Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 22 (31.5.1929)
- Date
- 1929-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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31 Mai 1029 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite S d inf den Palästina-Aufbau gerichteten Bestrebungen. Namens clor (i sgruppe des C.-V, versicherte Herr Seemann die Lehrerschaft j steten Bereitschaft, sie in ihrem Wirken in jeder Hinsieht zu ii rstützen. Sehr eindrucksvoll waren die schlichten aber tief empi lenen Worte des Herrn Meyrowltz, mit denen er sieh vom v ndpunkte der Jugend ans dankend an die I.einer wandte. An die Festveranstaltung schloB sieh eine Kundgebung zur Heb ig des Interesses für die religiöse Erziehung der Jugend. Die Kundg ung behandelte In drei Referaten das Thema ,,l>er lUdische Lehrer, i! iiidisehe Schule, das jüdische Kind". Es sprachen Mittclschul- Ii er Dr. H. Stern- Berlin, Lehrer M. Steinhardt- Magdeburg Oberlehrer Th. Rothschild-Eßlingen. Die drei Redner - ten sieh mit dem Verhältnis der jüdischen Erziehungsprohleme u l Erziehungsfaktoren zur modernen Pädagogik In tiefschürfender \ ise auseinander. Die Forderung nach der modernen lüdischen; rerpersönlichkeil wurde erhoben, die die Seele des neuzeitlichen k :des /n gewinnen weil!, um es nicht bloB mit W issen /n erfüllen, - dei n in ihm die indische Persönlichkeil ZU entwickeln. I >ie weile c Forderung nach der lüdischen Volksschule ist die logische Kons iuenz der vorhergehenden Forderung, zumal wir nach wie vor Ii ne echten Simultanschulcn, sondern nur verkappte Konfessionss hulen besitzen, hie Eigenart des jüdischen Kindes, erklärbar ans ii i Besonderheil lOdischcr Veranlagung und indischer Umgebung iori rl eine besondere iiidisehe Erziehung, die mir der unabhängige i dische Lehrer In unabhängigen lüdischen Schulen mit Erfolg zu er- K n vermag. Die Kundgebung machte bei der Bedeutung der Redner tiefsten l ndruck. Umrahmt war der rednerische Teil von künstlerischen i usikalischcn Darbietungen, um die sich Oberkantor Lampel-Lclpzig, iwic die Konzertsänger Sonnini und Stern mit bestem Erfolge bei iihi hatten. In der Jubiläumstagung am folgenden Tage legte der langjährige rdiente Vorsitzende des Vereins, Lehrer Steinhardt-Magdeburg, ich 3ljährlgcm treuesten Walten sein Amt nieder. Fr wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, eine Dankadresse wurde ihm feierlich 'erreicht. An seine Stelle trat nach einstimmiger Wahl der bishcrige Vorsitzende des Vereins, Kantor Jaffö-Lelpzlg. Das Hauptilicma der Jahrcsvcrsamlung: Apologetik Im jüdischen Rellgionsuntercht wurde von dem Junglehrer Rosenberg-Magdeburg behandelt, •er Redner wies die Notwendigkeit apologetischer Unterweisung herzeugend nach, riet jedoch von einer systematischen Apologetik ls Unterrichtsfach ab. Erfolgreichere Wege apologetischer Erziehung eies er an zahlreichen Beispielen ans dem Leben nach. Die folgende usgedchnte Diskussion stand auf lioliei Warte, Ein festliches Mahl, lurch viele launige Ansprachen gewürzt, beschloß am späten Nachniiia« die denkwürdige Tagung. Delegiertentag der deutschen Landesorganisation \gudas Jisroel in Leipzig Sonntag, den \'>. und Montag) den 20. Mai wurde hier in Leipzig ler Delegiertentag der deutschen Agudas Jisroel unter Vorsitz voii Oberrabbiner Dr. Spitzer (Hamburg) abgehalten. Dem Präsidium gehörten, außer dem Vorsitzenden der Organisation, die Herren Qemeinderabbiner Dr. Holtmann (Breslau) und Julius Löwcnthal (Eschwege) an. Die Eröffnung des D. T, .im Sonntag nachmittag, die unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen Judenhcit erfolgte, brachte zunächst t ili ausführliches Referat v on Herrn Oberrabbiner Dr. S p i I /. e r (Hamburg), das die Ideologie dei A. .1. entwickelte. Hierauf begrüßte in warmherziger Weise Herr Rabbiner Dr. Carlcbach namens des Rabbinates die Erschienenen und wünschte der Tagung unten Verlauf, Nachdem noch Vertreter der Ortsgruppen und des H. J. A. begrüß) hatten und Begrüßungsschreiben verlesen waren, erstatteten Berichte: Herr