Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 17 (25.4.1929)
- Date
- 1929-04-25
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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\pril 1929 GEMEINDEBI.ATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 HonzertdlreMlon grast Eulenburit, Lelpzl«. Monlott, den 29. April, 20 Uhr, städtisches Hnulhaus I/on7 Art mi* fi0* Mine) - Frieda Gottlieb Her) ■^^^^gvl I^M^^aI M Werke von Beethoven, Reger, Mozart. " ■tB11* ^SB» ■ W Karten ä M. 1.50, a.—, 3.—, 4.— bei C. H. Klemm, Franz Jost und an der Abendkasse. „Also schließlich, was machst du denn?" versetzt er, als die we verstummt, und hört auf zu duseln, sieht sie mit anderthalb en an. „Was soll ich «roll machen?" antwortet die Witwe. „Sie hören chon, was ich mache, meinen Feinden wünsch ieh's! Also, wenn letzt Geld für 'ne Maschine bitte, für zwei Maschinen, wenigstens Maschine . . ." „Was für eine Maschine?" wundert sich Herr Stachele und sieht -chon mit beiden Augen an. „Ich habe Ihnen doch erzählt, daß meine Töchter sich mit Naherei ssen wollen, Näherinnen werden, auf der Maschine nähen wollen, eine Maschine haben wir nicht, zwei Maschinen brauchen sie. kricKt sie auf AbzahlunK." „Das ist ein guter Gedanke, ein sehr vernünftiger Gedanke: «rinnen nähen, verdienen, meinetwegen, sehr vernünftig!" Doch mitten in diesen Reden gelit's ihm durch den Kopf: „Woran i's denn, daß mir der Maßen so voll ist? Ich habe heute doch, l! Gott, Rar nicht so viel gegessen!" Und das eine Anne (fingt an, iner zu werden. Doch da die Witwe schweißt, rappelt er sich auf ■ spricht weiter: „Na, sehr schön, näiien, meinetwegen, warum denn nicht?" „Da wollte ich Sie bitten, Herr Simchele, Sie haben schon so viel uns getan, vielleicht war' die Möglichkeit, daß . . ." Wie Herr Simchele wittert, dal! es an den Geldbeutel geht, wird völlig munter. „Daß was?' „Daß Sie uns die Anzahlung leihen, die man auf die Manien . . ." ..Was für Maschinen? „Na, eben, die ich Ihnen sage, zwei Maschinen für meine Töchter, nlgstens eine Maschine." „Woher kommen denn Maschinen zu mir? Was habe ich denn i Maschinen zu schaffen?" „Geld!" spricht die Witwe. „Maschinen werden sie schon selber ufen. Man kriegt sie auf Abzahlung. Zum Beispiel, ich zahle je.7t en Fünfziger an und drei Monate später einen Fünfundzwanziger d später . . ." „Ich weiß schon, ich weiß schon, das brauchst du mir nicht zu (Iftren. Von mir uns können sie die Maschinen ruhig sein lassen. :/t hebt's gar noch mit Maschinen au!" „Wie sollen sie denn dann nähen? Mit den Händen kann mau viel nicht schaffen, alle Näherinnen haben heutzutage Maschinen." „Willst sie Nfiherinnen wereLn lassen? O weh! Wenn dein Mann n aufstünde und hörte, daß du deine Kinder willst Näherinnen wer- 11 lassen, da würde er gleich noch einmal sterben, weißt du das? in Rcfocl war eine ehrliche, eine treue Seele! Solche wie Refoel >t es nicht! Wenn Refoel bloß das Wort hörte: .Näherinnen', eilte das nicht ausgeholten! Er täte sich — ich weiß nicht, was an!" Herr Simchele spricht mit Herz, er meint es ernst. Und je länger spricht - desto lauter erhebt er seine Stimme: „Näherinnen? Sieh an! Eine schöne Arbeit dir ein jüdisches idchen! Sieh an! Wir wissen, was das heißt: eine Näherin! Und ch bei .luden! Sieh an! Refoeis Töchter und Näherinnen! Und wo elbe ich? Du weißt, daß dein Refoel bei mir aufgewachsen ist? Ich he ihn zu einem Menschen gemacht, erst Gott, dann ich. Und wer t ihn verheiratet, wenn nicht ich-' Sieh an! Willst du, daß ich so was zulasse? Gott bewahre! Was bin ich denn? Ein Stein? Ein heit Holz? Sieh an!" Die Witwe — leer, wie sie gekommen, ging sie wieder. Ging und rschwor sich (sonst „mög sie nicht erleben, ihre Müder