Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 10 (9.3.1929)
- Date
- 1929-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 sie u&hmen's uns zumal, und nichts ist uns geblieben, als dieser Thora Strahl." Diese rhora aber fand der .lüde nidil nur in der Synagoge. ..Nicht wie du sein Haus bausl wie du dein Maus baust, fragt Qott" nach dem bezeichnenden Wort eines neueren jüdischen Henkers, (ierade eine Religion Wie die jüdische, die weit stärker den Ritus als das Dogma betont, mußte dei sichtbaren Darstellung des Religiösen, mußte daher der kniist «eiteren Spielraum gewähren als etwa der Protestantismus wenn sie mit Liebe aufgefaßt wurde und wenn ihrem Streben, das Leben heiligend zu erhöhen, ein verständnisvolles Empfinden, ein persönliches Bedürfnis entgegenkam. Wie sehr dies im Judentum der Fall war. zeigt unsere Ausstellung. Nur weil man im Sahbat keineswegs einen Tag voll himmlischer Polizeivorschriften sah. die man seufzend um jenseitigen Lohnes willen innegehalten hätte, nur weil man an ihm, Wie das Sabbatlied es ausdrückt, die Engel Gottes niedersteigen fühlte, die den getretenen Hund von gestern in den Königssohn veu heute wandeln, nur deshalb begrüßte man frohen Stolzes seinen Einzug, indem mau die kostbaren Kidduschbecher, die Sie sehen werden, bis zum Rande gefüllt ihm entgegenhob, verklärte man seinen Ab- Thorakronc ter ehemaligen Gemeinde Zfilz I Schlesien Ausstellung den steht: Introite, n auch hier weht < en. schied, indem mau aus den schönen hernen Habdalabüchsen, die man mit \\ gediehen füllte, den Duft des scheide! Tages zu eratmen suchte, l ud wenn auch diese Gegenstände einstellen ins hen und bei den herrlichen Scdcrsc sein den Ritus des Abends miterle dessen Zeugen diese Schüsseln seit Jahrtausenden sind, wenn Sie den Haus\ er den Kindern das ungesäuerte Brot I l. chen, den Wein schenken, das Wunder , es Tages deuten sehen, wie Jesus seinen J in. nein, dann ahnen Sie alle. Juden und Ni Juden, daß diese Religion als liebevoll s'eübte Gesetzesreligion ihren Bekent einen Kraftquell schaffen konnte, keine Verfolgung zu verschütten imsta war. Wo aber solche Kräfte walten, wo i . Gemeinschaft ihrem uralten Adel und seinen verpflichtenden Idealen die Treue halten weil'., trotz Sorge und Vcrfolgu j, da ist heiliger Hoden. Das mag. glaube wohl auch derjenige fühlen, der sich sei sl anderer Quellen eigener Kraft und Trent bewußt ist. So darf denn uns allen uns . Spruch zuzurufen, der über LessingS Natl n im et hie dii sunt zu deutsch: Tretet i iottes Hauch. Kundgebung des deutschen Komitees Pro Palästina in Leipzig Am Donnerstag, dem 2s, Februar, fand in Leipzig eine machtvolle rebung des Deutschen Komitees Pro Palästina unter Vorsitz des (jraieii Bernstorf! statt. Erschienen waren als Vertreter der Sächsischen Staatsregieruns Kreishauptmann Dr. Marcus, als \ertreter der Stadt Leipzig Bürgermeister l>r. Kubitz, für die Universität Qeh.-Ral Prof. Dr. Wiedenfeld, ferner Regierungspräsident Haussmann, Stralsund. Kreishauptmann Uuek, Dresden, QeJi.-Rat i ii n c k, Leipzig, sowie etwa tausend geladene Qästc. t.r.ii Bernstorfl eröffnete die Veranstaltung mit Verlesung eines Telegramms von Alberl Einstein und setzte dann die Ziele und Aufgaben des Komitees auseinander, das als überparteiliche und überkonfessionelle Gemeinschaft am Wiederaufbau Palästinas teilnehmen wolle, Er unterstrich, dafi Deutschland als Mitglied des Völkerbundes und der Mandatskommission nicht nur eigenste deutsche Interessen verfolgen, sondern auch führend an den gemeinsamen Idealen des Völkerbundes mitarbeiten müsse, her Palästina-Aufbau sei eines der hervorragendsten Ideale des Völkerbundes. Danach begrUBte Kreishauptmann l>r. Marcus als Vertreter der