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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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5, In 102!) GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 licli Km seti Am;. kein Ich teis um wen frei (AI rin stnt den Zw< Jen knie Kup Wi seht Ma reu lei I Wie Villi unübersichtlich geworden und für den thistoriker, der selten auch Hebraist ist, er zu bewältigen. Eine kunstkritische sc ist aber nie vollständig, wenn ihr ikonographische, stoffliche voranseht. Höchte gleich ein Beispiel anführen, das n soll, welche Schwierigkeiten die Deueiner mittelalterlichen Illustration bietet, auch der dazugehörige Text einwandeststeht. la ist das Mild in 15. II, Bl. 164 verso I). Wir seilen einen Mann vor dein ne eines mit Krone und Szepter ausgeten Herrschers knien, drei Männer reiiuf den König mit lebhaften (iesten ein. unter ihnen sind durch Judenhflte als Jugekennzeichnet. Etwas abseits, rechts ein Manu mit dem Judenhute auf dem e in den Flammen. Uber ihm schwebt eine \c, aus der eine Hand ausgestreckt ernt, die die Hände des im Feuer hockenden ics ergreift. Das Bild schmückt den unterband eines Blattes, dessen Inhalt keinereziehung zu ihm verrät. Auf den ersten nicht. Jedoch der auf Spalte 2, Zeile 1 unten stehende Name Abraham gibt uns schon einen Fingerzeig. Wir lassen die Gcschiehte Abrahams au uns vorüberziehen, wir ube: schlagen die Lebenden, die sich an Abraham knüpfen. Da fällt uns die Legende vom König Nimrod ein. der Abraham wegen seiner Auflehnung gegen die Vielgötterei in den Pei irofen werfen läßt. Diese Legende wird in aller Ausführlichkeit im Sefer-ha-.laschar. einer mittelalterlichen Nacherzählung der Bibel, geschildert. In den. Gestalten vor dem Throne können wir Terach. den Vater Abrahams, und Haran, den Bruder Abrahams, sowie einen Würdenträger am Hofe Nimrods v. <! vermuten. Sobald wir das Mild gedeutet zu haben glauben, eri icrn wir uns an italienische Renaissancefresken, die die Feuerprobe Abrahams zum Gegenstand haben. Das Bildmotiv vi auch den christlichen Künstlern bekannt, wir wissen Moll nie it, ob es ihnen durch Juden oder aus anderen Quellen verin eil wurde, war doch die Legende sehr verbreitet, im Koran. st le in slawischen apokryphen Schriften enthalten. Eni faszinierendes Thema für vergleichende Kulturstudien. Fs soll hier auf ein anderes Mild hingewiesen werden (in lin d I des Machsors. S. 131 recto). das uns sc i Qehefmnis noch nicht prcisgegel>cn hat, vielleicht gelingt es dem Leser, es zu deuten. Ef la e sich den Machsor in der Universitätsln iothek zeigen. Ich besitze leider keine Aufm ine des ganzen Mlattes und somit des Textes, d< uns vielleicht Aufschluß geben würde. Das l! 1 befindet sich, wie das vorher besprochene, ,ii dem unteren Rande des Mlattes. Links sitzt einer Truhe ein Mann mit Judenhut. er hält ein K d auf dem SchoB. Zwei kleine Figuren, offen- I' auch Kinder, stehen vor dem Sitz. In der V tte des Mildes steht ein Mann mit Judenhut ii d hält ein Kind im Arm. Rechts führt ein V im mit Judenhut zwei Kinder einem Hecken n i Wasser zu. worin drei Fische schwimmen. I Kinder tragen jedes einen runden gelben und ei len ovalen Gegenstand (Mrot und El?) in den I iiiden. Bezieht sich die Darstellung irgendwie! if den Übergang über das Rote Meer, wovon h den untersten Zeilen des Textes die Rede ist? NcIhmi den Mildern, die uns Schwierigkeiten bi reiten, haben wir wiederum Darstellungen