Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 22 (31.5.1929)
- Date
- 1929-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer Gemeindesitzung: vom 27. Mai 1929 Amtliche Niederschrift Gemeindevorsteher Qoldschmidl widmet nach Eröffnung der Sitzung dem heimgegangenen Syndikus Justizrat Leb recht herzlichste Worte des Gedenkens und Dankes für seine hingebungsvolle und treue Mitarbeit, durch die er mehr als 40 Jahre hindurch der Gemeinde die wertvollsten Dienste geleistet hat. Die.Versammlung ehrt das Andenken des Verewigten durch Erheben von den Sitzen. Die Niederschrift über die vorige Sitzung wird verlesen, genehmigt und unterschrieben. Der Vorsitzende teilt mit, daß bis zur etwaigen Wiederanstellung eines Syndikus der Verwaltungsdirektor mit dem Schriftführeramt betraut ist. i. Dem Qemeindevorstand wird die Ermächtigung erteilt, bis zur Verabschiedung des Haushaltplanes innerhalb des Rahmens ,les vorjährigen Haushaltplanes die von ihm für notwendig gehaltenen Ausgaben zu leisten und Gebühren und Gefälle sowie Steuern i inzuziehen. .'. Die vorjährige Steuer \ erordnung wird mit den Änderungen, die sinngemäß vorzunehmen sind, als Steuerordnung iür 1929 einstimmig beschlossen, 3. Dei vom Vorstand beschlossenen Bewilligung von M. 1000, .ils Beitrag zur V e r s o r g u n g der r U s s I s c Ii e n l u d e n m 11 M azzos wird einstimmig zugestimmt. 4. I >ie W a h 1 / w e i e r A u s s c Ii u Ii m 11 g I i e d e r und Stellvertreter zum S;ich>.. Nr. Gemeindeverband, die Infolge Vermehrung der Leipziger Stimmen um 2 Sitze notwendig ist. soll durch den AeltestenausschuB vorbereitet werden. 5. Von einem Vermächtnis Davidsohn von M. 15000 mit der Auflage, ein Grab zu pflegen, wird mit Dunk Kenntnis genommen. Desgleichen von Schenkungen der Eheleute Joseph Garfunke], bestehend .ms silbernen Traubechern und M. 3000. Schuldverschreibungen zur Joachim und Blume Qarfunkel-Stiftung und zur Joachim und Blume Harmelln-Stiftung. 6. Die Angelegenheit des Ritualbades wird von der Tagesordnung abgesetzt, weil noch nicht genügend geklärt. I ber den gegenwärtigen Stund berichtet der Vorsitzende, wobei er erwähnt, daß. das Darlehen der Stadtgemeinde Leipzig von M. 100000. am I. Juli d. J, zurückgezahlt werden muß. 7. Der Vorstand hat in Erwägung gezogen, wegen der UnZUlängllchkeit des ' icmclndesitzungszlmmers die O e m e I ndesl 11 u ngc n außerhalb des Hauses abzuhalten. Die höhere israelitische Schule hat hierzu ihr Lehrerzimmer zur Verfügung gestellt. IS werden Bedenken geäußert wegen der Aktenbeschaffung in dringenden Fällen und der Ansprüche, die infolge dieser Gefälligkeit seitens des Schulvercins mit dem Anschein von Berechtigung erhoben werden könnten. Herr Rosenfelder erklärt das letztere Bedenken für unbegründet, auch Tagungen Das goldene Jubiläum des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands Linen wahrhaft erliebenden Verlauf nahm die Jubelfeier, zu der der Vorstand des Vereins und ein zu diesem Zweck hier gebildeter Ortsausschuß iiir den 21. und 22. Mai geladen hatte. Besonders gehoben durch die Anwesenheit der führenden Lehrer Deutschlands: die Ausschüsse des Rcichsverhandes indischer Lehrervereine Deutschlands und des Verbandes jüdischer Lehrervereine Preußens hatten ihre Sitzungen gleichzeitig nach Leipzig einberufen. Die JubeltagUng wurde durch einen BcgrüßUngsabend eingeleitet, der in seiner Bußeren Gestaltung und an innerem Werte das übliche Mal! solcher Abende weit überragte. Die stattliche Zahl von Mitgliedern, die erschienen waren, konnte mit aufrichtiger Genugtuung die hohe Schätzung erkennen, die der mitteldeutschen Lehrerschaft von allen Seiten entgegengebracht wird. In seiner Begrüßungsansprache durite der zweite Vorsitzende des Vereins. Herr Lehrer I a f f e - Leipzig, einen Vertreter des Wales. der Leipziger Lehrerschaft, Abordnungen des Gemeinde Vorstandes, des Rabbinates und einer großen Anzahl von Leipziger jüdischen Organisationen willkommen heißen. Die Reibe der Ansprachen erwürden nur unbedeutende Kosten der Gemeinde erwachsen. I Präge wird vertagt. S. Es wird ein A n t r a g d er (i e in e i u d e r a b b i n e r a /. u z