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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELI! 1SCHKN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nimm, || b. Abraham Crescas in Spanien geschriebene Bibelhandschrift; hierher gehör! auch die Machsorhandschrif! der Leipziger Universitätsbibliothek, die bisher noch wenig Beachtung gefunden hat. Alle diese Handschriften zeigen, auch wenn die künstlerische Ausgestaltung bisweilen keine hohe Stufe erreicht, daß" die Juden dem Buche mit inniger Verbundenheit begegneten. Kein Wunder, daß das Buch für den Juden an Bedeutung ungeheuer gewann, seitdem der Buchdruck seiner Verbreitung iede Schranke aus dem Wege räumte. Iis begann eine YersenkiuiK in das alte, immer wieder neu gesehene Schrifttum, Bibel und Talmud, die alles übertrifft. a as je in einem Volke an geistiger Arbeit gesehen wurde. Der lüde verw uchs förmlich mit dem Buche seines Qesetzes. Aber nicht mit ihm allein: Wie sehr ihm sein QesetZ im Mittelpunkte allen ..Lernens" stand, es gab so viel Berührungspunkte dieses Gesetzes mit dem Leben, daß - geistige Schaffen wohl jedes üebiet menschlichen Geistes durchpflügte und aus ihm wertvolle Frucht wachsen ließ. So hat sich die Liebe des Juden zum Buche bis in die neue Zeit Iiinein bewährt. Ist es auch in weiten Kreisen nicht immer mehr in dem einstigen Ausmaße ..das" Buch, die Bibel, oder fast noch weniger der Talmud mit all seinen Grenzgebieten : die Autoren und die Verleger unserer Zeit kennen sehr wohl die Bedeutung der Juden als Konsumenten und als Leser s Buch. Mancher bekannte Schriftsteller verdankt seinen Ruhm allein dem Interesse, das Juden ihm entgegenbrachten. Nicht in gleichem Maße ist Je* 'iiii ick ,111lai; die doch die Kultur des jüdischen Buches bis zu uns hin erhalte blieben. Sehen wir im Ib. Jahrhundert, welchen Wert nun Gediegenheit der Ausgabe wie auf ansehnlichen Buchschu gelegt hat, SO schwindet diese Sorgfalt im 18. und 1°-. Jahr dert zusehends; SO sehr, beim Beginn des 20. Jalu derts beispielsweise diePes? Hagadah, die Esther-Megilli a. in Ausgaben erscheinen geradezu schmachvoll gen ml werden müssen; Vernachl. ssigung von Schrift,.Buchschn k, Papier und Einband trag» gleicher W eise dazu bei. El m Jüngsten Jahren ist ein i er Aufstieg zu bemerken. Jüdische Graphiker schaffen wert\ ille Buchillustration (E. M. Lil en, Jakob Steinhardt, Josef Bin i); Verleger neben den von i en herausgegebenen Schriften ie. der ein würdiges Kleid: eine Vereinigung von Freunden lex schönen jüdischen Buches (Soncino-Gesellschaft) tritt bev ißi in die Fußtapfen der alten I radition, um eine Erneuerung jener geschmackvollen Buchkultur herbeizuführen, die das 16. Jahrhundert ausgezeichnet at. In gleicher Weise steht auch das literarische Schaffen der luden auf beachtenswerter Hi e. Keine Gattung des vielgest; - Ken Gebiets, die nicht durch nerkannte Namen jüdischer Autoren gefördert würde. Und doch macht sich auch r das Jüdische Buch eine Krise tend. Die Hast einer zermürbenden Berufstätigkeit, der Zw ig zur Sparsamkeit drohen, die te Oberlieferung zu überrennet Es wäre ein unsäglicher \ - lust für die Zukunft des .lud ittuns, wenn ihm die Werl l des Buches verloren ginge. Rabbiner Gustav Colli Abb. i. Abraham im Feuerofen vor Nimrod. Mit Genehmigung der UnivcrMUt,bit<liothck in Leipzig. DER MACHSOR DER LEIPZIGER UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK Der Machsor der Leipziger Universitätsbibliothek ist ein mittelalterlicher illuminierter l'rachtkodex, der es verdient, in unserer jungen jüdischen Kunstforschung einen besonders ehrenvollen Platz ZU erhalten. Ich weiß nicht, ob zwischen Leipzig und Dresden ein edler Wetteifer besteht, wie er die Beziehungen mancher Schwesterstädte charakterisiert. W ie dem auch sei. möchte ich gleich feststellen, daß auch Dresden einen mittelalterlichen Machsor sein einen nennt. Auch der Dresdner ist wertvoll, obwohl seine Bedeutung vorwiegend im Dekorativen Heut. Der Leipziger Machsor fesselt aber durch die Fülle der Darstellungsstoffe. Seine Bilder «eben einem so manche harte Nuß zu knacken, sie sind noch lange nicht alle ausgedeutet, der Machsor ist ein Problem. Seit David Kaufmann mit Julius Schlosser und D. H. Müller die Haggadah von Sarajewo herausgegeben haben, beansprucht die Haggadah das Interesse des Kunstliebhabers, und zwai einem Maße, daß darüber die Erforschung der anderen heb: scheu illuminierten Handschriften, der Bibelkodizes, der Ma soritn usw. vernachlässigt wird. Bernhardt Ziemlich hat t mal üIkt den Nürnberger Machsor geschrieben, ich habe u in einem illustrierten Aufsatz im Berliner (iemcindchlatt (S tember l(Ji4) mit einem Machsor der Bodleiana in Oxford dem ehrwürdigen Wormser Machsor befaßt Iis fehlt bis j< eine zusammenfassende Arl>cit. die die Bilderstoffe der Ma sorim systematisch darstellt. Die VernachlSssigUTlg des Machsors man auf die Spröd keit seines Textes zurückgeführt werden. Die Haggadah hat Fest zum (ieKenstand. der Machsor fünf: das l'assahfest. d Wochenfest. Sukkot, Rosen ha-Schana und Jörn Kippur. Dm die Wiederholungen und Variationen ist der Machsortext zie

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