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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I. M in 1929 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REL1G10NSGEMEINDE ZU LEIPZIC Seite 3 FRANZOSISCHE JUDEN AUF DER LEIPZIGER MESSE Historische Studie von Arno Kartp » in 10. Oktober des Jahres lsoii erschienen die französll\ schon Handolsjndcn LliasMardochal und sein Solln /jLQerson auf der Ratsstube zu Leipzig und baten unter Vorzeigung ihrer Originalpässe, die sie als französische Unterlaut ii kenntlich machten, tun „Befreyung von dem gewöhnlichen Judenzoll, auch allen anderen von den .luden zu entrichtenden Abgaben. Sie seyen hierboy der /uversichtliclien Hoffnung, man werde von Magistratswegen in ihnen den französischen Bürger respectiren und ihnen als solchen alle diejenigen Kochte und Preyheiten zugestehen, die man in Prankreich einem jeden ohne Unterschied der Religion und Nation angedelhen läßt..... Sollton jedoch Bedenklichkeiten im Wege stehen. so erbitten sie zugleich um Lrthcilung schriftlicher Resolution." Der Rat resolvierte: „ohne landesherrlichen Befehl kann diesem Verlangen nicht stattgegeben werden!" Sechs Jahre später kamen unsere beiden .luden wieder auf jk Aesse nach Leipzig. Sie passierten am 14. April 1806 nachmittags f) Uhr das Ranstädter Tor und erhielten hier vom Torschreiber ihren „Judenzettel", auf dem sie lesen konnten, dal! sie sich „bey Vermeydung von 20 Thalern Strafe Innerhalb 24 Stunden auf der Waage und sodann bey den Stadtgerichten und der städtischen Personen-Steuer zu melden" hätten. Die beiden .luden aber hatten in Erinnerung an ihre Erfahrungen vom Jahre INOO sich beschwerend an ihren Minister Talleyrand gewandt, welcher seinerseits beim sächsischen Ministerium Beschwerde erhob und verlangte, dal.t französische Juden ohne Ansehung der Religion in erster Linie als französische Staatsbürger zu behandeln wären. Der sächsische Kuriiirst hatte auf dieses Verlangen der französischen Regierung;nii 6. April 1806 verordnet, „dafi alle zur bevorstehenden Leipziger Jubilatemesse kommenden französischen Juden mit Leibzoll, (ileite und anderen Abgaben, welche fremde Juden zu entrichten haben, gänzlich verschont bleiben." Der Rat hatte seinen Beamten die Befolgung dieses Lrlasses dringend zur Pflicht gemacht, auch seinen Torschreibern anbefohlen, ..den französischen Juden zu eröffnen, daß sie vermöge hohen Befehls von allen zeitherigen Jüdischen Abgaben befreyet wären." Trotzdem aber händigte der Torschrcihcr unseren beiden I i mzosen den üblichen „Judenzettel" ein, sie damit nicht als ilieder der „Qrande Nation", sondern als Juden stempelnd. Elias schrieb noch am selbigen Abend an den Bürgermeister dt Stadt folgenden Drief: „Mein Herr! Nach dem Driefe. den ich vom Herrn von Talleyrand, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten empfangen, und nach den Verordnungen, welche die Stadt Leipzig erhalten, erwarte ich nicht, eine Auszeichnung, eine Unterscheidung zu finden, wie solche durch den Namen „Judenzettel" herbeigeführt ist, die ich als eine dem Namen eines Pranzosen angethane Beschimpfung ansehen werde, wenn Sie keine Abstellung treffen. Die Sache ist folgende: Bei meiner gestrigen Ankunft alllücr verlangte mau meinen Dali, den mau mir nebst einem Judenzettel zurückgab, indem man mir sagte, daß ich nichts dafür zu bezahlen habe. Diese Auszeichnung 'V) und Unterscheidung demüthlgt und erniedrigt den Namen f'ranzos. und wer das