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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-06-21 · 25 (21.6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
25 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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2i. Juni 1929 GEME1NPERLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 wünschenswert, wenn jüdische Berufsberatung und Arbeitsve nittlung, Rechtsauskunft und Beratungsstelle, medizinische Beratungsstellen Im Hanse untergebracht werden könnten, j, Unterkunft In so ausgiebigem Maße finden, daß jede von ihr n ihr eigenes Zimmer innehat, In dem die Leitung notwendige Büroarbeiten erledigt, wo sie ihre Akten hat und Si eitstunden abhält. In größeren Gemeinden, wo keine jüdische Haushaltungsv lie bestellt, die den Anforderungen der modernen Schulsj teme vollkommen entspricht, muß im Jugendheim selbst eil solche Schule eingerichtet werden, die auch der erwerbstätigen Jugend Gelegenheit zur Ausbildung in Abendkursen bli tet Hine solche Haushaltungsschule, die jeden Dilettantismus vermeiden muß, damit ihr Zweck nicht durch spielerische Eil Stellung der Lernenden vereitelt wird, wird weit über den Ri iincn des Jugendheimes hinaus für die weibliche Jugend eine Grundlage, vielleicht für häusliche Berufstätigkeit, immer al r für besseres wirtschaftliches Verständnis, sparsame hausfrauliche Haushaltungsfflhrung sein. Sie kommt einen etwaigen späteren eigenen Haushalt zugute und erspart der Familie die S rge und die Schwierigkeiten, die der heutigen Jugend so oft verhängnisvoll werden können. Wenn eine solche Schule In l i L'iilicher Form das Heiin selbst bewirtschaftet, so kann sie nicht nur diesem eine erhöhte Anziehung geben, sondern sie wird sich auch zum Teil selbst erhalten. Die Jugend aller Kreise, erwerbstätig oder nicht, auch die studierende Jugend, gehört in das Jugendheim, denn, wie \ iold Toynbee, der Vater aller Jugendheime, und seine Toynbee Hall zum sozialen Frieden führten, so wird auch das jüdische Jugendheim die jetzt so vielfach Getrennten zusammenführen, schon durch den Raum und durch die Gemeinsamkeit des Besitzes. Die rem menschliche. Sozialgesellschaftliehe Basis der Gemeinde, die jetzt in getrennte „jüdische Bevölkerungskreise" zerfällt, kann durch die Jugend wieder hergestellt w erden, wenn die einzelnen über ihre besonderen Interessen hinaus durch die allgemeine Aufgabe, unser Judentum im Sinne des einzigen Gottesgedankens, zu erhalten und zu gestalten, verbunden werden. Sollte hier nicht auch ein bedeutungs- und wirkungsvoller praktischer W eg — einer der wenigen, die es gibt - zur Bekämpfung der Mischehe gefunden sein? Selbst die Erschwernisse der innerjüdischen politischen Spaltungen würden durch das Beispiel des Jugendheims in Lebensführung und Lebensgestaltung, In Erziehung zu gegenseitigem Vertrauen gemildert, vielleicht beseitigt werden! Die Führer des Jugendheims sollen junge Menschen sein, die ihre Mulle der Jugend, ihrer Religion und Gemeinschaft schenken, die aus ihren Gaben Aufgaben machen, wie sie jedem gestellt werden, der mitaufbauen will an der Gemeinschaft. Studenten und Lehrer. Künstler und Kaufleute. Männer und Frauen, alle sind berufen, die sich verantwortlich fühlen für die Jugend, der sie. besonders in ihren Schicksalsjahrcn. wo die sozialen, die religiösen, die politischen Probleme sie bedrängen. Führer sein können. Hieraus wird sich für alle eine Kameradschaft entwickeln, die für die seelisch, geistig, körperlich obdachlose Jugend ein Glück bedeutet und die eine Freude und eine Kraftquelle für alle sein wird, die mitarbeiten können. Nach den schweren Versäumnissünden, welche die Trägheit unserer Herzen verschuldet hat. dringt der aufrüttelnde Ruf der Jugend von allen Seiten zu uns; hören wir auf ihn. che es zu spät ist. nähren wir das Feuer, ehe es verlöscht! Weltkonferenz jüdischer Frauen in Hamburg Unter Teilnahme von Delegierten aus M Ländern fand in Hamhnrg die erste Weltkonferenz indischer Frauen statt, die zur Qrflndnng eines Weltbundes indischer Prauen führte. Als Auftakt fand am X lunt, abends, Im Uhlenhorster Fährhaus ein vom Hamburger Israelitischen Humanitären Frauenverein ver- . isiaiteter großer Empfang statt, der einen großartigen Verlauf nahm und sich zu einer HiildimniK für die Präsidentin des Koni resses und VorkÄmpferln für den