Sächsischen Regierung die Versammlung. Er würdigte besonders die kulturelle Seite des Palästinawerkes, das Schul- und Hochschulwesen und versicherte, dali seine Regierung alles um würde, um das große Aulbauwerk zu fordern. Rabbiner l»r. Fells Gold mann nah dann in formvollendeten und inhaltsreichen Ausführungen seiner Freude Ausdruck über dieses KroBe Friedenswerk, welches das Recht zur Grundlage und die Völker« Versöhnung zum Ziele habe. Dann ergriff Regierungspräsident Haussmann (Stralsund) das Wort, um begeistert van seinen personlichen Eindrücken in Palästina /u erzählen. Die jüdische Renaissance sei in Palästina kein Schlagwort, ein neues, freies und glückliches Geschlecht wachse dort in eng-' ster Verbundenheil mit der Urheimat empor. Der Palästina-Aufbau sei nichi mir ein Kolonisationswerk, sondern Palästina solle wieder das Kulturzentrum iiir die gesamte Judenheil werden. Der Redner wies daraul hin. dal; die Juden Amerikas und Englands geschlossen hinter dem Palästinawerk stünden, nur die deutschen Juden hätten sielt schon derartig assimiliert, dali sie sogar die Untugend der Deutschen, die Uneinigkeit, mit übernommen hätten. Er setzte sich dann in treffenden Ausführungen mit den Argumenten derjenigen deutschen Juden auseinander. dk Hoch abseits stehen. Kreishauptmann Huck (Dresden schilderte dann die Motive. die Ihn zu der Pin Palästina-Bewegung gefQhrl haben. Ihm sei Verwaltungsbeamten die Not des wandernden Teils der Judenheit kaum, denen nun in Palästina eine bleibende Wohnstätte geschai werde. Ihnen und auch solchen, die ihre sichere Stellung und II rc Existenz hier aufgegeben, bietet Palästina, das jetzt schon ni i 160 000 jüdischen Einwanderern 30000 in der Landwirtschaff bescl (ige, die Möglichkeit der Seßhaftigkeit auf dem alten Heimarbodet Vom Standpunkt des \\ eltw irtschaillers behandelte dann Gehe rat Prot'. Dr. Wieden leid das Problem. Deutschland muH. SO fühl C er aus. seine Exportmärkte nach dem Osten und Südosten ausdehl Hierbei müsse nicht nur die jetzige, sondern die künftige Aufnäht fähigkeil iiir deutsche Exporlgütcr in Betracht gezogen werden. D hänge in Palästina vom Erfolge der jüdischen Stellung ab. MaBgebt hierfür sei nicht etwa nur der Kaum und die Rohstoffe, sondern si Vor allem die Menschen. I etzten Endes seien es ideale MoilH welche auch in der Wirtschaft Erfolge bestimmen. Die judis^ Menschen, die mit größter Willenskraft, inner gern ertragenen I behrungen sich für die Neuerwcckung des uralten Kulturbodens P stiiias einsetzen, seien die Garantie iiir das Gelingen des Werkes, dem dies Unternehmen von Deutschland aus gefördert werde, wüi nicht nur die Zukunft Palästinas, sondern auch die der deutscl wirtschaftlichen Beziehung dahin gesichert werden. AK letzter Redner «ah Kurt Blumenfeld (Berlin) eit Überblick über die historisch-politische Entwicklung des Paläsl Werkes: er schilderte dann eindringlich die objektive Judenfrage, seit 1914 in ein neues Stadium eingetreten sei. Die Vergenossi Schaffung der Landwirtschaft, die Vertrustung der Industrie, die \ beamtung der gesamten Wirtschaft nehmen den Juden überall l eb* möfciichkelten. In ihrer Notlage brauchen die Juden eine Hoffnu und die gebe ihnen Palästina. Der Aufbau könne nur gelingen, w nicht nur Freude und Sympathie erklärt würde, sondern talkrat' und entschlossene Arbeil dahinterstünden! Nur durch jüdische Seih hüte sei die jüdische Fage zu lösen. Iii seiner Schlulialisprache «ab Gral Bernstorfl der II nun« Ausdruck, um dieser Kundgebung auch in Leipzig neue Freuni iiir den Palästina-Aufbau gewonnen zu haben. Der Abend hinterließ bei der Zuhörerschaft, die sich aus jiidissi und nichtjüdischen geladenen Qisten zusammensetzte, einen sehr sl ken Eindruck.