aufzuhen!"), daß ihr Fuß nie mehr Herrn Simchcles Schwelle betreten lirdt — lieber dienen gehen! (Fortsetzung folgt.) Jüdische Verbände und Gemeinden Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für Sammlungen jüdischer Kunst und Altertümer Der Verein Jüdisches Museum E. V. zu Breslau halle im Anschluß an seine soviel beachtete Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" Vertreter der jüdischen Museumsvereine Deutschlands, Polens, Österreichs und der Tschechoslowakei, sowie des Gsamtarehivs der deutschen luden und der jüdischen Gemeinde In Berlin eingeladen zwecks Zusammenschluß zu einer losen Vereinigung auf dem Gebiete jüdischen Sammelwesens. Dieser Einladung waren Delegierte aus Kassel, Mainz. Merlin, Wien, Prag, Warschau, München, Frankfurt (Main) gefolgt. Die Tagung begann mit einer Führung durch die genannte Ausstellung, und die so sachverständigen Teilnehmer waren einstimmig der Meinung, daß eine so wohldurchdachte Ausstellung noch niemals zu sehen gewesen war, und daß der Verein Jüdisches Museum zu Breslau mit der Veranstaltung dieser Ausstellung einen ganz neuen Weg beschritten hat. Nach der Führung fand ein Vortrag von Dr. Hallo-Kassel über „Jüdische Handwerker und jüdische Künstler" statt, der im besonderen darauf hinwies, daß das Kunstgewerbe und die Kunst der Juden in vergangenen Jahrhunderten immer im engsten Anschluß zur Kunst ihrer eigenen Zeit gearbeitet hatte. Die eigentliche Arbeitstagung fand dannn am Nachmittage in den Räumen des Gemeindehauses statt, die als wesentlichsten Punkt der Tagesordnung eben die Frage der Errichtung einer losen Vereinigung der jüdischen Museen und ähnlicher Sammlungen aufwies. Man war sich im Prinzip über die Noiwendigkeit einig, und nach eingehender Aussprache über die Frage, wie weit man in der Einbeziehung der Archive und Bibliotheken gehen sollte, kam man zu dem Ergebnis, eine „A r h e i t s g e m e I n s c h a f t für Sa m m - 111 11 g e 11 jüdischer Kunst und A I 1 e r t ü 111 e r" zu bilden. In ihr soll Breslau zunächst auf ein Jahr den Vorort bilden und in der Geschäftsführung durch die Herren Prof lironuer-Wien. Dr. Hallo- Kassel, Dr. Karl Schwarz-Berlin unterstützt werden. Der Ausschuß wird sich nun zunächst mit der ("rage der Abgrenzung des Saminelgebietes für Bibliotheken und Sammlungen, ferner mit der Frage, ob die Sammlungen kulturhistorisch-ethnographischer oder kunsthlstorlscher Art sein sollen, zu befassen haben. Schließlich wird auch die Frage zu prüfen sein, inwieweit die einzelnen Museumsvereine, die sich ja in erfreulicher Weise immer weiter bilden, ihr Sammelgebiet auch landschaftlich abgrenzen müssen. Ferner wurde beschlossen, die jüdische Presse regelmäßig mit Nachrichten über die Tätigkeit der neuen Interessengemeinschaft zu unterrichten: größere wissenschaftliche Arbeiten jedoch sollen eventuell dem Notizblatt der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler überwiesen werden, an dessen weiteren Ausbau man denkt. Die nächste Tagung soll 1930 in Berlin, die übernächste 1931 voraussichtlich in Mainz stattfinden. Prof. Meier-Balaban-Warschau gab dann noch die mit sehr großer Zustimmung aufgenommene Anregung, die Städie jüdischen Volkstums im Osten, die heute noch durchaus den mittelalterlichen Charakter bewahrt haben, auf Exkursionen aufzusuchen. Zweifellos wird die neue Arbeitsgemeinschaft ein starkes Mittel zur Bereicherung des jüdischen Lehens darstellen und auch manches geistige Band über die Grenzen Deutschlands hinaus knüpfen. Dr. Willy Cohn-Breslau. t 3/CXULTßSA-ZAHNPASTA Ist die rlciithje. sie maefu die Löhne blendend weif* und he seitigt \tundtienitii. spritzt ntti\t. ist hociikoncentrlet t. daher s/»ar- MMIT< MtW Elb. A.-C: Dresden