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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-03-09 · 10 (9.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
10 (9.3.1929)
Date
1929-03-09
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite i GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nunini. in deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Leipzig-Loge, Jüdischer Frauenbund. Hillsverein Israel. Gewerbetreibender, Verein „Bikur Chaulim", Verein „Ohel Jacob", die beiden Bar-Kochba-Vereine, Rciehsbiind jüdischer Frontsoldaten, österreichischer Frontbund, Misrachi, Linas Hazedek, Verein der jüdischen Handwerker, Agudas Jlsroet, Misrachi Sonnabend, den d. M. fand ein Diskussionsabend der hiesigen Misrachisien aul Anregung der politischen Gruppe des Zefre Misrachi itbei die Fragen des a. o. Delegiertentages des Misrachi statt. Eine uroUe Zill! politisch interessierter Mitglieder des Zelre Misrachi und illgeiucincr Misrachisten nahm an der Diskussion teil. Zu der Frage dei i mgestaltuug der /.. V. I. D. sprachen sieh die meisten Redner (u. a. Lasowsky-Hamburg, Michaelis-Hamburg, van Cleve-Köln und Werczberger-1 elpzig) gegen die Umgestaltung aus. Her einzige Rcdiier für den Antrag Barth war E. Carlebach»] eipzig. Eine besonders leidenschaltliche Diskussion rielen die gemeindepolitischen Fragen bzw. das Verhältnis /ur Volkspartei hervor. Alle Keilner. auch die sich lür die Zusammenarbeit mit der Volkspartei einsetzten, betonten die großen Geiahren einer undemokratisch organisierten Volkspartei, bzw. die VerstSndnislosigkeit vieler Volksparteiler fiu halachlsche und gesetzestreu-rellglöse Erziehungstragen. Einzelne Vorkommnisse In den Gemeinden, das Fehlen jeder rechtlichen Sicherung der rituellen Einrichtungen In den meisten deutschen Gemeinden, wurde insbesondere von Herrn Kestenbaum-Leipzig betont. Fs wurde festgestellt, daB die Konstituierung einer dritten kulturellen Richtung wie die areligiöse Erziehung in vielen Schulen keinesfalls durch Stillschweigen gebilligt werden darf. Es soll an die Volkspartei die Forderung gestellt werden. sich für die juristischen Sicherungen dei gesetzestreuen Einrichtungen In den Gemeinden einzusetzen, Insbesondere ttir eine höchste Stelle für Gutachten in halachlschen Fragen (z. B. der gesetzestreue Rabbinerverband) zu sorgen. In dieser Beziehung hat auch ein Vertreter der Merliner Zentrale über positive Erfolge in den Verhandlungen mit der Volkspartel berichtet. Außerordentlicher Delegiertentag des deutschen Misrachi Am; .'-(. Februar fand in Leipzig ein außerordentlicher Delegiertentag des deutschen Misrachi statt, der von -49 Misrachisten. davon is Mitgliedern der Zeire-Misrachi. beschickt war. Nach einem Bericht des Vorsitzenden über die Arbeit des Zentralbüros im letzten halben lahre. aus der besonders die Durchführung der Chanukkah-Aktion und die Gründung der misrachistischen Monatsschrift ..Zion" zu erwähnen Mild, fand eine eingehende Aussprache über die auf dem letzten Frankfurter Delegiertentage eingebrachte Resolution, die Umwandlung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland In eine territoriale Arbeitsgemeinschaft betreffend, statt. Als Ergebnis der Diskussion wurde diircjj Abstimmung festgestellt, daß eine solche Umwandlung nicht erstrebenswert sei. Der Delegiertentag befaßte sich ferner mit der Stellung des deutschen Misrachi zu Gemeindefragen und zur Gemeindepolitik. Es wurde ein Programm vorgelegt, das auch die Regelung des Verhältnisses des Misrachi /ur Volkspartei zum Ziele hatte. Mit der Formulierung des Programms wurde die Landeszentrale beauftragt. Eine Resolution wurde angenommen, in der festgestellt wurde, daß Mitarbeit in den Gemeinden unter Verfolgung einer klaren misrachistischen Gemeinde- Politik Aufgabe des deutschen Misrachi Ist, die Verbindung des Misrachi mit der Volkspartel ist im Einverständnis mit der Landeszentrale nach örtlichen Konstellationen zu regeln. Grundgesetz solcher Verbindung muß volle Gewissentrelheit bei Abstimmungen In religiösen Fragen bleiben. seil I Nt der mit dal \n- Es wird ein Präsidium von zwei Personen gewählt, dem blshs Vorsitzenden Alexander Adler und Herrn Dr. Oskar Wolfsberg bisherigen Mitglieder des Zentralbüros wurden zu Mitglieder) Landeszentrale gewählt. Ein vom Zentralbüro ausgearbeiteter Siatutencntvvurf wurd. geringen Änderungen en bloc angenommen, mit der Maßgabe der nächste Delegiertentag befugt sein soll, notwendig werdend« derungen mit einfacher Majorität vorzunehmen. Ein wesentl Punkt dieser Statuten stellt die Mitgliedschaft der im Zeire-Mij,i organisierten Jung-Misrachisten mil allen Rechten und Pflichten I halb des Allgemein-Misraelü dar. Jubiläumsfeier im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Anläßlich des lOjährigen Bestehens de*. Reichsbundes jüd. I Soldaten veranstaltete die hiesige Ortsgruppe eine Feier, mit der Lessingfeier verbunden war. Herr Genieinderabbiner Dr. Cat bach behandelte in seinem Vortrage ..I. e s s i n g und die den" das schon soviel erörterte Thema von einem ganz neuen Sichtspunkte aus. Fr stellte fest, daß Lessing in seinem Jugendv rk „Die Juden" sich in seinem Wahrheitsdrange wohl ungewöhnlich i c\\ über die damals herrschende Anschauung von Juden erhoben hat: es eine große Tat. einen edlen Juden auf die Bühne zu bringen. Es m si jedoch erkannt werden, daß auch Lessing in dem Urteile seiner il insoweit noch befangen war. als auch er nur von einzelnen ,|i spricht, die in sicli trotz ihres Judentums die höchste Veredl verwirklichen könnten. Auch in dem „Nathan" werde deutlich. Lessing ein tieferes Verständnis für das Positiv-jüdische noch Ii hl gewonnen hat. Die Gestalt des Nathan ist über alle Konfessii en hinausgehoben. Nathan ist der absolut reine, sittlich hochstellt tlt Mensch. Es bedeutet eine große Vorurteilslosigkeit, daß Lessing ei m Juden eine so hochwertige Stellung einräumt, und es ist nur a; scmessen, daß wir Juden diesem Vorkämpfer für Gedanken der Hu inilät und der Gerechtigkeit den heiligen Dank für das bewahren, is er für die Befreiung von Juden und Judentum aus den Vorurteilen v wirkt hat Aber auch aus der Gestaltung seines Nathan sei zu rkennen, daß ihm tieferes Verständnis für das Wahrhaft-Jüdische, positive Betätigung jüdischer Religionsübung nicht auigegangen Der Grund hierfür ist in dem Verhalten der Juden selber in jener zu finden. Man hatte noch nicht den Mut. religiöse ('billigen auch den Augen der NichtJuden vorzunehmen. Wenn der Jude diese Sc heute nicht mehr zu haben brauche, so danken wir dies nicht wenigsten Lessing. Es bestehe also ein innerer Zusammenhang l sehen der Feier des Frontbundes und der Erinnerung an Lessing, Wegebahner für eine freiere Stellung gegenüber den Juden. Mit dem Dichter Lessing machte Herr Kantor Jaffc durch ■ würdige W iedergabe einiger Proben aus dem Werke Leasings bek.i I Der 2. Teil der Feier war dem Jubiläum des R. j. F. gewidmet kamen die Vertreter Leipziger Organisationen mit den dem R. dargebrachten Glückwünschen z.u Worte. Herr Gemeindovorste Carl G o I d s c Ii tu i d t ergriif gern die Gelegenheit, um. m Worten warmer Anerkennung für das vom R. j. F. Geleistete, Dank der Israelitischen Religionsgemeinde an die hiesige Ortsgrn für das auszusprechen, was von deren Mitgliedern bei den verschied sten Anlässen innerhalb der Gemeinde geleistet worden ist. - II Gemeinderabbiner Dr. Gold mann beglückwünschte den Frontb vom Standpunkt des Rabbiners aus. Von einer nicht unwesentlich dem Gedanken der Abwehr entstandenen Sammlung zu jüdischem - sammenschluB sei der Frontbund mehr und mehr zur positiv-jüdisel Einstellung übergegangen und trage nun auch zur religiösen Em« rung bei. Für die Ortsgruppe des C. V. überbrachte Herr Gemelli! rabbiner Cohn die Glückwünsche. Fr wies darauf hin, daß R. i Blumen und Pflanzen Blumenhaus J. C.HANISCH, Hoflieferant GEGRÜNDET 1836 Grimmaische Straße 29 Petersstraße 44 j^lf^ Arrangements / Dekorationen / Kranzspenden Hauptbahnhof WeSt Ar. alle Gelegenheiten in einfachster bis zur prachtvollsten Ausführung Fernsprech-Sammelnummer Nr. 70156 ZU mäßigen Preisen

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