i e Ii U n g z u d e n (i e m eindesitZU n g e u liebst einem i gänzenden Antrag verlesen. Herr Tu mpowsky spricht sich geg die Zuziehung aus, damit die (ienteinderabbiiier sich nicht der all. meinen Kritik aussetzen. Sie hätten die Möglichkeit, durch den \. stund zur Qemeindesitzung zu sprechen. Zulässig sei die Zuzlehu nur. wenn sie sich der Gefahr aussetzen, daß sie überstimmt werd können. Herr Sellng e r würde in der Zuziehung eine Herabsetzt! der Qemelndcvertreter sehen, weil der Vorstand die betreffend« Prägen sachgemäß vortragen und die Verordneten beurteilen könnte Herr R o s e u i e I d e r ist gegenteiliger Meinung, weil manche Fragt innerhalb der Qemeindesitzung nicht immer mit genügender Sa< kenntnis beurteilt worden seien. Der Vorsitzende erklärt, di der Vorstand die Bedenken des Herrn Tumpowsky vollständig te und dies den Rabbinern mitgeteilt hat, worauf diese ihren Antrau i veränderter Passung gebracht hätten, brau Felsenstein tei die Auffassung des Herrn Rosenfelder. Herr Justizrai Dr. Löwen stein hält es bei gewissen Kultusfragen für zweckmäßig und ra sam. die Rabbiner unmittelbar1 zu hören, und bittet deshalb, den At trag nicht grundsätzlich abzulehnen, sondern eine gelegentliche '/: Ziehung ins Auge zu fassen. Im einzelnen Falle soll die Vollvct Sammlung Beschluß fassen. Herr Pelz, stimmt Herrn Tumpowsk zu und erinnert daran, daß in gewissen Fällen die Anwesenheit d Rabbiner für diese hätte peinlich werden können. Herr Sclingt unterstreicht seine vorigen Ausführungen. Herr Rosenfelder die si nigen. Litt Antrag Outmann auf Schluß der Debatte wird ange nommen. Es spricht noch Herr Stein, der sich vorher zum Wort« gemeldet hatte. Fr ist für den Antrag und verweist auf einen Fall des Kaschrus, der nicht geklart worden sei, gerade weil der zustän dige Rabbiner nicht unmittelbar gehört werden konnte. Herr Steil bringt zur Sprache, daß im Augenblick eine Lage eingetreten ist. dal Schales nicht sofort beantwortet werden konnten. Der Antrag dei Rabbiner wird einstimmig abgelehnt. Herr Justizrai Dr. Löwenstcii bittet, seiner Anregung in Form einer Resolution Folge zu geben. Auch hiergegen hat Herr Tumpowsky die vorher geäußerten Hedenken Herr Rosenfelder fordert, dall auf ausdrücklichen Wunsch eine Rabbiners dieser gehört werden müsse. Letzterer Antrag wird al weitergehend als der bereits abgelehnte nicht zur Abstimmung gebracht. Die Resolution, welche wie folgt lautet: Die Gemeinde sitziin« kann zu gewissen Fragen beschließen, dall in der nächsten Sitzung der zuständige Qcmcindcrabbincr zugezogen werden soll wird abgelehnt. Die Beantwortung der Auftaue des Herrn Stein in bezug tun Schales wird in die anschließende nichtöffentliche Sitznnu verwieset und die öffentliche Sitzung geschlossen. in Leipzig öffnete Herr (i e m e i n d e v 0 r S t e he r Qolds c h m i d t . der di< Wünsche unserer Gemeinde wie auch des Sächsischen israelitische! Gemeindeverbandes für den Verein überbrachte: er wies auf die Bedeutung der Vereinigung für die jfldlsche Erziehung hin. Namens des Rabbinates sprach Herr Gemeinderabbiner Cohn, der die Gemeinsamkeiten im W irken der Rabbiner und der Lehrer hervorhob und den Wen des Zusammenschlusses der Berufsgenossen skizzierte: nerton dei Förderung, die durch einen solchen das Ansehen der Stellung erfahre, werde im geistigen Gedankenaustausch dem Glauben an den Beruf und dem Vertrauen in die Zukunft lies Judentums steie Lrueiiirung bereite!. Auch namens der Leipzig-Loge übermittelte Rabbinet Cohn aufrichtige Wünsche, brau Bettina Brenner führte aus, wie der jüdische Frauenbund durch künftige engere Zusammenarbeit, die gerade eben angestrebt wird, Zeugnis iür das Verständnis ablegt, das die jüdische Frau dem jüdischen Lehrer entgegenbringt. Für die Ortsgruppe des Hilfsvereins der deutschen Juden sprach Herr Bankier Schieß; er drückte die warmen Sympathien des Hilfsvereins für die Lehrerschaft aus. ohne die ein gut Stück seiner Hilfstätigkeit nicht hätte Zustandekommen können, das Schul werk im Orient. Herr Louis Tumpowsk), der die Zionistische Vereinigung Leipzig vertrat, erblickt in der jüdischen Lehrerschaft die gegebenen Förderei