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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Numn: ZUM 50. GEBURTSTAGE ALBERT EINSTEINS Im diesen 'lasen wetteifert die gesamte Kulturwelt, dem fünfzigjährigen Alberl Einstein Zeichen der einmütigen ehrfurchtsvollen Verehrung darzubringen, mit der sie vor dieser Keniaten Denkergröße steht. Eine besondere Note glücklichen Stolzes tragen die Glückwünsche, die die jüdische Gesamtheit diesem wahrhaft üroßen in Israel darbringt. Selten dürfen einem Lebenden in so rückhaltloser Anerkennung seiner Bedeutung Huldigungen erklingen wie dieser Persönlichkeit, deren die Menschheit selbst in Jahrhunderten nur wenige zahlen darf. Und Einstein ist einer der Unseren, nicht nur dem Blute, der Abstammung nach, sondern in seiner ganzen bewußten inneren Zugehörigkeit Ein altes jüdisches Wort gewinnt im Hinblick auf Einstein eine neue Bedeutung: ..Nur einen Teil seines Ruhmes dem Gegenwärtigen." Noch können wir Lebenden die letzten Auswirkungen des Neuen, das dieser Denker in das Denken der Menschheit gesät hat, nur ahnen. Die Tragweite seiner gewaltigen Erkenntnisse vermag heute noch keiner zu überblicken. Aber: wie groß auch die Bewunderung für die umstürzenden Forschungserfolge: wir wissen, eine Zukunft, in der die Menschen das Weltbild in der Beleuchtung der Einsteinschen Lehren betrachten werden, wird mit diesem Namen den Beginn ganz neuer Grundlagen der Weltbetrachtung kennzeichnen; der Ruhm Einsteins, der heute über den ganzen Erdball reicht, wird in Jahrhunderte übergehen. Nur wenig Großen inj Reiche des Geistes ist das Glück beschieden, mit eigenen Augen zu sehen, wie das Verständnis für ihre geistige Leistung unter den Zeitgenossen wächst. Sie reichen mit ihrer schöpferischen Kraft in Generationen hinein, die noch ungeboren sind: meist bleibt es diesen erst vorbehalten, dem Hochfluge von Geistern, die ihrer Zeit vorangingen, zu feigen. Einstein ist das beglückende Geschick geworden, daß ihm, dem Gegenwärtigen, wenigstens ein Teil seines Ruhmes schon In den Jahren rüstigen Schaffens die Gewißheit künftigen Begreifens gegeben hat. So ist unser Wunsch, daß es ihm gegeben sei. ein gut Stück der Entwicklung mitzuleben. die von seinen Erkenntnissen aussehen wird, selber weiterbauend, aber auch beglückt durch die Befriedigung, sich immer mehr begrif fen zu wissen. Albert Einstein wurde am 14. März 1K79 in Ulm a. d. Donau geboren. Sehr früh zeigte sieh seine Anlage zu scharfem Denken. Als Schüler des Gymnasiums fand er aus eigenem Nachdenken den Beweis des pythngoraeischen Lehrsatzes. Mit 15 Jahren wurde er von seinem Mathem»tlklehrer für universitätsreif erklärt. Schon bevor er in seinem 17. Lebensjahre die Lehramtsschulc des Züricher Technikums berog, «raren in ihm die Probleme aufgetaucht, die man die Uranfänge seiner Relatlvititstheorlt nennen kann: das Problem der Optik bewegter Korper. die Lichtaussendung von Körpern, die sich relativ zum Aether bewegen. Nach Ueberwindung mancherlei Schwierig^ er mußte erst das Schweizer Bürgerrecht erwerben — konnte ei 1903—1909 am Schweizer Patentamt als Experte betätigen. Mitten in dieser seiner Praxis. 