Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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in Mal 1920 (;i:mi-:indi;mi.att di:k israi-utischkn rri.igionsohmeinde zu LEIPZIG S( iftsprache aus den alt Italienischen Dialekten geschaffen, Kl ein einzelner Mann hat das primitive lettische Sprachst ide auf die Höhe einer Literatursprache gehoben, ist es im der Schöpfung einer künstlichen Sprache nicht ebenso w ie ini dein Werk eines großen Dichters, das einer Volksdichtung zu mindesten ebenbürtig sein kann? Man hat sprachliche Bedenken geäußert, /. B. gegen das 0 s Femininum, Mino Tochter, natura Natur, als ob wir je an Prauennamen wie Sappho und Dido Anstoß genommen 1k, Ii. Man hat an der Lebensdauer des Esperanto gezweifelt, da die einzelnen Völker seine Aussprache, Grammatik und se n Wortschatz verschieden entwickeln und zersplittern kö iten. aber dagegen spricht die bisherige Erfahrung. Ein w, erer Einwand ziell auf die Verbreitung der englischen Si> iche, obwohl das Esperanto gerade in England Eingang jr< nden hat! „Nun, ich bin selbst Engländer, und stolz auf im i Land," sagt ein Lord Meyer von London, „aber dennoch, so uiKe es in anderen Ländern noch Männer gibt, die unsere Si tche nicht verstellen, nehme ich mit Freuden eine einfache, int rnationale Sprache an." Jede grolle Entdeckung, jede große Tat des Geistes entsteht or misch, bereitet sich langsam vor und erscheint früher oder sp er als eine historische Notwendigkeit Der Wunsch nach eil r allen Menschen verständlichen Sprache lebte gewisseriii ien verborgen in der Seele der Menschheit. Wir finden sc »n In der Bibel eine Schilderung jenes seligen Zustandes. „I d es wai auf der Erde einerlei Sprache und einerlei \\ rte." In der antiken gebildeten Welt war (irieelüsch Wclt- S| iche. daher war auch das Neue Testament griechisch gerieben. Darnach im späten Mittelalter war Latein Welt- S| iche der Gebildeten. Während aber die früheren Menschen S ollenmenschen waren, ist der Mensch von heute Weltin. lisch, in dem das Bedürfnis nach allgemeiner Verständigung hi in die unteren Schichten sich reut. Bekanntlich träumte ai Ii Leibnlz von einer Weltsprache. „Ein Drittel unseres!. >ens." sagte er. „würde uns anwachsen, w enn durch die Aull.'ime einer Hilfssprache das Erlernen fremder natürlicher S] rächen auf ein vernünftiges Mall eingeschränkt w ürde." A er Leibnlz kam über ein unbeholfenes Zeichensystem nicht 1 aus. In den folgenden 200 Jahren wurde die Welt internatioii iisiert durch die fortschreitende Zivilisation, durch die Krollen I tdeckungen. durch Eisenbahn, Dampfschiff. Telegraph, Auto ui d Radio. Line internationale Sprache der Signale, der techi chen Ausdrücke, der telegraphischen Zeichen, der Noten, h tte sich inzwischen als notwendig eingebürgert. So wurde d s 19. Jahrhundert für die Lösung des Weltsprachenproblems r f. Der babylonische W irrwarr der tausend Sprachen, der 4 i Sprachen, in die allein die Bibel übersetzt ist. der Sprachen- \ ttstreit der zum Nationalbewußtsein erwachten Kulmr- 1 Iker. die aufkommenden internationalen Kongresse machten ( i Bedürfnis sprachlicher Verständigung immer dringender. 1 r Nachteil, daß Deutsche. Engländer, Franzosen, Italiener 2 B. ihre wissenschaftlichen Arbeiten nur in ihrer Mutter-! räche veröffentlichen, und sie dadurch nur einem Bruchteil irachkundiger zugänglich machen, ist offensichtlich, der Genkenaustausch ist zu langsam und abgeschieden. Wie drini nd das Problem war, beweisen die Jim Sprachentwürfe, die lerhalb weniger Jahrzehnte zur Welt kamen. Sie verhwanden, wie sie kamen, oder führten ein kümmerliches isein. aber das Werk Zaiuenhofs blieb, denn es war die Tat s Genies. Und es war nicht nur die Tat des sprachsehöpfeschen Genies, es war das tiefe ethische Gefühl, das diesem ann vor allem auszeichnete. Für ihn war Esperanto kein ines Sprachproblem, es war ihm zuerst eine Angelegenheil er Menschheit, ein Weg zum Frieden und zur