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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-04-25 · 17 (25.4.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
17 (25.4.1929)
Date
1929-04-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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April 1929 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 , ton hinein in den Zusammenhang der Zeit, sucht alles jürj jIic Erleben aus ihm ZU erklären, liebt aber überall, wo nur Stoff gegeben ist, die jüdische Leistung hervor. Iis könnte si Ii erübrigen, dies durch Beispiele ZU erhärten; man nehme \ sieben Hand auch immer zur Hand und wird ihnen beim l *en einiger Seiten begegnen. Nur einige kurze I [inweise en gestattet, die wir dem sechsten Bande entnehmen. Bekann) Ist, daß die Juden meist recht erfolgreich dem I idel oblagen. In einem bemerkenswerten Dokument aber k Mint zum Ausdruck, wie sehr die Venetianer christlichen K lufleute die Bedeutung der Juden für den Aufschwung der J idi ZU schätzen wußten. Sie wandten sich gegen ein Dekret, d rch das der Senat 1550 die Mammen aus der Stadt weisen v Ute, u. a. mit der Begründung, dal! diesen die Einfuhr von | ganz Italien unentbehrlichen Artikeln zu danken sei. undd I sie dazu beitrügen, „der venezianischen Börse die Bed itung einer Abrechnungsstelle für den gesamten europüiv cn Mandel zu sichern" (Dubnow VI. 87). Doch es ist ein M rchen, wenn man glaubt, daß die Juden nur dem Handel igen. Der französische Weisende Nicolay berichtet aus ii in Jahre 1551,daß unter den Juden in Konstantinopel sehr geicktc Handwerksmeister und Manufakturvorarbeiter anzui pfen seien. Besonders liebt er hervor, daß sie erst dort Buehdi ickwerkstätten eingerichtet hätten, die bis dahin in der Türkt i unbekannt waren (ebd. 22). Ganz besondere Verdienste haben sich Immer jüdische Ärzte erworben. Sie übten ihre Praxis keineswegs nur im Ghetto aus, waren vielmehr so geschätzt, dal! alle Verordnungen die Nichtjuden nicht daran hindern konnten, jüdischen Ärzten ihr Vertrauen zu schenken. Auch wissenschaftlich erwarben sich jüdische Ärzte Verdienste. Ks darf darauf hingewiesen werden, dal.i z. B. die Universität in Padua im 16. Jahrhundert den Juden keine Hindernisse bereitete, und dal! ihre Zahl ausreichend war. um eine „Vereinigung jüdischer Studiereuder" zu erhalten (ebd. 143ff.). Hin Werk wie die Dubnowsche Geschichte bietet Anregung für zahlreiche Betrachtungen. Iis sollte mit dem hier Gegebenen die Aufmerksamkeit auf diesen ganz eigenen Charakter der Darstellung gelenkt werden, dal! sie sich gegen die altgewohnte Auffassung der jüdischen Geschichte als einer bloßen Leidensgeschichte wendet. Die jüdische Vergangenheit wird durch solche Betrachtung nur noch gewaltiger und noch mehr geeignet, uns stolz auf sie zu machen: einer Gemeinschaft, die so unentwegt au ihren Idealen festhält und trotz aller Anfeindung so bereitwillig im Dienste der Kultur wirkt, anzugehören, muß mit Begeisterung erfüllen. Das ist das große Wunder, das Mose und Aaron vollbrachten, als sie vor Israel in Ägypten hintraten, dal! sie diese Begeisterung in dem Sklavenvolke wachriefen und sie unauslöschlich ihm in die Seelen pflanzten, nachwirkend bis heute und in alle Zukunft. Gustav Cohn. DIE VIER GLASER AM SEDERABEND UND DER BECHER DES PROPHETEN ELIA Von Dr. Oscar Sincerus (Charlottenburg) Die Frage der Entstehung des Brauches der vier Gläser am Sederabend ist viel umstritten. Am geläufigsten ist die Deutung, die diesen Brauch auf die vier in dcrThora (II. Mos. 6. 