Weltverband indischer Frauen, I ran R e Ii e k k a Ii Kohul aus New York, gestaltete. Als MiIt Kohut, nach Begrüßungen durch den 7S)ährlgen Vorsteher der Haini ir;:cr Deutsch-Israelitischen Qemeinde Herrn Alfred Levy, und i'orrn Rabbiner Dr. Italiener, das Wort ergriff, um die Ziele des i ungresses und des zu schaffenden Weltverbandes ZU umreißen, urde ihr eine minutenlange Stürmische Ovation hereilet. Im offiellen Teil wie auch bei dem daran anschließenden Festessen wurden eine Reihe von Ansprachen «ehalten, unter anderem auch von Frau lettlna Brenner, der Vorsitzenden des jüdischen Frauenbundes i Deutschland, die namens der deutschen Delegierten der großen lenugtuung darüber Ausdruck «ab, daß der Kongreß auf deutschem toden zusammengetreten ist. Hei Beginn der eigentlichen Tagung ließ der Senat der Preten ladt Hamburg die versammelten Frauenführcrinnen durch Senator ohn begrüßen, der ausführte, daß die Arbeil der jüdischen Frauen i ihren Ländern und auf Internationalem Moden Arbeit für die Menschheil ist, die zur Linderung der Not der Mitmenschen, zu rzleherischen und kulturellen Resultaten führt, aber darüber hinaus len freundschaftlichen Zusammenschluß der Völker fördert. Im Mittelpunkte der ersten Arbeitssitzung stand die Aussprache über „die jüdischen Heirais- und Scheidungsgesetze; Qegensätze zum Zivilrecht", im Anschluß an ein Referat von Miß Lizzie Hands (England). Sie forderte die Hesciii«un« von Eheschließungen lediglich nach dem jüdischen Ritual, da solche von den Staaten nicht anerkannt Verden, so dal! sie zu zahlreichen UnsUtrSglichkeltcn Anlaß «eben. Die Forderun« wurde durch Ausführungen der brau Reichensiein (Polen) unterstrichen und durch Heispiele gestützt; auch auf die l"ra«c der AgUHOth «in« diese zweite Referentin ein: es müßten in großem Stile Maßnahmen zur Lösau« des Agunoth-Problems seitens der Rabbiner getroffen werden. In einem Referat über „bevölkerungspolitische Aufgaben der indischen Frau" «in« Frau Siddy Wronsky (Deutschland) auf die Prägen der Erhaltung der jüdischen Familie, der Konflikte der Cienerationen ein und schlu« Maßnahmen zur Hesscrung der schwierigen Lebensbedingungen der jüdischen Jugend vor. Mrs. Basll Q. Heu rinn es (England) sprach über: „Sett lern e ntsarbeit, Jugendpflege n nd Jugend b e w e « n n« : brau Ethel B a r a c z s (Ungarn) über H e r U f s b c r a t u n « U n d - u m schlchtu n «. In weiteren Referaten wurden behandelt: von Frau Paula 01lendorft (Deutschland): Die soziale Frauenarbeit in den verschiedenen Ländern; von Frau Ottilie Schön wald (Deutschland): Die Frau und die jüdische Qemeinde; von Frau Caroline Wyscnbeck- Pranken (Holland): Völkerbund und jüdische Frauen: von Frau Anita Müller-Cohen (Wien): Der Einfluß der Kulturarbeit in Palästina auf die jüdische Frau. Alle Referate riefen eine äußerst lebhafte Aussprache hervor, in der wertvolle Ergänzungen der berührten Fragen gegeben wurden. Am letzten Kon«reßta«e hielt brau Rebekkah K o h ti t ein «roltangelegtes Referat über „Notwendigkeil und Aufgaben eines Internationalen jüdischen Frauenbundes". Pie Konferenz war stark besucht. Auch zahlreiche Gäste wohnten dieser Sitzun« bei. Nachher ergriffen einige der prominentesten Frauenlührerinnen das Wort, um sich für die Qründung des Weltverbandes auszusprechen. Hierauf wurde einhellig beschlossen, einen Weltverband jüdischer Frauen zu gründen, dessen Ziel es sein soll, die Probleme der jüdischen Frauen in allen Ländern zu behandeln und den Zusammenhall der jüdischen Qemeinschafl zu fördern. Die Ziele des Weltverbandes wurden auch in einer Reihe von Resolutionen festgelegt, die die folgenden Angelegenheiten betreffen: I. Die Frauen sollen für die Stärkung des Friedensideals wirken. .'. Religiöse und kulturelle jüdische Erziehung soll gefordert, und die lOdiscben Lehranstalten sollen «stützt w erden. 3. Zur Mitarbeit an der Bewegung für die Erhaltung des jüdischen Sabhath sollen 3 Mitglieder In den Weltverband der Schonire Schabbos in Herlin entsandt werden. 4. Die Jüdischen Frauen treten für die Einführung der hebräischen Sprache Im jüdischen Unterricht ein. 5. Per Wellverband und die ihm angeschlossenen Frauenbünde treten für die Einführung des Frauenwahlrechtes in den jüdischen Qemeinden ein. (>. Per Weltverband w ird dahin wirken, daß ein orthodoxes Rabbiner-

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