des Weltverbandes jüdischer Frauen wurdi Präsidentin der Weltkonferenz, Frau Rebekka!) Kohut (Amerika), wählt. Vizepräsidentinnen sind Frau Bettina Brenner und Frau I' Olleudorf (Deutschland), Frau Anita Müller-Cohen (Oesters Frau Klaffen (Polen), Frau Caroline Wysenbeck-Franken (Holla Lady Herbert Samuel (England). Zur Sekretärin wurde Frau Si berger (Amerika); zur Sehatzineisterin Frau Abraham (Schweiz) wählt. Die Jubiläumstagung des Jüdischen Frauenbundes Die Jubiläumstagung des .iüdischen Frauenbundes, die am Sonntag, den 9. Juni in Berlin mit einem Festakt in der Hochschule für Musik eröffnet wurde, stand ganz im Zeichen der kurz vorangegangenen Gründung des Weltbundes jüdischer Frauen. Die jüdischen Frauen aus Deutschland, die an der Hamburger Tagung teilgenommen hatten, waren von dem Erlebnis noch ganz erfüllt, zahlreiche Vertreterinnen des Auslands waren auch noch bei der Jubiläumsfeier anwesend. Fs lieg! im Wesen einer Jubiläumstagung, daß der Blick sich rückwärts wendet und das Gewordene von seinem ersten Werden an betrachtet. So gab Herr Dr. Baeck in seiner W e i h e r e d e einen Ueberblick über die Entwicklung der allgemeinen Frauenbewegung, aus der sich die jüdische in ihrer Besonderheit herauskristallisierte. Inhalt eines jeden Menschenlebens ist Kampf mit seinem Schicksal. Noch schicksalsgebundener als der Mann ist die Frau. Es ist ihre Wesensart, empfangend, tragend, leidend zu sein. Die Frauen der vergangenen Generationen litten nicht nur unter diesem ihrem Frauentum, sondern auch darunter, daß sie durch das Dogma der Sitte in ihrer freien Entfaltung gehemmt wurden. Gegen dieses Dogma haben sich die Frauen erhohen. Anfangs war die Frauenbewegung ein Kampf um Gleichheit der Bildung und des Berufs. Allmählich aber erwachte in den Frauen das Bewußtsein, daß sie der Kultur weit gröliere Dinge leisten, wenn sie, statt nach Gleichheit zu streben, die Ungleichheit, ihre Andersartigkeit hineintragen. Anfangs glaubten die jüdischen Frauen, in der allgemeinen Frauenbewegung aufgehen zu müssen, und es ist das große Verdienst der Gründerinnen des jüdischen Frauenbundes, die jüdische Frau zu sich selbst zurückgeführt zu haben. Der .lüdische Frauenbund ist nicht aus Nützlichkeitserwägungen geschaffen, sondern aus dem Gedanken, daß der Gesamtheit der Frauen etwas Besonderes gegeben wird. Nach verschiedenen Begrüßungsansprachen dankte die Vorsitzende ües Frauenbundes. Frau Brenner, allen für ihre Worte, auch denen, die. um den Begrüßungsakt nicht ins Unendliche auszudehnen, aui eitie Begrüßungsrede verzichtet hatten. Die Feier war von künstlerischen Darbietungen umrahmt. Der Abend vereinte alle Gäste in den schönen Logenräumen zu einem festlichen Mahl. Frau Bertha Falkenberg, deren Organisationsgabe und deren aufopfernde Vorarbeit den schönen Rahmen für die ganze Tagung geschaffen hatte, sprach herzliche Begrüßungsworte. Am Montag Vormittag eröffnete Frau Bren uer. die die ganze Tagung zielsicher leitete, die Arbeitssitzung mit einem Ueberblick über Ideen, A u f g a b e n k r e i s und Entwicklung des j ü d i s e h e n F r a u e n b u n d c s. Frau Paula Oll endorfi (Breslau), gab einen Rückblick über „25 Jahre Jüdischer Frauenbund". Sie gedenkt der Gründerinnen und Führerinnen des Bundes: Bertha Pappenheim, Sidonie Werner und Henriette May und betont, daß der Frauenbund mit seinen 35 Ortsgruppen. II Landesverbänden und 400 angeschlossenen Vereinen, die insgesamt 52 000 Mitglieder darstellen, ein sehr beachtenswerter Faktor im Frauenleben Deutschlands ist. Sie sieht die Stärke iles Bundes darin, daß er in alter jüdischer Ethik und Tradition wurzelt und einen Malistab modernen Fraucncnipiindcns an alles soziale Geschehen legt. In großen Zügen zeichnet sie die soziale Arbeit des Bundes. Hau nah Karminski hält unter dem Gedanken: Ausblick ein großangelegtes und formvollendetes Referat, in dem sie die Entwicklung und den Aushau des Bundes schildert. Sie betont die Neutralität des Bundes und sieht in der sachlichen Arbeit die Möglichkeit, über Parteien und Richtungen hinweg zu wahren Leistungen zu kommen. Sie befürwortet warm die Hinzuziehung berufstätiger Frauen und Mädchen und die intensive Mitarbeit längerer Frauen, damit der Nachwuchs im Bunde