Annäherung r Menschen. Als auf dem Z.Kongreß in Genf einige Franzosen Esperanto diglich als eine sprachliche Angelegenheit behandelten und die Erörterung aller anderen Fragen verhindern 1 "• ■ sich Zamenhof unter dein Beilall der 1 iilnehmi .,() welche Worte! Aus Furcht, i! ,r; „;r vielleic Ii i lu. mißfallen, welche das Esperanto ii" Dnge, die . > lieh sind, gebrauchen wollen, sollen wir all Jen il 1 ■.:! intismus aus unserem Herzen reißen, >*r uns d< ti;te, heiligste Ist, der Leitstern ist. der sie;;:i'-e tür i.. ei'&nio Kämpfenden führte! Nein, niemals . . . Mii '!' ito das ausschließlich den Zielen des! mdel? im i;i, Nutzens dienen soll, wollen wir kdue ürmeinsch. iab< ... Alle erinnerten sich mir der inneren Idee, welche lispei mto enthalten Ist, alle schätzten Esperanto : :cht iJan da? e die Hirne der Menschen, sondern nur darum, dr.ll e ■ ■ > Hczen nähert." Für Zamenhof waren die Kongresse Gelege ''en, unter Menschen aus allen Völkern auf einer nci a!e:: Kash brüderlich zusammenzuleben. In Ihm war das menschliche Gemeinschaft^ fühl außerordentlich lebendig, es w ar das Leitmotiv seine* Lt iers, seines Schaffens, seines Esperanto. Im .|aiir'- 1906 er: 1 -u eine kleine Schrift in Esperanto, ohne Autornamen, betitelt „Homaranismo", ein Ausdruck, der deutsch schwer ..ic ärzuceben Ist und etwa „Menschheitsgedanke" bedeutet.!:> du em Büchlein entwickelt Zamenhof sein politisch religiöses Progranr.n. seine Lehre über die Beziehung zwisch2n Heina Volk urd Menschheit. Da alle Rassen in Huropa gemischt gib; t-, zwischen den Völkern in Wirklichkeit nur zwei hei;: ^OiJfl Tatsachen, Sprache und Religion. Der Halt würde v -rsch ndin, wenn die Menschheit eine gemeinsame Spr i ' i und e n gemeinsames Bekenntnis hätte. In seiner Heim, t, unter einen Volks- und Glaubensgenossen soll jeder seine Muttersprache sprechen und in der Tradition seiner Rel'gion lefc^n. Mit Andersvölkischen aber verständige mau sich Jircii tine neutrale Sprache, und mit Andersgläubigen leb; man ait den Boc vii einer neutral-menschlichen Ethik 'He /ftlkci ... ten einander weder stolz verdrängen, noch schamhaft ihre vc tische Eigenart verbergen. Auch unter ihnen gelte ü s Prinzi'*: „Handle an andern so w ie du wünschst, daß andere ufl dv Il-irideln". Patriotismus, der darf sich nur äußern ..i^ - nt.. lür die Gemeinschaft, aber niemals als Haß g". en andere Jedes Land gehört moralisch und materiell allein schien Söl m: und über die Nationen die Menschheit, l ür diejenigen, v ell'n eig ien Lande Menschen gegen Menschen aufhetzen. Zumei In I Worte der Empörung: „Ihr schwarzen S t Ii > Ha ses, sprecht nur von Hall gegen alles. was nicht cm;st. sprecht von Egoismus, aber gebraucht niemals das Wo * : Vbe. denn in Eurem Mund verschmutzt das heilige Wort. . ''u stehst nun vor meinen Augen, mein teures Life en. .nein . i iückliches Vaterland, welches ich niemals ver„^;si kd'ia obgleich Ich Dich als Knabe verbell: Du. das ich . i;:>*i.,;i. Träumen sehe: Du, das kein anderer Teil der \.;\. - cr 1 en k;i. In meinem Herzen: Du sollst bestätigen, w.-r ,-eiir. herzlicher und aufrichtiger liebt: ob ich. ein ■('• -;'i: tr tisperar tist. der von Brüderlichkeit unter allen Deh,C Be Volmer träumte, oder die Leute, welche wünsch ü9 I u nur ihnei gehören sollst, und alle Deine andern Si'bne «ollen angesehen werden als Fremdlinge oder Sklaven!" Zamenhof strebte vor allem nach i«.r i»r:u.;' .:he « Ethik. Er wußte, daß Ideen allein den abscheulichen tu inism IS nicht zu beseitigen vermögen, daß tute -tisch Gtlindsätze allein noch nicht aus Menschen Menschen machen Damit seine ethischen Grundsätze nicht vergänglich und wirk i ig! >s seien, war er bestrebt, ihnen eine konkrete Fi i -i zu;eben. e!n für immer festgelegtes, von Kindheil an eingesaugtes, itisch vererbbares Bekenntnis. Da der Mensch, vor alle . Kind, nicht allein mit abstrakten Theorien und Re gespeist werden kann, sondern Eindrücke braucht, SCllWC . ihm 1