Glück hat, Unterthan Napoleons des Großen zu seyn, muß allenthalben den Respect erhalten, wozu ihn der Name Pranzos berechtigt. W ill man darum den Dali anerkennen, so muH es ohne Unterschied der Religion geschehen. So lautet das französische Qesetz .... Auf dem Leipziger Rathhause hat man mir gesagt, dali das Landesgesetz sey. Dieses Qesetz aber existiert nicht mehr, nach dem zu Preßburg unterzeichneten Tractat, wodurch der Zoll aufgehoben ..... Wenn Sie mir daher den Genuß meines Bürgerrechts v erweigern, so sehe ich mich genöthigt, mich deshalb bey meiner Regierung zu beklagen." Der Rat faßte noch am gleichen Tage folgende Resolution : „Da der von Paris kommende Elias Mardochai bey seiner Ankunft allliier am äußersten Thore sich gemeldet und durch Vorzeigung seiner Düsse sich als französischer Bürger legitimiret hat, so bewendet es dnhey billig und bedarf keines weiteren Zettels (Judenzettels). Dahingegen hat derselbe seinen Miethwirth zu vcranlal.len. daß dieser mittelst Einreichung gewöhnlicher Premdenzettels das Notlüge, und besonders auch, wie lange er sich alllücr aufhalten will, bey der Raths-Stube gehörig anzuzeigen." Die den beiden Juden ausgestellten „Judenzettel" ließ der Rat zurückfordern. Mardochai aber berichtete die Behandlung nach seiner Zurückkuiitt nach Daris Talleyrand, der seinerseits durch den französischen Qesandten am Dresdner Hofe „eindringliche Vorstellung" erhob. Daraufhin verordnete die sächsische Regierung am 9. September 1806, „daß allen französischen Juden, die sich durch einen Da.! ausweisen können. Befreyung von allen jüdischen Abgaben bewilligt werden, auch bedarf es für französische Juden keiner besonderen Preipässe." Durch diese Verfügung vermehrte sich der Zustrom französischer Juden zur Leipziger Messe. Die Leipziger Handelsdeputierten aber hatte man diesmal nicht um ihr fachmännisches (?) Urteil gebeten. Jüdische Verbände und Gemeinden Die Messe des nahen Ostens in Tel Aviv im April 1020 Im April Rüde! In Tel Aviv die Ausstellum; und Messe für P ästilia und den nahen Osten statt. Diese Messe wird sowohl der Ken palästinensischen Industrie, wie Insbesondere dem ameriirischen und europäischen Importhandel Qelexcnhcil zu einer groBi {igen Propaganda ihrer Artikel geben. Qleichzeitig wird diese ^SL■ ein lebendiges Abbild des bisher in der palästinensischen Kolsation Erreichten bieten. Verbunden mit der Messe ist eine s ziehe Automobllausstellung, eine Kunstausstellung und. was für europäische Besucher mit am Interessantesten sein wird, eine große Anzahl von Festlichkeiten anläßlich des 20jährigen Qründungslubiläums von Tel Aviv. Die Abteilung für Ucberseehandel der britischen Regierung erläül eine Kundgebung, in di r darauf hingewiesen wird, dali deutsche, italienische und rumänische Firmen ein grobes Interesse für die Messe an den Tag legen und dal! die Vcrkehrsgesellschaften Lloyd Triestino, I»einsehe Levante-Linie und der Rumänische Seedienst eine Verbilligung der Passagier- und Frachttarife um!0 bis 50% an Messebesucher gewähren. Die Ausstellung werde Abteilungen für Industrie- und Landwirtschaftsmaschinen, für Hau-. Auto- und Flektrotechnikartikel, für Radioapparate, ferner eine Auto- und Motorradschau und eine Abteilung für von den Landesindustrien benötigte Rohmaterialien enthalten. Hie englische Industrie wird aufgefordert, iler diesjährigen Messe besondere Aufmerksamkeit /u schenken und

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