Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 24 (14.6.1929)
- Date
- 1929-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Juni 1929 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 ten iber packenden Elemente im Gotteshaus und im jüdischen Familienleben, die Ihn hingerissen und die entscheidende Wir- Irong auf ihn ausübten. Gewiß, schön soll allenfalls der Dienst und die Anbetung Gottes bei uns Juden sein; die Formen, in denen wir uns Gott M;,| rn, sollen das möglichst Beste vom Besten und das denkbar Schönste vom Schönsten sein. Aber kann das nicht aus der eigenen Anschauungs- und Formenwelt heraus, mit den eigenen Maßstäben des Judentums selbst gewonnen und entwickelt werden? Wozu Anleihen machen, Jude, wenn dein ein ner Schönheitsreichtum so weit reicht? „Warum in die Fei te schweifen, wo das C.ute doch so nah'?" Natürlich, auch das Judentum kann sich nicht und soll sich Bichl vor der Welt verschließen. Manches Wertvolle und Schätzbare hat in Israels Sphäre von außen her Eingang gcfunden und ist mit dem Judemtume eins geworden. Aber das soll doch nicht heißen, daß die ein- oder mehrmalige Ausnahme, die sich gerade sehr wohl in das Ganze organisch einfügte, nun schon auch zur Regel wird. Wer darf an neue Ausnahmen denken, die zu den überlieferten Ursprünglichkeitsfonnen wie eine schrille Dissonanz wirken. Gottanbetung und religiöse Normen sind wie ein Netz aus zarten, fein gesponnenen Fäden, wie leicht vermag ein unbedachter, gewaltsamer Eingriff, wenn auch nur einen Faden zu lösen und schließlich das Gewebe zu zerstören. Darum, teurer Jude, — so mahnt das hohe Fest der Gesetzgebung — standhafter Jude, gottbewußter Jude! Jude, der du nicht in den alten Fehler und Frevel des goldenen Kalbes zurückverfallen willst, der du vielmehr den Geist des zweiten Gebotes achtest und ihn auch in deine Zeit hineinrufen hörst, lasse ab vom Götzendienst der Zeit. Schiele nicht nur immer hinaus aus deiner eigenen Sphäre. Finde dein beglückendes Genügen innerhalb der dir von Gott gezogenen Grenzen. Dein Reich, in das dich Gott wie einen König eingesetzt hat, das Reich deines Gottespriestertums und der Volksheiligkeit, ist weit und groß und schön und gut. Halte dich daran mit aller Kraft und Liebe, damit du eingehst in die Gnade, die das zweite Gebot verkündet: Er, Gott, bewahrt Treue für Treue bis in das tausendste Geschlecht denen, die ihn lieben und seine Gebote hüten. Möge uns die Festweihe und die große Gedankenwelt der Schwuaustage dazu erheben und darin bestärken! GARMOND GRISELINI, EIN JÜDISCHER STECHER Von Erich Toeplitz Anläßlich des Schewuosfestes wird in dieser Nummer eine Darstellung der Offenbarung am Sinai abgebildet, die in mehr als einer Beziehung beachtenswert ist. Es handelt sich um ein Einzelblatt aus der Sammlung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, das hier veröffentlicht und in seiner Bedeutung gewürdigt werden soll. Das Bild findet sich, mit einer Umrahmung im Stil der Zeit versehen, auf dein Vorblatt einer hebräischen Bibelaus- Rjihe in Großquart, die 1746 am Neumondstage des Elul beendet wurde. Die Bibel selber, auf die bei anderer Gelegenheit vielleicht noch einmal zurückzukommen wäre, weist auf dein Haupttitcl und auf dem Untertitel die Jahreszahl 1739, wohl den Druckbeginn, auf. Der Titel für die. früheren Propheten ist 1742, derjenige der späteren Propheten 1740 und derjenige der Schriften 1741 datiert, womit wohl jeweils der liruckbeginn bezeichnet werden sollte. Jedenfalls gehört die Ki nannte Bibelausgabc zu den Druckwerken der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, und zwar laut verschiedenen Angaben 7ii den bei Bragadini in Venedig gedruckten hebräischen Büchern, die durch die Qualität der Arbeit unter denen der Zeit bekannt sind. Der Arzt Isaak Foah wird als der Urheber der Herausgabe, der Drucker Benjamin b. Ahron Polak wird als der Ausführende hebräisch genannt. Allein von dem Stecher Crlsellnl findet sich nur in lateinischer Schrift sein Name und (' is übliche „f" (fecit) innerhalb der Bilder. Außer dem hier abgebildeten sind noch drei weitere vorhanden, die jeweils vor Czn schon erwähnten weiteren Titelblättern stehen; Josua. Samuel und David in einer Landschaft mit Stadtansicht, Jesaja, J^cheskel und Jeretnia zwischen einer Architekturstaffage, David im Gebet in einer Säulenhalle. In allen vier Bildern sind die Erklärungen in hebräischer Schrift angebracht und < ürfen als ursprünglich vom Stecher gefertigt betrachtet werben. Auf der Rückseite des uns vorliegenden ersten Bildes 'efindet sich außerdem der Stich einer Druckermarke, die das ebräische Motto trägt: „Der Gerechte soll wie eine Palme lühen" (siehe dazu in The Makers of Hebrew Books in Italy iy David Werner Amram, Philadelphia. 1909, für Tobias Foah aus Sabbioneta S. 295 mit Bild und für Isaak Foah S. 396). \uch hier darf die hebräische Schrift, als ursprünglich vom Stecher angefertigt, angesehen werden. Es ist ferner zu bemerken, daß in allen vier Bildern die Darstellung Gottes vermieden, und daß dafür der Gottesname, in einem Falle innerhalb des ersten Gebots, hebräisch eingefügt ist. Wenn Griselini selber kein Jude gewesen sein sollte, so müßte er mindestens ein in jüdischen Ansichten und im Hebräischen wohlunterrichteter Nichtjude gewesen sein. Daß er Beziehungen I "pav» trrhutm ~itt* täflet ■■■:<r*ti*a zum Judentum gehabt Int, läßt sich noch durch eine andere Tatsache beweisen. Das Museum jüdischer Altertümer zeigt unter seinen zahl-