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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-05-24 · 21 (24.5.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
21 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 r.BIHINPLBI.AI I DI-K ISK'ALI.niSCIlliN Kl-LIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer perschall mehr, sondern sinkt unfehlbar wieder zum Privatverein und damit /imi Spielball weniger potenter Mitglieder herab. Diesen Forderungen werden die Entwürfe des Preuölschen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und des gesetz es treuen Halberstädter Verbandes gerecht Mit dem Ausdruck dir Hoffnung, dall mit einer entsprechenden baldigen gesetzlichen Regelung das deutsche Judentum wieder die Voraussetzungen für eine gedeihliche Arbeit iiir die gesamtjfldische Zukunft erhalte, schloß der Referent seinen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag. Juden als Autoren in der modernen deutschen Literatur Auf Veranlassung des „Freisinnigen Vereins" für jüdisches Gemcindeleben sprach in Frankfurt a. M. Georg Hermann über „J n den als A u 10 r C n i n d e r m oder n e n d e n t s c Ii e ll Liter a.t u r". Bei einer derartigen Problemstellung war es natürlich unmöglich, In einem einmaligen Vortragsabend das Thema Irgendwie zu erschöpfen. Mit einer historischen Einleitung beginnend, stellu der Dichter zunächst die Frage: „Wie «roll ist der Anteil, den die Inden an kulturellen Dingen aller Art haben?" In Regensburg waren Inden bereits in der ersten Hälfte des -). Jahrhunderts nach Christi Geburt nachweisbar, am Rhein bereits In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts urkundlich beglaubigt. l>ie Mehrzahl von ihnen waren Handwerker, Acker- und Weinbauer, nur wenige Kaufleute. T.s ist verständlich, daD die im Mittehilter nach dem Osten abgewanderten und vertriebenen Inden auf einer ziemlich primitiven Kulturstufe stehenbleiben mußten. Damit erklärt sich auch die eigenartige Tatsache, daß die liddische Literatur mittelalterlichen Charakter trägt. Im Gegensatz zu der altlüdischen Kulturstufe haben die Westluden die große deutsche Entwicklung bis zur modernen Zeit mitgemacht und sich auch mit ihr verschmolzen. Iis ist kein Zufall, dal! der Qlam des (ioethescheti Sterns in den literarischen jüdischen Salons aufging. So beginnt auch die deutsche Literatur nach der Auffassung von 0. Hermann erst mit Goethe (1774). und erst durch seinen Roman „Werthers Leiden" beginnt Deutschland In der Weltliteratur eine Stellung einzunehmen. Vorher haben die .luden als Autoren fast keine Rolle gespielt. Nur der Minnesänger Heinrich Süfikind war Jude. Lrst das jüngere Deutschland kann lüdische Autoren aufweisen. Vor allen zu nennen Hörne und Heine. Börne war einer der feinsten kritischen Köpfe seiner Zeit und hat ebenso vvie Heine, den Hermann für die stärkste dichterische Kapazität hält, mit die beste deutsche Prosa geschrieben. Dennoch sind um uiese Zeit lüdische Autoren kaum zu nennen. Bis Paul Heyse und Berthold Auerbach ist kaum einer zu erwähnen. Brahms und Schient her haben ..die freie Bühne" gegründet und damit auch den Naturalismus gefördert Hermann kam dann zur Skizzierung seiner eigenen Persönlichkeit Man habe ihn den indischen Statthalter von „Fontanopolis" genannt Woher diese Ähnlichkeit? Vielleicht weil er ebenso wie Fontane in derselben Berliner Atmosphäre großgeworden sei? Vielleicht auch, weil beide keinen Tropfen deutschen Bluts in sich haben. Fontane ist ein nach Berlin verschlagener Franzose, Hermann ein nach Berlin verschlagener lüde, dessen Stammväter holländischen oder spanischen l'rsprungs sind. Im (icgensatS zu Fontane sei bei ihm der Pessimismus etwas stärker entwickelt. Her Jude ist der geborene Impressionist. Auf alles Qeschaute reagiert er viel stärker, weil er d e Dinge mit jüdischen Nerven ansieht. Der Jude hat eben ein viel stärkeres Nuancengefühl. Man