1905, losten sich seine jahi in angestrengter Forschung und tiefem Nachdenken gewonnene Kenntnisse in einen unwiderstehlichen Arbeitsdrang: in diesem Jahre entstanden die umstürzenden Werke: „Ueber einen die I gung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen des punkt": „Ueber die Trägheit der Energie"; „Das Gesetz der Bi sehen Bewegung*4; „Zur Elektrodynamik bewegter Körper" (dies* handlung trug bereits die griindstürzende und grundlegende Thi der speziellen Relativität). Dann kam im gleichen Jahre seine l>' dissertation: „Line neue Bestimmung der Moleküldimensionen." Im Frühjahr 1914 wurde er an die Preußische Akademie der senschaften nach Berlin mit Lehrfakultas an der Universität bei und zum Direktor des neugegründeten Kaiser-Wllhelm-Instltuts Physik ernannt. Hier vollendete er seine Kclativitätsarbeiten mit großartigen Ausbau der Gravitationslehre. Durch die R e 1 a t ttttstheorie ist die Physik auf ein völlig neues Fundament g> worden, und die wichtigsten neuen Errungenschaften, insbcsondci dem Gebiet der Atomphysik, wären ohne sie unmöglich gewesen, gelang ihm die Verallgemeinerung seines Gravitationsgesetzes zu > umfassenden allgemeinen Ausdruck. Diese Arbeiten gipfelten ii „Neuen Feldtheorie", deren vor kurzem erfolgte Veröl liehung durch die preußische Akademie der Wissenschaften au gesamte wissenschaftliche Welt fast ebenso revolutionierend wie Relativitätstheorie gewirkt hat. — Albert Einstein nimmt an allen geistigen und politisch-frei liehen Bewegungen der Jetztzeit teil. Als Jude steht er der Zioi sehen Bewegung nahe. Im April 1914, auf einer Rückreise aus J. weilte er in Palästina; dort wurde er von dein Erlebnis jüdischer A im Lande der Väter ungeheuer ergriffen. Leidvolle Jugenderich zusammen mit diesem neuen Erlebnis verdichteten sich zum Erl« der jüdischen Renaissance, für die er seither wiederholt in Won Schrift eingetreten ist. Er gehört dem Kuratorium der Unlvei Jerusalem an. deren in Gründung begriffenes physikalisches ln^ nach ihm benannt wird. 1921 nahm er an Weizmanns Propaganda! nach Amerika zugunsten des Keren Hajessod teil. Auch anderen sehen Wohlfahrtsbestrebungen ist er stets hilfsbereiter Freund. V rend der ersten Nachkriegsjahre wurde gegen Einstein von völkische eine wüste antisemitische Hetze entfaltet; er stand auf „schwarzen Liste" zusammen mit Rathenau und anderen jüdh Persönlichkeiten. Die Verehrung der Judenheit für Albert Einstein kommt in 1 Aufruf führender jüdischer Persönlichkeiten Deutschlands aus Lagern zur Begründung eines Einstein-Waldes in Palästina zum druck, der in die Worte ausklingt: „Ein Einstein-Wald in Palä soll als lebendiges Denkmal für ewige Zeiten seinen Ruhm und IM Verehrung künden, aber auch Zeugnis jüdischer Schöpferkraft. A und Kultur sein. Wir deutschen Juden sind stolz darauf. Einstci den Unsen zu zählen, begrüßen freudig die.Gelegenheit, ihm in d schönsten und würdigsten Form unsere Glückwünsche darbringe können." Ich iiik Er. Hell Uli- IIS. \b- Tic or. len für an )2i cm der mtdie Int eil- Miian, icit isse 'Iiis und ität itut Im idi- IT» her der iicn cm Ich IIS* tlM - erc <cit | zu 1 ■•er a 9c.tt!ol)cmgä Untetri^^nftolt i Öalomonjtrafce 5 Cel.tpgon 23074 <tge6nfffe öcc ©fterprüf ungen: f* fteftonöct üonii tfrfjülern 9 äicÄealfrl)u(ceifepcüfun£ üort 17 tfrfjülecn 15 &6errea(f$ul' ccifeprüfung. ■■■ Häuser / Hypotheken ✓ Hausverwaltungen REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG LEPLAYSTRASSE 3 GEGRÜNDET 1907 FERNRUF Z35 76

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