im Abb. 2. Der Feststraußschwinger Mit GenehmiRunR der Universitätsbibliothek in LeipziR. Machsor, die uns vertraut erscheinen, weil wir ihnen in Haggadahhandscliriften bereits begegnet sind. Zu diesen gehört das sehr verbreitete Mild Simsons, wie er auf dem Löwen reitend, demselben den Rachen aufreißt (B. I. 1° recto). Die Idee, die Kraft durch eine Gestalt zu versinnbildlichen, die einem Löwen mit bloßen Händen das Maul aufreißt, wie sie in Simson veranschaulicht ist. entlehnte die christliche mittelalterliche Kunst der Bibel (Richtet 14, 6), wir finden sie sogar in den Spielkarten w ieder, in einem französischen Tarokspiel des 14. Jhts. z. M., wo Simson durch eine allegorische Frauenfigur ersetzt ist, die ihre Kraft am Löwen exemplifiziert. Unter dem Milde steht der erläuternde 'Titel: Force. Zu den Mildern des Machsors zurückkehrend, die auf den ersten Blick leicht zu deuten sind, nennen wir die Gestalt des Fcststraußschwingers mit dem Esrog und dem Lulav (II. 182 recto. Abb. 2) und die des Weidenrutenträgers (hoschanot, I. 90 recto, Abb. 3), die sich beide auf das Laubhüttenfest beziehen. Die Milder, die wir hier aus der üppigen Fülle herausgegriffen haben, haben alle etwas gemeinsam, und zwar ihre räumliche Stellung zum 'Text, es handelt sich in diesen Machsorbildern ausschließlich um Randbilder, die de*m Text entweder seitwärts, wie die beiden letzten, oder am unteren Rande angeschlossen sind. Keines von den Mildem beansprucht die volle Seite, obzwar damit nicht gesagt sein soll, daß der Machsor keine Vollbilder aufweist. Allerdings sind sie weniger zahlreich. Der jüdische Illustrator des Mittelalters behandelt die Milder als Erläuterung zum 'Text, als mnemotechnisches Hilfsmittel. Die Milder sind ihm selten Selbstzweck, sie sind dein 'Text untergeordnet. Dies gilt für den Machsor in viel stärkerem Maße, als für die Haggadah. die gelegentlich selbständige lllustrationszyklcn bringt, Vollbilder ohne Text mit kurzen Meischriften. Aus dem Charakter der Raiidzeichnung erklärt sich denn auch die Behandlung der Machsorbilder. Sie haben weder Rahmen, noch Hintergrund, sind leicht skizzierte, mehr linear gehaltene Zeichnungen. Der Machsor von Leipzig besteht aus zwei mächtigen Folianten im Format 49 X.Mein. Fr ist auf Pergament in einer ___ schönen aschkcnasischcn Schrift geschrieben. Mit besonderer Sorgfalt und Feinheit ist die farbige Kontinuierung einzelner Worte und Zeilen ausgeführt. Nach der reifen Gotik der Architekturformen zu urteilen, die in den Miniaturen vorkommen, gehört das Werk der zweiten Hälfte des 14. Jhts. au. Von den Darstellungsstoffen des Machsors. die hier nicht eingehender behandelt werden konnten, seien erw ähnt in Hand I. MI. .'7. r. Männer vor dem Metpult. Bl. 31 verso. Die Vision Esekiels, MI.51 verso Hainau und seine Söhne MI.54 verso das Brautpaar, MI. 85 recto. 85 verso. So recto dieZodiakbiider. I30verso, Gesetzempfang, in Md. II. Ml. fi recto Opferung Isaaks. 174 recto. eine für Machsorlm sehr charakteristische architektonische Komposition, aus einem Portal bestehend, das von Drachen getragen w ird. Der Machsor enthält in Md. IL Ml. 56 verso Signaturen von einem Naphtali aus Lisk und Mordechai aus Schrebschin. deren Datierung Gegenstand besonderer Untersuchung werden müßte. Rahel Wischnitzer-Mernstein. Merlin. Abb. 3. Der Weidenrutentriiger. Mit GenehmiRunR der Universitätsbibliothek in.Leipzig.

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