muH sich eben seine Erlebnisse über das eigne Leben von der Seele schreiben, will mau vom Leben nicht erdrückt werden. So ~: es .im besten, über das eigene Leben hinwegzukommen. Her indische Schriftsteller hat das (iefühl. am Leben vorbeizufahren, gewissermaßen den Anschluß zu verpassen, wenn er nicht das schreibt. was Ihn vom Leben drückt. Lr will sein Leben in irgendeiner Fo kristallisieren (W a sser m a n n). Erst die antisemitische Welle der neuesten Zeit hat den An^ dazu gegeben, den Auteil der Juden au dei deutschen Literatur prüfen. Dabei war festzustellen, dall bis in die lüngste Zeil hin luden auf allen Gebieten der deutschen Literatur, in Epik, Lyrik u Drama Hervorragendes geleistet haben. Man denke neben wrsch denen anderen au Hof f m a n n s t h a I, Beer-Hotmail W a s se r m a n n. Else Lasker-Schüler, Alired N e m a Ii n und Döb 11 ti. Diese Leistungen In der Literatur jedoch beweisen, daß i luden ebenso deutsch denken als die Andersgläubigen. Wenn ( Literatur das Gewissen und Bewußtsein einer Zeit widerspiegelt, sind die lüdischen Autoren Pioniere der Zeit und haben, auch luden, die Berechtigung, voll und Kauz als Deutsche zu weiten. I. H, Jüdische Verbände und Gemeinder Das Arbeitsprogramm des Welt Verbandes des Schomre Schabbos Der Arbeitsausschuß des Weltverbandes der Schomre Schabbi veröffentlicht den folgenden Aufruf: Unser Verband war eine aus der Not der Zeit geborene Fordi rung des Tages, Der Sabbat, die altgeheiligte Einrichtung unsere Religion, droht Im Tempo unserer Zeit für eine große Zahl unsen Glaubensbrüder in seiner unbestrittenen heiligen Bedeutung vei lorcu zu gehen; Haus und Familie, die geweiht werden durch di Stimmung des Sabbat, das Berufsleben, das durch ihn versittllcl wird, stehen In Gefahr, diesen unschätzbaren Besitz lüdlscher Obi lieferung zu verlieren. Um diese Gefahr zu bannen, haben wir eine überparteilichen Weltverband zur Wahrung und zum Schutz de Sabbat begründet Führende Männer des lüdischen Geistes- und Wirtschaftslebens verschiedener politischer Schattierungen habe: sich uns angeschlossen; aus allen Jeden Europas und der anderen Erdteile sind uns bereits wärmste Zustimmungs- und Beltrittcrklärungen zugegangen. Welche Aufgaben stellt sich der Verband? 1. Wir Wullen allen lüdischen Kreisen die Forderung dei Sabbatruhe als Qrundidee indischer Lehre und lüdischen Lebern iivs Gedächtnis zurückrufen. Der Sahbat soll wieder lebengestaltend wirken und seinen Trägern den ursprünglichen Idealismus wiedergeben, der sie befähigt, der ganzen Menschheit den Wen zu reiner Sittlichkeit und wahrem Menschentum zu zeigen. 2. Wir wollen die Schomrc-Schabbos-Ycrciuc aller Länder und gleichgerichtete Vereinigungen zusammenfassen und ihre Arbeite fördern. .1. Wir wollen die Gesetzgebung der Länder, soweit sie sich auf Arbeitsrulle (Sonntagsruhe, Arbeitszeit, Angestelltenschutz, Lohnzahlung usw.) bezieht, zu beeinflussen suchen. Auf staatliche und städtische Behörden wollen wir einwirken, das sabbattreue Beamti angestellt werden, die Sonntagsdienst verrichten. •4. Wir wollen selbständige, sabbathaltcnde Existenten stützen und Schomre Schabbos zu Existenzen verhelfen. 5. Wir wollen Metriebe, die am Sabbat arbeiten, beeinflussen, einen Prozentsatz sabbattreuer Angestellter und Arbeiter zu beschäftigen, eventuell bei verlängerter täglicher Arbeitszeit. 6. Wir wollen den günstigen Abschluß von Versicherungen sabbattreuer Kreise gegen Arbeits- und Stelleitlosigkeit ei leichtern und ermöglichen. 7. Wir wollen Kreditinstitute zur Förderung von Schomre Schabbos auf streng kaufmännischer Grundlage schaffen. CT Centrai-Theater ■BETRIEBE LEIPZIG Anton Schneider / Dittrichring 19 CT-KAFFEE-RESTAURANT Tanase Codolban, rumänisch. Zigcuncr-Orchcstcr CT-CASINO-TANZCABARET Kapellmeister Amstei Tüglich 5-Uhr-Tec bei freiem Eintritt ( Kein Gedeckzwang!

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