Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 10 (9.3.1929)
- Date
- 1929-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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g, an 102'.» GEMEINDEBLATT DER ISRAELI IISCHEN RELKilONStiEMEINDE ZU LEIPZKI Seil. .! Zehn Jahre Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Von Harry Hirsch, Mi tgl.d. R.j. F. f^1 hon in den letzten Krlegsjaliren wuBte in.ni, daQ nach Kriegsende ^^iiiii einer antisemitischen Strömung zu rechnen \\; i r: auch dleKrlegsk^/teilnehmer werden sich erinnern. daQ man davon munkeile, obwohl ina im allgemeinen im Felde wenig von Antisemitismus verspürte. Hain. wuBte man keine Ursache dafür /u finden, nachdem die antlseml- Iis, , Welle der 80er Jahre längst verebb! war und wir gerade in den Ki -jähren bewiesen hallen, daß wir unserer Vaterlandspflichl in glc lier Weise nachkommen wie unsere nichtjüdlschen Mitbürger. - IK e sind wir Ober diese Vorgänge weniger erstaunt, nachdem wir w ien, welchen Einfluß /ur damaligen Zeit judenfeindlich eingestellte I n; er in höchsten militärischen Stellen ausgeübt haben, die wahrend dei Kriegszeil bekanntlich auch die Richtung der deutschen Politik cbend beeinflußten. Es genügt in diesem Zusammenhang auf die v en Ludendorff und Schulcnburg hinzuweisen, um das Gesagte zu dci instrieren, Gewiß bestanden schon Abwehrorganisationen, die ,nii diese Dinge vorbereitet waren und ihnen auch mit der nötigen Ei gie und mll dem guten Gewissen der Tatsachen entgegentreten ko len und auch entgegengetreten sind, aber man konnte naturgemäß dem Vorwurf der „Drückebergerei", der ja zunächst als antisemilis( es Hetzmittel diente, am besten damit begegnen, daß man eine Organisation der jüdischen Frontsoldaten schuf. Diese Erwägungen haben in erster Linie den Gründer und mm schon zehn Jahre als bevvä neu ersten Vorsitzenden des Hundes fungierenden Kamerad Dr. Len Loewenstein, Berlin, veranlaßt, den Reichsbund indischer Frontsoldaten ins Leben zu rufen. Die Richtigkeil des eingeschlagenen \\ . es winde schnell erkannt, und so erweiterte sich der Kreis der Gleichgesinnten immer mehr und zählt heute die stattliche Zahl von etwa Vierzigtausend Mitgliedern. Auch der Aufgabenkreis hat sieh rasch vergrößert. AK selbstverständliche Ehrenpflicht wurde von Anfang an die Ehrung und das Gedenken unserer Gefalleneil und derer der anderen Konfessionen betrachtet, sowie die Unterstützung der kriegsbescllädigten jüdischen Kameraden und Hinterbliebenen, soweit es die Mittel zulassen. Es wmde das „Fliegerbuch" herausgegeben, welches Aufschluß gibt über ilie Tätigkeit der jüdischen Kameraden bei den Fliegertruppen; Sportgruppen wurden gegründet, eine Stellenvermittlung eingerichtet, günstige Bedingungen geschaffen für den Abschluß von Lebensversicherungen und anderes mehr. AN letzte Großtaten seien noch erwähnt die Siedlungs-Aktion, welche durch die Initiative des Frontbundes zur Gründung des „Reichsbundes ihr jüdische Siedlung" geführt hat. und die Veröffentlichung der Liste der gefallenen jüdischen Kameraden im „Schild", die später in einem I Suche zusammengefaßt erscheinen wird. Wir sehen somit, daß sich die Tätigkeit des R, j. F. nach zwei großen Richtungen hin bewegt: und zwar dient sie erstens der Abwehr des Antisemitismus und zweitens kameradschaftlichen Zwecken. Die schweren Aufgaben, die sich der Hund gestellt hat. bedingen aber auch Kameradschaft und sind je eher zu lösen, je größer unsere Gemeinschaft Ist. l ud da Iiiuli gesagt werden, daß leider immer noch zu viele abseits stehen und ihre kameradschaftliche Pflicht noch nicht erkannt haben. Ihnen sei das schöne Wori und mehr noch der erhabene Sinn der Kameradschaft ins Gedächtnis zurückgerufen. Mit Stolz kann der erfüllt sein, der ein unter Kamerad genannt wird, und so sei euch jüdischen Frontsoldaten, die ihr noch nicht im R. j. F. seid, zugerufen: ..Seid Kitte Kameraden. gedenkl eurer Kameradenpflicht; tretet ein in unseren Hund, wir bedürfen eurer jetzt ebenso w ie damals im Felde". Unsere Gemeinde Die Heiligung des Licbcserlebens Hie Frage nach dem Verhältnis der Geschlechter und nach den ichen Gesetzen, denen seine Regelung unterliegt, ist zweifellos in dl letzten Jahren in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Von nicht jüdischer Seite ist sie in Wort und Schriit behandelt wurden. Her brennende Wunsch unserer jüdischen Männer- und Frauenwelt, die Ansicht des