gesichert und eine Generation, die in der neuen Zeit herangewachsen ist und ihre Probleme kennt, stärker in die Bundesarbeit eingegliedert wird. Frau Berta Eschelbacher (Düsseldorf) sprach über die soziale Arbeit der jüdischen Frauenvereine. i führte ungefähr aus: Bereits seit 150 Jahren bestehen Frauenvere i in allen Gemeinden. Ihrer Entstehung liegt der alte Chewrahgcda zugrunde. Der Pflichtenkreis hat sich im Laufe der Zeit zum Teil weitert, zum J'cil spezialisiert. Die Rednerin zeichnet ein Bild mannigfachen Formen, in denen sich die Frauenvereine auf allen ( ■ bieten des sozialen Lebens betätigen. Fräulein Frieda Wei n r ei ( Referentin der Zentralwohlfahrtsstelle der deutscheu Juden, spi über Soziale Arbeit als Beruf. Sic Ring von den Qründ n aus, welche die charitative soziale Betätigung in Berufsarbeit . - wandelt habe: die Frauenbewegung, die Ausbreitung der Arhe - gebiete und die sachliche Berufsausbildung, deren Anfänge 30 Ja zurückliegen. Die Ausführungen behandelten das Arbeitsfeld der I ■ sorgerin, die menschlichen und fachlichen Voraussetzungen, die \ - und Ausbildung, die mit der staatlichen Anerkennung abschließt. 1 sonders betont wurde, daß die ehrenamtliche Arbeit neben der heruilichen nicht entbehrt werden kann, aber beides muß Hand in II. I geschehen. Die geschulte Kraft bedeutet für die Fürsorgestellcn keineswegs eine finanzielle Belastung, da sie alle Quellen der behördlichen Fürsorgestellcn auszuschöpfen weiß. Ueber die Weltkonferenz jüdischer Frauen in Hamburg berichl Frau Helene Meyer (Berlin). (Vgl. den Bericht in der vorliegen« Nummer.) Jüdisches Leben schaffen und jüdisches wertvolles Leben erh - ten, war die Leistung der Frau in der Vergangenheit, und das wird auch die Aufgabe der jüdischen Frau in der Gegenwart und Zukunft sein. Von diesem Gedanken ging Fräulein Prof. Selma Meyer (Düsseldorf) in ihrem Vortrag: „Die bevölkerungspolitischen Aufgaben der jüdischen Frau in Deutschland" aus. Die Abkehr von der iüdischen Tradition, Zunahme der Mischehen, die Beschränkung der Kinderzahl, die au Ohne wirtschaftliche Not zu beobachten ist, bedeuten große Gefahr für die jüdische Bevölkerung. Eine wichtige bevölkerungspolitisch Aufgabe is( es, jedes geborene Kind aufzuziehen. Dafür muß und Umständen die Gemeinschaft eintreten. Notwendig ist die Schaffu von Wohnungen und der Ausbau aller übrigen wohlfahrtspflegerisclu Maßnahmen zugunsten der Fürsorge für Mutter und Kind. Hii kommt staatliche und kommunale Hilfe in Frage, aber auch die jikl sehen Gemeinden müßten mehr als bisher aktive Bcvölkcruiigspoln treiben. Unter den Maßnahmen zur Förderung der Bevölkerung: Politik nennt Prof. Meyer die Förderung jüdischer Ehen und di Sorge um die Qualität des Nachwuchses. Wenn man auch mit Oesetzen zur Bevölkerungspolitik wenig bei tragen kann, da auf gesetzgeberischem Gebiet die Grenzen eng sind so kann doch, wie Frl. R.-A. Dr. Margarete Berent in ihre: Vortrage: „Neuere Gesetzentwürfe zu Fragen der Be■ völkerungspolitlk" ausführte, die Gesetzgebung wirtschaftliche Hindernisse wegschaffen und bis zu einem gewissen Grade Iii' dem. Im Hinblick auf die bevölkerungspolitische Wirkung ging Frl Dr. Berent dann sehr eingehend auf den Gesetz sntwurl übe' die rechtliche Stellung des unehelichen Kindes ein. Dieser Entwurf ist für die jüdische Gemeinschaft von großer Beden tung, da die Zahl der unehelichen Kinder bei den Juden in demselb' Umfang wie in der nichtiüdischen Bevölkerung im Wachsen begriffe ist. Bemerkenswert ist die Feststellung, daß die Sterblichkeit tu den jüdischen ehelichen Kindern wohl etwas geringer als die der unehelichen, aber die der unehelichen jüdischen Kinder größer ist, als die der nicht jüdischen. Zu den unehelichen sind die Kinder aus nui rituell getrauten Ehen zu rechnen. Für die soziale Arbeit sind schließlich noch die Fragen der Adoption, die erleichtert werden soll, und die der Pflegekindschaft im Entwurf geregelt. Der letzte Verhandlungstag war der eigentlichen internen Bundesarbeit bestimmt. Nach dem Geschäftsbericht von Fräulein Haniiah Karminsky erfolgten die Berichte der einzelnen Kommissionen. Den letzten Teil der J agung nimmt die Erörterung eingegangener

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