Rabbiner Dr. Pinchas Kohn (Wien) für den n. A. der Qesamtaguda, Herr W. s. Jacobson (Hamburg) für die Landeszentrale, Qerson Schnerb (Frankfurt a. M.) für die Jugendorganisation und Herr Dr. M. Auerbach (Berlin) im Namen der Palästinazentrale. Dieser letztere Bericht, der das Erziehungswesen in Palästina beleuchtete, wirkte erschütternd durch das Tatsachenmaterial, (bis der Redner /u bieten wußte. Zeigte er doch an Hand statistischer Zahlen, daß in keinem Lande es um die iüdische i'rziehung schlimmer bestellt sei als im jüdischen Lande Palästina, wo noch ein unglaublich hoher Prozentsatz indischer Kinder Missionsschulen besucht. In der außerordentlich lebhaften Generaldebatte, die sich an die Berichte anschloß, bildete den Mittelpunkt die Diskussion Uber den in den ..Blättern der Agudas Jisroel" wahrend der letzten Zeit bereits eingehend behandelten 8 4 der Agudas-Satzungen. Dieser Paragraph schließt aus den zentralen Organen der Gcsamt-Aguda Angeliörige solcher Organisationen aus. die im ,.prinzipiellen Gegensatz" zur Agudas Jisroel sieben. Der Paragraph wurde von der ersten Keuessio Qcdaulo auf Antra« der Slovakcidclegatlon geschaffen und richtet sich neuen den Misrachi. Er ist seit seinem Vorhandensein von weiten Kreisen, namentlich von Kreisen der deutschen Agudisten, stark angefochten worden. Die Verhandlungen auf dem Delegiertentag endeten mit der Annahme folgender Resolution: Der Leipziger Delegiertentag der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel ist der Ueberzeugung, dal! eine Revision der Satzungen der Weltorganisation zu den wesentlichen Aufgaben der kommenden Kenessio (iedaulo gehört. Die Bestimmungen des S -I über die Wählbarkeil in die zentralen Verwaltungsorgane der A. I. entsprechen in der Auslegung, die sie gefunden haben, weder dem Wesen noch dem Zwecke einer Golus-Organlsatlon, im Dienste der Gesamtheil des thoratreuen lüdischen Volkes, Die Beseitigung dieser Bestimmungen durch die Kenessio (iedaulo erscheint dem Delegiertentag als Lebensnotwendigkeif für die Erhaltung und die Erweiterung der gesamten Aguda, insbesondere aber der deutschen Landesorganisation. Der Delegiertentag empfiehlt die Abänderung von S -). Absatz und -4 in dem Sinuc, dal! die Wählbarkeil aller Agudisten gesichert w ird, die den Anforderungen des 8 4 Abs. entsprechen und von denen die gewissenhafte Wahrung der Selbständigkeil der Agudas Jisroel zu erwarten ist. Somit wird die deutsche Landesorganisation auf der Kenessio (iedaulo für die Beseitigung der angefochtenen Bestimmungen eintreten und man erwartet, da!? auf Orund dieses Beschlusses innerhalb Deutschlands manche Kreise der Qemeindeorthodoxic, die sich der Aguda bisher fernhielten, an dem Wahlkampfe iür die Delegiertenwählen zur Kenessio (iedaulo teilnehmen werden. Auf der anderen Seile ist durch den letzteren Salz der Resolution auch die weitere Mitarbeit derjenigen Gruppe ermöglicht, die sieh verpflichtet fühlt, über die gewissenhafte Wahrung der Selbständigkeit der Orthodoxie mit besonderer Entschiedenheil zu wachen und dafür satzungsgemäß Garantien zu fordern. Ein ausführliches Referat erstattete Dr. Lipmann Schlesinger (Hamburg) über die 1' robl e m e d e r KenessI o (1 c d a u l o. Von Interesse sind noch [olgende, von dem Delegiertem.u einstimmig angenommene Resolutionen, die sich auf Palästina beziehen. I e w ish Age ii c y : Der Leipziger Dclegiertentag der A. .1. in Deutschland hält den Beschluß der Wiener Zentralsitzung von 1921 für die Lrez lisrocl-Arbeit nach wie vor für aktuell und tritt für eine vollberechtigte und vollvcrpflichtete Mitarbeit der Agudas Jisroel in der Jewlstt Agencj ein. unter der Bedingung, dal! die Agcncy ausschließlich polnischen und wirtschaftlichen Aufgaben gewidmet ist und die Kulturarbeit den beteiligten Verbänden überläßt. CT Central- Theater BETRIEBE LEIPZIG Anton Schneider / Dittrichring 19 CT-KAFFEE-RESTAURANT Tanasc Codolban, rumänisch. Zigeuner-Orchester CT-CASI NO-TANZ C AB AR ET Kapellmeister Amstcl Taglich 5-Uhr-Tee bei freiem Eintritt Kein Gedeckzwang!