Judentums über diese wichtigen Fragen kennenzulernen, l> seither nahezu unerfüllt geblieben. Her in der jüdischen Anschauswell außerordentlich bewanderte Dozent am Jüdisch-Theologischen Seminar in Breslau. Herr Hr. I. Heine Dia n n . hat in Breslau i en Lehrgang über dieses Thema gehalten, der so starken Anklang fand, dalt er bereits nach wenigen Weichen wiederholt werden mußte. \ i Hilten der hiesigen Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes hat h der als ungemein fesselnder Redner geschätzte Gelehrte bereit et läri. die Hauptergebnisse seines Lehrgangs auch hier in Leipzig vorzutragen. Wir zweifeln nicht, dalt der Vortrag, der am 11. Mär/ Saale des Kaufminnischen Vereinshauses stattfinden wird, das I eresse weitester Kreise innerhalb imerer Gemeinde finden wird.!• undgebung der Agudas Jisroel. Jacob Rosenheim i i Leipzig Im Rahmen der Werbeveranstaltungen anläßlich der bevorsteheni i 2. Kenessio Gedauloh der Agudas Jlsroel-Weltorganlsation finde! i Dienstag., den 12. März im Terrassensaal des / ml. (larlens. abends ,x Ihr eine Kundgebung der hiesigen :udohkreise stall. Hierbei wird der Vorsitzende des „Geschäftsfhrenden Ausschusses" in Fkf.. Jacob Rosenheim, Stellung innen zu den Problemen, die augenblicklich die gesetzestreuen Juden r Welt bewegen. Hie Persönlichkeit des auch in Leipzig rühmlichst i kannten Redners dürfte zu einem Massenbesuch dieser Ycrallstali im Aulalt geben. Neben diesem prominenten V ertreter der Agudahi wegung wird auch das Vorstandsmitglled der Deutschen Landesganisation, Herr Wolf J. Jacobson. Hamburg, an diesem tend das Wort ergreifen. Herrn Jacobson gehl der Ruf einer außerdentlich zündenden und begeisternden Rednergabe voraus. raelitischcr Frauenverein Nur einmal im Jahre, anläßlich seiner H aup t> c r s a in tu I u u g . itt der Israelitische Frauenverein vor eine größere Öffentlichkeit. Haber kommt es, daß es Leipziger Frauen gibt, die nur wenig über die Tendenzen des Israelitischen Fraiienvereins unterrichtet sind. Her Israelitische Frauenverein ist der iiiteste Frauenverein Leipzigs, Er ist der jüngeren Generation unserer Gemeinde weniger bekannt, weil er seinen Satzungen entsprechend, in aller Stille wirkt. Es soll daher heute Einiges zur allgemeinen Kenntnis gesagt werden. Die Aufgabe des Frauenvereins besteht darin, armen, kranken Frauen und Mädchen Unterstutzungen zu gewähren, zu ihrer Kräftigung und Pflege beizutragen. Medikamente und Bäder zu \erschaffen. Mit den Erfordernissen der Zeit mitgehend, hat er in den letzten Jahren, auch Mittel zur Berufsausbildung lunger Mädchen gewähr! und so wirkliche produktive Hille geleistet. Vielen Tausenden hat der Verein in den 76 Jahren seines Bestehens wohltuende Linderung ihrer Leiden verschafft oder ihnen die Möglichkeit zu eigener Erwerbstätigkeit gegeben. Iii der heutigen schweren Zeit sind die Anforderungen, die an den Israelitischen Frauenverein gestellt werden, außerordentlich gewachsen, und es ist eine drI n gen d e NotwendIgke 11, dalt alle jüdischen Frauen durch persönliche Mitarbeit, durch Werbung neuer Mitglieder oder durch Zuwendung von Mitteln au den Bestrebungen des Vereins mitwirken, nur dann kann er auch fernerhin seine segensreiche Tätigkeit in bisheriger Weise entfalten. Es sei hier zugleich darauf hingewiesen, dalt die 11 a ii p t v e r s a in m Inns des Israelitischen Frauenvereins am Mittwoch, den 13. Mär/ P'io um 16,30 l'hr in den Logen räumen, Arndtsir. i. stattfindet Anschließend geselliges Beisammensein mit musikalischen Vorträgen aus den Kreisen der Mitglieder. Mitglieder und Cäste sind freundlichst geladen. Bildung eines Jüdischen Schiedsgerichts in Leipzig Auf Veranlassung der Jüdischen Volkspartei fand im Jüdischen Jugendheim eine Besprechung der Vertreter sämtlicher jüdischen Organisationen Leipzigs stau, die der Bildung eines jüdischen Schiedsgerichts Leipzigs galt. In der Aussprache ergab sich volle Einmütigkeit Ober die Notwendigkeit eines jüdischen Schiedsgerichts, und es wurden bereits eine Reihe Organisationsfragen erörtert. Es wurde eine Kommission, bestehend aus Rabbinern. Juristen und Kaufleuten gebildet, welche innerhalb eines Monats die Statuten des Jüdischen Schiedsgerichts ausarbeiten und dann dem Plenum der Vertreter der jüdischen Organisationen vorlegen soll. Ihre Zustimmung zu dem Schiedsgericht haben erklärt: die Jüdische Volksparlei. Vereinigung für das liberale Judentum. Centraiverein