6—7) für die Erlösung bzw. Befreiung aus dem . s ptischen Joch gebrauchten Worte zurückführt. Noch viel weniger Übereinstimmung herrscht bezüglich i s fünften Glases, das bis zum Rand gefüllt aber nie gei inken wird. Iis heißt allgemein im jüdischen Volksmund: der Becher des Propheten Ella (Alje Nowi Kos). Woher kommt d cse Bezeichnung, und in w elchem Zusammenhang steht gerade dieser Prophet mit dem Sederabend? Der Prophet Elia spielt bereits seit alten Zeiten in den ligiösen Vorstellungen der Juden keine geringe Rolle. Wird schon in der Bibel (I. Kön. 17. 24) als „Gottesnianu. in d ssen Munde das Wort Wahrheit ist", bezeichnet, und stirbt auch eines nicht natürlichen Todes, (er wird bekanntlich i Sturm gen Himmel gehoben \2. Kön. 2, 111), so versetzt ii die spätere jüdische Sage, die Agada. geradezu in die Reihe der Engel; er ist bereit und imstande, den Menschen i allen ihren Lebenswegen nur Gutes zuzuführen (vgl. Harnirjjer „Realenzyclopaedie für Bibel und Talmud" Bd. I. 298ff.) . Und so wird „Elje" (in jiddischer Aussprache \lie") „nowe" d. h. lilia hanowi der Prophet lilia bei altihodoxen Juden noch bis auf den heutigen Tag als ein iheres, vor allem glückbringendes Wesen angesehen. Daher -t es in den slawischen Ländern eine ganz gewöhnliche Sitte, iß eine jüdische Frau ihrem Manne des Morgens, wenn er hu Hause zu seiner beruflichen Arbeit ausgeht, zuruft: ..Alje »we soll dir begegnen!" (d. i. er möge einen glücklichen Tag iben). Diesem Propheten nun wird, wie gesagt, an den beiu Pessachabenden ein Becher bis an den Rand mit Wein füllt, darauf die Tür geöffnet — natürlich in dein Glauben ler Hoffen, daß er kommen werde — dann stehend ein Gebet isprochen. In einzelnen (legenden wird der Inhalt dieses echers dann, nachdem man sich niedergesetzt hat. in alle echer der bei Tisch anwesenden Personen verteilt. Meistens aber bleibt er über Nacht ungenossen stehen. Wird nun am nächsten Morgen bemerkt, dal.! der Becher über Nacht leer geworden ist (sei es. dal! jemand iv-.s Unkenntnis oder aus anderen Motiven den Wein ausgegossen oder gar ausgetrunken hat, so sind alle Tischteilnehmer fest davon überzeugt, daß ..Alje nowi" wirklich dem Hause einen Besuch abgestattet habe, was als glückbringendes Vorzeichen angesehen wird. Lüne andere Version ist die. dal! unser Prophet lilia au die zu erwartende einstige Erlösung Israels, welche nach Angabe unserer Weisen ebenfalls im Monat Nissan stattfinden wird, erinnern soll. Dabei wird nach dein Propheten Maleachi (AusgangSWOrte) lilia als Vorläufer des Messias erscheinen. Das Öffnen der Tür soll allerdings keineswegs als höfliche Einladung für Lilia gelten, sondern die Sedernacht als eine lel schimmurim (Nacht der Hüter) kennzeichnen, in welcher sich Israel in Ägypten des ganz besonderen Schutzes Gottes erfreute und furchtlos mit voller Behaglichkeit das Pcssachlamm verzehrte: es ist also ein pietätvoller Brauch. Hingegen erklärte der verstorbene Prof. Dr. Kacnipf in Prag, eine Autorität in allen jüdischen Fragen, die Füllung des fünften Bechers lediglich als eine Vorsichtsmaßregel, für den Fall, das irgendwo der Wein für den vierten Becher fehle. Gegen diese Deutung läßt sich einwenden, daß ein Glas schwerlich zum Nachfüllen einer Anzahl Gläser ausreicht. Noch anders w ird das fünfte Glas w ie folgt erläutert. Wir beginnen die Feier mit der Einladung an jeden Dürftigen, zu uns zu kommen und das Lest mitzufeiern. Das mindeste aber, was wir tun können, ist. für ihn ein Glas bereit zu stellen. Für wenn aber können und sollen w ir es mit größerer Bereitwilligkeit tun als für den sehnlichst erwarteten Gast Elijahu, den Vorläufer der Erlösung? Jedenfalls steht das eine fest: wegen der vier Worte bei der Befreiungsbotschaft, die der Kwige den Israeliten durch Moses zukommen ließ: ..Ich werde euch hinausbringen — erretten -- erlösen — nehmen" haben unsere nachbibüsehen Gesctzausleger. indem sie diese Variationen voll würdigten, es

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